Ubstadt-Weihers langjähriger Bürgermeister Tony Löffler verabschiedet sich in den Ruhestand – und übergibt an seine Nachfolgerin Katharina Kimmich.
Obendrauf noch eine kleine, persönliche Laudatio von Stephan Gilliar
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
gerade habe ich angefangen, mir die Aufzeichnung des großen Festakts zur Verabschiedung von Tony Löffler noch einmal anzuhören, all die Zitate aus den wirklich vielen und üppigen Reden und Wortbeiträgen herauszuschreiben und daraus einen Nachbericht zu basteln. Dann ging mir auf, dass dieser Anlass etwas mehr wert ist als einen 08/15-Artikel, bestehend aus der reinen Wiedergabe des Geschehenen. Denn tatsächlich ist Tony Löffler für mich nicht nur irgendeine Personalie, sondern ein Mensch, ohne den dieses Medium, die ehrenwerten Hügelhelden, möglicherweise nicht dort stünden, wo sie heute stehen.
Ein Anfang mit Unterstützung
Als ich vor etwa 13 Jahren beschloss, meine Jahre im Dienste diverser Fernseh- und Radiostationen hinter mir zu lassen, um etwas Eigenes aufzuziehen, hatte ich tatsächlich keine Ahnung, wie schwer ein solcher Anfang sein kann. Verwöhnt durch die Reichweite der großen Stationen, bei denen ich zuvor gearbeitet hatte, ging es bei dem nagelneuen Projekt hügelhelden.de zu Beginn einfach nur darum, überhaupt erst einmal das Publikum der Region darauf aufmerksam zu machen. Als wir 2013 an den Start gingen, waren das ein paar tausend Klicks im Monat – manche Tage haben wir vermutlich, wenn überhaupt, nur für eine Handvoll Leserinnen und Leser Programm gemacht. Was es brauchte, waren renommierte Partner, deren Namen für Unterstützung und ein Stück weit auch für die Legitimation des neuen redaktionellen Angebotes sorgen sollten.

Nun ja – der erste dieser Partner war die Gemeinde Ubstadt-Weiher, und zwar in Person von Bürgermeister Tony Löffler. Als ich 2013 das Projekt in seinem Büro das erste Mal vorstellte, war er zwar skeptisch, hat aber der Sache eine Chance gegeben und uns mit ersten Aufträgen unterstützt.
Ein Mann, der anpackt statt palavert
Und das will tatsächlich etwas heißen, denn Tony Löffler ist nicht gerade das, was man einen „Digital Native“ nennen würde. Als er geboren wurde, gab es noch längst kein Internet, keine Smartphones… Computer füllten ganze Räume aus, und das Fernsehen wurde über drei Programme noch schwarz-weiß übertragen. Dennoch hat er mir und meiner Idee Vertrauen geschenkt und wurde hoffentlich all die Jahre nicht enttäuscht, denn stolz dürfen wir die Gemeinde Ubstadt-Weiher seit diesem Tag an zu unseren Kunden zählen. Dafür ein großes Dankeschön – allen voran an Tony Löffler.
Jetzt geht dieser Mann in den Ruhestand – in den „wohlverdienten“, wie es so schön heißt – und das trifft tatsächlich auf kaum jemanden mehr zu als auf Tony Löffler. Leicht hat er es sich nicht gemacht, diese letzte Amtszeit vorzeitig zu beenden. Doch private Gründe – handfeste, so viel sei Ihnen versichert – haben letztlich zu der Entscheidung geführt.
Leise Töne, große Wirkung
Sein Ausscheiden wird außerhalb von Ubstadt-Weiher kaum jemand mitbekommen oder tangieren. Das geht in Ordnung, denn es ist genau die Art und Weise, wie Tony Löffler die Gemeinde geführt und Politik gemacht hat: leise, zurückhaltend, besonnen und durch und durch pragmatisch. Tony Löffler war nie laut, nie aufbrausend, stand nie für knackige Schlagzeilen oder zwischenmenschliche Extravaganz. Statt Schaum zu schlagen und Nebelkerzen zu werfen, hat er sich reingekniet, hat gearbeitet – jeden Tag, nahezu ohne Pause, ohne sich und seine Person dabei in den Mittelpunkt zu stellen. Das hat mir immer Respekt abgenötigt – eine ehrliche Geradlinigkeit, wie man sie heute nur noch sehr selten findet.

Er war kein in Wolkenkuckuksheim beheimateter Visionär – und das ist in diesem Fall keine Schwäche, sondern eine Stärke. Tony Löffler war ein Verwalter im besten Sinne des Wortes. Auch wenn „Verwalter“ heute von vielen fast schon als Schimpfwort gebraucht wird, halte ich es für eines der wertvollsten Attribute in der Kommunalpolitik. Ich würde immer und jederzeit einen Bürgermeister bevorzugen, der sein Handwerk gelernt hat. Einen, der die Fallstricke kennt, die Höhen und Tiefen dieses Berufs, der weiß, was zu tun ist, um das Schiff auch im Sturm auf Kurs zu halten. Denn das, was viele als gewünschte Alternative zum vermeintlich „langweiligen Verwalter“ begreifen, ist doch letztlich oft nur substanzloses Blendwerk. Tony war das genaue Gegenteil – Substanz statt Show, Verlässlichkeit statt Visionstheater.
Tony hatte einen präzise justierten Kompass und ist diesem unbeirrt gefolgt – egal, wie die Großwetterlage auch immer ausgesehen haben mag. Die Art und Weise, wie er Ubstadt-Weiher geführt hat, war weder prätentiös noch ausschweifend, aber sie hatte immer Hand und Fuß. Ganz oben: ein Mann, der seinen Job verstanden und ausgefüllt hat. Er war niemand, der auf Vereinsfesten bis in den frühen Morgen versackt ist, niemand, der jovial und schulterklopfend Vitamin B über großspurig gepflegte Männerbande verteilt hat. Dennoch war er sich nie zu schade, jedes einzelne Fass anzuschlagen, sich blicken zu lassen, Gesicht zu zeigen – ohne sich dabei anzubiedern. Es gibt nur wenige Kollegen, auf die diese Attribute ebenfalls zutreffen.
Tony pur
Ich habe immer gerne Zeit mit ihm verbracht. Ich kann Ihnen nicht mal genau sagen, warum, aber in seiner Gegenwart habe ich mich dennoch immer wohlgefühlt. You get what you see – keine undurchsichtige Politiker-Fassade, die durch aufgesetzte Freundlichkeit und falsche Floskeln irritiert, sondern… na ja, Tony pur. Ohne Wenns und Abers.
Jetzt ist er fort, hat das Rathaus, in dem er so viele Jahrzehnte gearbeitet hat – übrigens nicht nur als Bürgermeister, sondern auch schon lange davor – endgültig verlassen. Wie sehr er fehlen wird, das haben viele der Menschen hier im Haus vermutlich noch längst nicht begriffen. Schließlich gehörte der unaufgeregte Mann mit den zum Schluss schlohweißen Haaren und den roten Wangen irgendwie zum eigenen Alltag, zum eigenen Leben dazu. Nicht wenige Menschen im Rathaus haben Tony Löffler vom ersten Tag an gekannt, haben unter ihm eine Ausbildung begonnen, ihn als Konstante erlebt.
Ein vielversprechender Neuanfang
An seiner statt zieht nun Katharina Kimmich in das große Büro im ersten Stock – durch dessen bis dahin meist offen stehende Tür man bereits blicken konnte, wenn man den letzten Treppenabsatz erklommen hat. Man möge bitte gnädig mit mir sein, wenn ich die Mutmaßung anstelle, dass der Wechsel nicht so schwer sein wird, wie man vielleicht denken könnte. Denn Katharina Kimmich ist nach meinem Empfinden ein ähnlicher Schlag Mensch – und das soll bitte als Kompliment begriffen werden.

Mal abgesehen von den offensichtlichen Unterschieden wie Geschlecht und Alter, ist auch sie ein ruhig und besonnen agierender Mensch, niemand, der sich selbst im Mittelpunkt platziert, und stattdessen unbeirrt, korrekt und geradlinig für die Sache selbst wirkt. Ohne sie auch nur halb so gut zu kennen wie Tony Löffler, stelle ich die Vermutung an, dass sie in der Lage sein wird, seine Fußstapfen auszufüllen. Denn alles, was ich bisher gesehen habe, fand ich durchaus beeindruckend.
Beim Wahlkampf war sie die Einzige, die „die Eier hatte“, sich frei vor das Publikum zu stellen, ohne sich ans Pult zu klammern, ihre Ausführungen ohne Zettel frei und aus dem Gedächtnis vorzutragen. Das ist ihr ohne jegliche Erfahrung und Routine in der freien Rede sicher nicht leicht gefallen und hat garantiert höllisch viel Arbeit und Vorbereitung im Vorfeld bedeutet – so viel ist sicher. Das können Sie mir als jemand, der viel Zeit auf Bühnen verbracht hat, wirklich glauben.
Wenn sie sich so reinhängt, wird sie eine gute Bürgermeisterin abgeben. Und das sahen offensichtlich so viele Menschen in Ubstadt-Weiher ähnlich, dass es für sie – als absolute Newcomerin – überraschend gleich im ersten Wahlgang gereicht hat.
Der Abend der warmen Worte
Jetzt habe ich nur über die beiden und kein bisschen über den großen Festakt geschrieben, an dem der eine unter Applaus verabschiedet und die andere ebenso herzlich begrüßt wurde. Aber das ist auch nicht wichtig – Sie können sich vorstellen, wie ein solcher Abend abläuft. Es gibt Blumen, es gibt Musik, es gibt reichlich warme Worte und Laudationen bis zum Abwinken – manche gut, manche weniger gut… so wie es immer ist. Ich habe mir erlaubt, das in diesem Fall anders zu handhaben. Man möge es mir nachsehen.
Letztlich möchte ich eigentlich nur eines sagen, wenn wir alles auf das Wesentliche reduzieren wollen:
Vielen Dank, Tony. Danke für alles!

Vielen Dank für diesen, wieder einmal bravourös formulierten Artikel, dem ich aus vollem Herzen zustimme. Besser kann man diesen besonderen Menschen Tony Löffler nicht beschreiben.
Vielen Dank liebe Inge, Zuviel der Ehre.
Ein großartig geschriebener Artikel ganz ohne „professionelle Distanz“ und ein sehr gelungenes Portrait des Menschen Tony Löffler. Danke!