Vergesst den Weihnachtsmarkt in der gehypten Ravennaschlucht! Im Kraichgau gibt es gleich einen ganzen Strauß voller Weihnachtsmärkte, welche diesen locker in die Tasche stecken.
Der Schwarzwald ist wunderschön. Ein Satz, der genauso stehen bleiben darf – ohne wenn und aber. Es gibt unfassbar schöne Ecken zwischen den nördlichsten Zipfeln bei Pforzheim bis hinunter in den bergigen Süden bei Waldshut. Hier können Sie noch echte Abenteuer erleben, Wanderungen durch den tiefen, fast schon unberührten Forst genießen, Sie können Ausblicke erleben, die Ihnen den Atem rauben werden, ein ungezügeltes, wildes Stück Natur erfahren, das nicht weniger ist als das schlagende grüne Herz unseres Bundeslandes.
Um die Schönheit des Schwarzwaldes zu erleben, braucht es keine Superlative, braucht es im Grunde nicht einmal einen einzigen Cent Geld. Klar, Sie können sich den Wald von oben vom beeindruckenden Baumwipfelpfad aus ansehen, Sie können über faszinierende, in der Regel aber gebührenpflichtige Hängebrücken laufen – aber um die Essenz des Waldes zu genießen, braucht es all das nicht. Nach meiner Erfahrung, unter anderem aus ein paar Jahren als Wahl-Schwarzwälder, erschließt sich die ganze Pracht dieses dichten Grüns vor allem denen, die es im Stillen, ganz bewusst und achtsam durchwandern.
Das Problem mit dem Rummel
Ein paar sehr beeindruckende Routen führen auch durch das Höllental, vorbei am riesigen Viadukt in der Ravennaschlucht. Ein Bauwerk, das schon damals vor Jahrhunderten durch seine spektakuläre Planung und den schwierigen Bau für Aufmerksamkeit sorgte, in den letzten Jahren aber auch zunehmend für seine Rolle als Kulisse des vergleichsweise jungen Weihnachtsmarkts zu seinen steinernen Füßen. Da sich der tiefe, dunkle Tannenwald, das Panorama des lang gestreckten Tals und die bunt angestrahlten Pfeiler des Viadukts wohl bestens für stimmungsvolle Social-Media-Postings eignen, ist die Zahl der Besucher regelrecht explodiert. Um diese Besucherströme zumindest etwas zu lenken – wer schon einmal vor Ort war, weiß: Die Infrastruktur ist für solche Menschenmengen gar nicht ausgelegt –, hat man seitens des Schwarzwald Tourismus beschlossen, den Eintritt zum Markt in kleine zeitliche Happen zu unterteilen und dafür jeweils Tickets zu verkaufen. 100.000 sollten es in diesem Jahr sein, und 100.000 wurden auch verkauft – innerhalb weniger Stunden.

Das dürfte für viele lange Gesichter sorgen: für die Einheimischen, die sich einfach nur einen kleinen, schönen Markt wünschen ohne den ganz großen Rummel, und vielleicht für andere, die ihn sich gerne spontan angesehen hätten, allerdings keine Lust hatten, wie bei einem Rolling-Stones-Konzert mit dem Finger an der Taste F5 zum Verkaufsstart am Computer zu hängen.
Das Ganze hat – wie man bei uns gerne sagt – irgendwie ein so gar nicht weihnachtliches Gschmäckle. Wenn ein Weihnachtsmarkt, der eigentlich als Treffpunkt und Ort der Begegnung für die Menschen vor Ort gedacht ist, auf eine möglichst spektakulär zu inszenierende Kulisse für die Selbstdarstellung Einzelner reduziert wird, darf man völlig zurecht eine Augenbraue hochreißen. Man kann den Verantwortlichen vor Ort keinen Vorwurf machen: Sie versuchen das Beste aus dieser Lage zu machen – verbieten kann man schließlich niemandem die Anfahrt.
Die gute Nachricht aus dem Kraichgau
Sie können sich die Schlacht um die Tickets, den langen Anfahrtsweg, das beschwerliche Parken und je nach Tageszeit und Wetter auch eine gewisse Enttäuschung ersparen (auch im Südschwarzwald gibt es durchaus nicht postkartentaugliches Schmuddelwetter), indem Sie die wunderschönen Weihnachtsmärkte genießen, für die unser Hügelland bekannt ist.
Denn auch bei uns hat sich längst herumgesprochen, dass ein Weihnachtsmarkt durchaus von seiner Kulisse lebt. Das ist keine Voraussetzung: Wenn das Miteinander im Dorf stimmt, braucht es kein dekoratives Gedöns, um eine solche Begegnung im Dorf zu genießen – aber natürlich schadet es unterm Strich auch nicht.
Lassen Sie mich Ihnen an dieser Stelle ein paar Weihnachtsmärkte vorstellen, die sich in der langen Liste ein Stück weit hervorheben.

Sulzfeld zieht auf seine Ravensburg
Fangen wir mit einem Newcomer an: Das kleine Sulzfeld hat beschlossen, als Testballon den dörflichen Weihnachtsmarkt vom Vorplatz des Rathauses hinauf zur alten Ravensburg zu verlegen. Chapeau muss man hier sagen – mit den alten Mauern der mittelalterlichen Burg kann das zweckdienliche Gebäude aus den Sechzigern freilich nicht mithalten. Schon bei den Burgfesten auf der Ravensburg platzt das kleine Sulzfeld quasi aus allen Nähten, niemand will sich eine solche Begebenheit entgehen lassen. Schwierig ist immer die Verkehrssituation: Die alten Burgherren waren verständlicherweise nicht auf größere Blechlawinen eingestellt. In Sulzfeld möchte man daher einen Pendelverkehr mit einem Shuttle anbieten, sodass Besucherinnen und Besucher des Weihnachtsmarktes ganz einfach und problemlos den Weg hinauf zur Burg finden. Und was noch? Eine Feuershow verspricht Bürgermeister Simon Bolg, außerdem Auftritte von Bianca App und dem Kinderchor. Wer sich diesen außerordentlich kleinen Markt nicht entgehen lassen möchte, hat am 28. und 29. November die Gelegenheit dazu.

Kraichtal: Zwei Märkte, historische Mauern
Natürlich ist Sulzfeld nicht die einzige Gemeinde im Kraichgau, die das eigene Schloss als Kulisse für das weihnachtliche Treiben ausgemacht hat. Im Kraichtal gibt es gleich zwei Weihnachtsmärkte innerhalb historischer Mauern. Vorneweg der städtische Weihnachtsmarkt, der seit einigen Jahren aus der Ortsmitte von Münzesheim auf das Graf-Eberstein-Schloss Gochsheim umgezogen ist, seither bekannt als Kraichtaler Schlossweihnacht. In diesem Jahr – leider parallel mit der schönen Alternative aus Sulzfeld – zeitgleich zu bestaunen am 28. und 29. November.
Kraichtal hat aber natürlich mehr als nur ein Schloss zu bieten: Da gibt es ja auch noch die vom CVJM betriebene wunderschöne alte Anlage im Herzen von Unteröwisheim. Hier hat sich seit einigen Jahren ein kleiner, aber sehr feiner Markt etabliert, der auch von den schön restaurierten Mauern rundherum profitiert. Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Ausgabe des „Uneroisa Schloss-Advents“ am Samstag, dem 5. Dezember, zwischen 15 und 20 Uhr am CVJM-Lebenshaus.

Bruchsal: Barocker Prunk
Wenn Sie gerne in barockem Glanz, zwischen Pracht, Stuck und reichlich Geschichte Advent feiern möchten, kommen Sie an der wirklich großen Adresse, an der ganz großen Sause nicht vorbei. Der Adventsmarkt im Ehrenhof von Schloss Bruchsal gehört in seiner Opulenz, seiner Farbenpracht, seinem Lichtermeer und dem von A bis Z durchdachten feierlichen Rahmen zu den ganz großen Prunkstücken unserer Region. Die ohnehin schon schöne Schlossfassade wird durch Lichtprojektionen noch märchenhafter, dazwischen unzählige schneeweiße Pagodenzelte, Lichtinstallationen, Weihnachtsbäume und eben alles, was zu einem Winter-Weihnachts-Wunder dazugehört. In diesem Jahr findet der Markt wieder über zwei Zeiträume hinweg statt: vom Donnerstag, dem 3. Dezember, bis Montag, dem 7. Dezember, und noch einmal vom Donnerstag, dem 10. Dezember, bis zum Montag, dem 14. Dezember.

Ubstadt-Weiher: Mittelalter im Kleebühl
Ob es das schon gewesen ist? Mitnichten, nö, nope … das geht noch mehr! Am ersten Adventswochenende, also auch hier wieder der 28. und 29. November, verwandelt sich die kleine Ecke im Kleebühl, dort wo Ubstadt und Weiher aufeinandertreffen, in eine gemütliche mittelalterliche Szene. Die Bauersleut von Ubstadt laden wieder zu ihrem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt – inklusive rustikaler Feuerstelle, Krämerey, Schenke, Eulerei und allem, was man hier in den letzten Jahren gern und lieb gewonnen hat. Wer mag, darf in Gewandung erscheinen: Alles, was zur alten Inszenierung beiträgt, ist natürlich zu begrüßen.
Es muss nicht die große Fahrt sein
Sie sehen: Es muss nicht die große Fahrt in den Schwarzwald bedeuten, wenn man einen liebevoll gestalteten und in prächtiger Kulisse angesiedelten Weihnachtsmarkt besuchen möchte. Es geht auch ohne Schlangestehen zwischen fünf Dutzend ins Smartphone quatschenden Influencern, ganz gemütlich hier bei uns vor Ort im Land der 1000 Hügel. Das Beste: Unsere heutige Auswahl stellt nur ein paar der Highlights dar – kleine und große Märkte gibt es darüber hinaus in Hülle und Fülle. Ob Sie auf dem historischen Marktplatz von Bretten feiern möchten, in der gemütlichen Ortsmitte von Tiefenbach, im Kuhstall auf dem Bruchsaler Schleicherhof oder im Klosterhof in Maulbronn – Sie haben wie jedes Jahr die Qual der Wahl.

Die ganze Liste gibt es im Laufe des Novembers hier auf hügelhelden.de. Und da sich insbesondere an den ersten beiden Adventswochenenden die Angebote gegenseitig zeitlich überlagern, sollten Sie Ihre Wahl weise treffen. Und nicht vergessen: Das Ambiente ist nicht so wichtig – viel mehr geht es in der Vorweihnachtszeit um das Gemeinsame. Dort, wo Sie auf Menschen treffen, die Sie gernhaben, mit denen Sie gerne Zeit verbringen, dort sind Sie genau richtig. Das kann in einer Schlucht sein, auf einem Schloss oder in einer Turnhalle. Schon jetzt allen eine frohe Vorweihnachtszeit.