Schlamm, Staub und überall Zerstörung

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Seit einer Woche helfen die Bruchsaler Pfadfinder im Katastrophengebiet Ahrweiler und stoßen jeden Tag an ihre Grenzen.

Am Wochenende könnte es im Katastrophengebiet rund um Bad Neuenahr-Ahrweiler wieder regnen. Die Menschen hier blicken diesen Niederschlägen mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits wäre es mehr als fatal, würde sich erneut eine Schlammlawine durch die wie eine offene Wunde schutzlos daliegende Stadt wälzen, andererseits wäre ein klein wenig Regen durchaus willkommen. Dieser Regen – in kleinen Dosen – könnte helfen, das giftige Brachland, das einmal die Straßen Ahrweilers waren, zumindest ein klein wenig zu säubern.

Weil Helfer und Bewohner Matsch, Schlamm und Geröll, sowie tonnenweise zerstörten Hausrat vor die Häuser ins Freie schaffen, liegt ein Geruch in den Straßen der an Pestilenz und Verwesung erinnert. Weil die Masse in der Hitze der vergangenen Tagen zunehmend trocknet, weht ein lebhafter Wind ihr Sediment beständig durch den ganzen Ort. “Es ist wie in der Sahara” schildert Maria Dahm, eine der freiwilligen Helferinnen vom Bruchsaler Pfadfinderstamm “Greif” die Situation vor Ort. “Wir tragen trotz der Hitze eigentlich die ganze Zeit dicke Schutzmasken, denn dieser Staub ist auf keinen Fall gesund” weiß Maria zu berichten und das nicht ohne Grund. Da in den Kellern viele Heizöltanks Leck gelaufen sind und sich das Öl mit den Schlammmassen vermischt hat, ist die zutage geförderte Mixtur zweifelsohne gesundheitsschädlich – nicht nur für die Anwohner, sondern auch für die zahlreichen Helfer.

An diesen mangelt es in Ahrweiler zum Glück nicht, aus ganz Deutschland sind Menschen auf eigene Kosten angereist um selbstlos zu helfen und das Leid der AnwohnerInnen in Ahrweiler etwas zu lindern. Untergebracht werden sie bei Bürgerinnen und Bürgern die nicht unmittelbar von der Flut betroffen sind, verpflegt durch freiwillige Helfer, Organisationen und Unternehmen, die den ganzen Tag Essen und Trinken in den Straßen verteilen. Regelmäßige Stärkung benötigen Sie auch, denn die Arbeit die sie verrichten ist einfach nur knüppelhart. Hüfthoch steht in manchen Häusern der Matsch, ihn mit Schaufeln und Eimern zu entfernen ist Schwerstarbeit, eingedenk der langsam antrocknenden und zähen Masse. Zu retten ist in den meisten Haushalten fast nichts, alles was in Erdgeschoss oder Keller stand, ist unwiederbringlich verloren.

Auf den Straßen türmen sich mannshohe Müllberge, die jeden Tag weiter wachsen. Unzählige Anwohner leben weiterhin inmitten dieser trostlosen Szenerie, voller Unrat, schlechter Luft und das bei völlig zusammengebrochener Strom- und Trinkwasserversorgung. Derzeit wird ein provisorisches, elektrisches Netz errichtet, das in den nächsten Tagen zumindest eine rudimentäre Versorgung bringen soll, Wasser wird noch lange ein Problem bleiben. Die Kanalisation ist gänzlich unbrauchbar, die Entsorgung von Abwässern wird zum Gesundheitsrisiko. Für die Trinkwasserversorgung hat die Feuerwehr überall in den Straßen Kanister aufgestellt, an denen die Menschen ihren Bedarf abzapfen können.

Ein großes Problem stellt auch die Gasversorgung da. Manche der Leitungen wurden bei der Flutkatastrophe stark beschädigt, immer wieder werden neue Schäden entdeckt. Als Maria und ihre Kameraden gerade in der Ahrweiler Altstadt mit der Säuberung eines Kellers fertig sind, eilt die Feuerwehr durch die Straßen und zieht alle Helfer in Windeseile aus dem Gebiet ab. Die Evakuierung war notwendig geworden, weil eine der Gasleitungen leck geschlagen war und das Gas innerhalb mehrerer Wohnhäuser austrat. Nur eines der vielen immensen Risiken, die jeden Tag neu auf den Plan treten.

Besonders prekär ist die Lage der Menschen, die nicht unmittelbar im Zentrum von Ahrweiler leben, dennoch ebenso von den Überflutungen betroffen sind. Vor einigen Tagen waren die Pfadfinder etwas außerhalb von Ahrweiler im Einsatz, dorthin wo bisher kaum freiwillige Helfer vorgedrungen sind. Zwei alte Damen, die völlig am Ende ihrer Kräfte waren, gingen auf die Bruchsaler zu und baten sie um Unterstützung. Sie führten sie zu ihrem Haus, das in Keller und Erdgeschoss über einen Meter hoch mit Schlamm zugesetzt war. Tagelang hatten die beiden Damen selbst versucht, den Schlamm zu entfernen, doch eingedenk dieser Mengen glich das Unterfangen einer wahren Sisyphusarbeit.

Gerade ältere Menschen sind im Katastrophengebiet noch immer oft in verzweifelter Lage, weil sie sich aufgrund ihres Alters und der körperlichen Einschränkungen einfach nicht selbst helfen können. Genau an dieser Stelle, kommt freiwilligen Helfern, wie zum Beispiel denen des Stammes Greif eine besondere Rolle zu. Ohne sie würden die lokalen Rettungskräfte viel zu lang benötigen, um jedem in Not geratenen Menschen in der Region zu helfen. Und Hilfe brauchen diese Menschen, so schnell als nur irgendwie möglich. Viele sind allein, sitzen im Dunkeln ohne Trinkwasser und regelmäßigen Kontakten zur Außenwelt, inmitten eines Trümmerfeldes, das einmal ihr Zuhause war.

Wenn Sie die Arbeit der Bruchsaler Helfer vor Ort unterstützen wollen – die Pfadfinder haben mit dem Betreff „Hochwasser“ ein entsprechendes Spendenkonto eingerichtet:

Förderkreis Stamm Greif
DE63 6639 1200 0000 6507 06
bei der Voba Bruchsal- Bretten

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