Der Elferrat Ubstadt-Weiher ruft zum ersten Kastenlauf
Als ich auf dem Vereinsgelände des Elferrates im Weiherer Winkel Kleebühl eintreffe, schlägt mir schon von weitem eine ausgelassene Stimmung entgegen. Sehr ausgelassen, um genau zu sein. Es wird getanzt, es wird gelacht, aber es wird auch etwas gewankt und hier und da getorkelt. Kein Wunder, schließlich haben die Teilnehmer des ersten Kastenlaufs des Elferrates gerade in Rekordzeit bei sengender Sommerhitze eine erkleckliche Menge Bier zu sich genommen.
Wäre der Kastenlauf eine sportliche Disziplin, so wäre die Bierflasche der Staffelstab – den es allerdings nicht nur in der Hand zu halten, sondern in den Hals zu schütten gilt. Unterschiedlich frau- oder mannstarke Teams müssen gemeinsam einen Bierkasten über einen Parcours mit unterschiedlichen Aufgaben transportieren, dürfen den Kasten dabei weder loslassen noch absetzen und müssen dessen Inhalt bis zum Ende und dem Zieleinlauf freilich geleert haben.
Dass dieses Unterfangen den Teilnehmern ganz offenkundig reichlich Spaß gemacht hat, liegt auf der Hand. Nach meiner Ankunft im Kleebühl geht es dort zu wie auf der Partymeile am Ballermann: ausgelassene Fröhlichkeit, wo man hinschaut – aber auch reichlich gerötete Schädel und durchgeschwitzte Hemden. Sehr kreativ waren fast alle der teilnehmenden Gruppen: fantasievolle Outfits, ein eigener Gruppenname und sogar eigene Mottos. Unvorbereitet ist hier in Weiher offenbar niemand eingetroffen.
Online gestartet, real eingeschlagen
Beworben wurde der erste Kastenlauf des FC Elferrats Ubstadt-Weiher nur online über die sozialen Medien. Das Echo war trotzdem enorm, über 40 teilnehmende Gruppen haben sich angemeldet, manche davon mit Anfahrten von weit außerhalb der Region. Offenbar hat der Elferrat einen Nerv getroffen.
Ein kleiner Haken bleibt
Aber … aber … Lassen Sie uns auch kurz über das unausgesprochene „aber“ reden, das hier mitschwingt. Während bei so ziemlich allen Veranstaltungen und Festen in der Region der Alkohol zwar eine omnipräsente Begleiterscheinung ist, steht er in diesem Fall nicht nur an der Seitenlinie, sondern bildet den Kern der Sache selbst. Der Kastenlauf ist im Grund ein groß aufgezogenes Partysaufspiel – da müssen wir uns nichts vormachen. Das wissen Sie, das wissen die Teilnehmer und das wissen die Jungs und Mädels vom Elferrat Ubstadt-Weiher.
Und darüber kann man durchaus auch den Kopf schütteln, denn Vorbildcharakter geht natürlich anders. Skepsis begleitet die Show zumindest hier und da – auch die freiwilligen Rettungskräfte, die im Kleebühl nach dem Rechten sehen, schauen ein bisschen ratlos beim Blick auf das feucht-fröhliche Spektakel.
Zwischen Freiheit und Verantwortung
Ein moralisches Urteil fällen möchte ich an dieser Stelle aber definitiv nicht. Zum einen haben wir uns damals in meiner Jugend diesbezüglich auch nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, zum anderen ist das Mindestalter für den Kastenlauf mit 18 Jahren angesetzt – somit sind hier ausschließlich Erwachsene am Start, die selbst wissen müssen, was zu ihrem Besten ist.
In jedem Fall – ich denke, darauf können wir uns einigen – bleibt am Ende der Veranstaltung vielleicht ein kleines Gschmäckle übrig, bei den Teilnehmenden vermutlich sogar ein ausgewachsener Kater. Jedem Tierchen sein Pläsierchen – und wenn das Tierchen eben bei 30 Grad einen Kasten Bier in Minuten exen möchte, dann möchte ich mich nicht in den Weg stellen.
Deshalb lasse ich, wenn sie erlauben, nur diesen einen Satz stehen – nicht als Urteil, sondern als Gedankenstütze: Alkohol begleitet viele durchs Leben – und doch führt er nicht selten leise in den Abgrund. Geben Sie auf sich acht. Und aufeinander.

Die nächste Suchtberatungsstelle wäre in Brusl ! Zug Info
Schade, dass die Berichterstattung hier nicht ganz neutral erfolgt. Die Helfer vom roten Kreuz hatten vermutlich nur wegen der Hitze 1-2 kurze Einsätze. Den Teilnehmern ging es zu 99% super. Ausnahmen gibt es immer. Es ist ja auch nicht so, als musste jeder Teilnehmer einen Kasten Bier exen (kommt im Bericht so rüber). Etwas mehr Genauigkeit und Neutralität wäre schön. Es war nämlich ein super Event mit toller Orga und viel Spaß. Hoffentlich bremst man das Orga-Team mit diesem Bericht nicht aus…
Danke für deinen Kommentar. Natürlich war das Event gut organisiert und die Stimmung großartig – genau das steht ja auch im Text. Dass die allermeisten Teilnehmenden ihren Spaß hatten, wird ebenfalls deutlich.
Trotzdem gehört zur Berichterstattung eben auch, Dinge beim Namen zu nennen. Der Alkohol war hier nicht nur Beiwerk, sondern zentrales Element – das ist kein Vorwurf, sondern eine Beobachtung. Und ja, die Formulierung mit dem „Kasten exen“ hätte man etwas präziser wählen können – geschenkt.
Journalismus heißt nicht, jedes Fest unkritisch abzufeiern, sondern auch den Kontext mitzuliefern. Wer solche Veranstaltungen organisiert, leistet viel – und darf auch erwarten, dass darüber gesprochen wird. Aber eben ehrlich – nicht nur in Superlativen.
In diesem Sinne: Danke fürs Mitlesen. Und keine Sorge – gute Organisation lässt sich durch einen gut gemeinten Hinweis nicht ausbremsen.
Ich stimme Christian hier voll und ganz zu!
Es verlief alles sehr harmonisch und die Helfer vom DRK und der Feuerwehr waren weder ratlos, noch schüttelten sie die Köpfe. Diese Formulierung ist auch sehr negativ zu verstehen.
Dieses Fest war ein voller Erfolg und alle hatten total viel Spaß! Es gab keinen einzigen Zwischenfall, was hier für sich spricht, auch wenn es hierbei, wie desöfteren nur um Alkohol ging ;) Ich finde, man hätte noch so viel Positives erwähnen können (Stationen während des Laufs, offizielle Siegerehrung mit Pokalen, Sommerfest mit Bewirtung und und und).
Schade, dass dieser Bericht mit einem negativen Beigeschmack veröffentlicht wurde.
Ich komme nächstes Jahr wieder!
Danke dir für deinen Beitrag. Dass du nächstes Jahr wiederkommst, zeigt ja: Das Event hat für viele offenbar voll ins Schwarze getroffen – und das darf man auch feiern.
Genauso darf man aber auch hinschauen, was da inhaltlich passiert. Dass dabei nicht jede Einzelheit Erwähnung findet – von Pokalen bis Stationen – liegt in der Natur eines kompakten Textes. Ein Bericht ist keine Festschrift.
Und was das Kopfschütteln betrifft: Unsere Eindrücke stammen nicht aus der Luft, sondern aus Gesprächen und Beobachtungen vor Ort – sie spiegeln also durchaus reale Reaktionen wider. Was man daraus macht, darf jeder selbst entscheiden.
Unterm Strich bleibt eine ehrliche Momentaufnahme mit Ecken, Kanten und einer offenen Frage im Hintergrund. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.
Freunde, nicht böse sein, aber wir schließen die Kommentarfunktion für heute. Die wichtigsten Perspektiven sind gesagt, und im Beitrag selbst wurden bereits beide Seiten berücksichtigt. Danke für euer Verständnis und für den respektvollen Austausch.