Samschdag in Brusl

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Bummeln, Sitzen, Shoppen, Schwätzen

Wer braucht schon Urlaub, wenn er am Samstagvormittag durch Bruchsal flanieren kann

A kloins Lieweslied für Brusl von Philipp Martin

Ein Samstagmorgen an einem heißen Junitag im Jahr 2020. Es ist “halwa neine” – eigentlich noch gar nicht meine Zeit, aber heute ich bin wach, frei und – ja – glücklich. Unter mir tuckert der treue Zweitakter, der Wind weht durch mein spärliches Haar und um die nackten Beine, der Kraichgau fliegt an mir vorbei und da vorne tauchen bereits die beiden Zwiebeltürme der Peterskirche in Bruchsal am Horizont auf. Über die B3 fahre ich in mein Städtle ein, durchquere den prächtigen Torbogen des Schlosses und fühle mich wie ein König, als ich mit flatterndem Leinenhemd die Schönbornstraße entlang tuckere. Mit einer Drehung des abgegriffenen Schlüssels verstummt mein Knatterbock und wartet gelassen vor dem Finanzamt auf meine Rückkehr.

An der Ampel an der Pfeilerstraße baut sich schon langsam dieses samstägliche Hochgefühl auf und als die Lichter auf Grün springen, tauche ich ein in das pulsierende Leben der kleinen, ganz großen Stadt. Dort wo einst das Wasser im Nierlesbrunnen sprudelte, den aber alle nur “Thing” nannten, sitzt jetzt Gott und die Welt im Pavillon zuzsammen, um einen Kaffee zu trinken, ein Kippchen zu rauchen und natürlich um zu sehen und gesehen zu werden. Das lassen sich die Bruchsaler übrigens noch nicht einmal im Winter nehmen und wenn man dafür 100 Kilo Propangas am Tag in den Brusler Himmel jagen muss, aber des kann schließlich jeder halde wie sella uffm Dach.

Ich lasse mich vom Strom der Menschen die Kaiserstraße hinunter treiben, der sich nach einer Weile in das Herzstück des samstäglichen Bruchsals ergießt. Auf dem Wochenmarkt trifft sich die ganze Stadt – die Kakophonie des fröhlichen Gebabbels umspült die Ohren und die Sinne. Ich treffe Freunde, Bekannte und sehe zahllose, irgendwie vertraute Gesichter, denen ich aber keine Namen zuordnen kann. Man steht in der Schlange einer der zahllosen Obst und Gemüsehändler, holt noch etwas “Worschd” und – obwohl man sich jedesmal vornimmt das nicht allzu oft zu tun – auch immer ein paar der sündhaft teuren Antipasti oder Käsestücke für den Tatort am Sonntagabend. Zum Abschluss muss noch eine Bratwurst vom Imbiss im Stehen sein, dass ist irgendwann Gesetz geworden, Widerstand zwecklos.

Nach vielen weiteren Gesprächen und etwas Senf auf dem Hemd, geht der Bummel weiter über den Friedrichsplatz, die Rolltreppen im C&A rauf und runter (wie immer nix in meinere Größ) und weiter Richtung Bahnhofstraße. Hier befindet sich mein Lieblingscafe und wie jeden Samstag spiele ich eine Runde Sitzplatz-Lotto gegen die Bank… wobei die Wahrscheinlichkeit höher liegt einen Sechser im Lotto zu ergattern, als hier einen freien Tisch am Samstagmorgen. Numme net huddle, nach einem kleinen Espresso im Stehen schlendere ich entspannt über den Europaplatz und durch die kühlenden Fontänen des dortigen Springbrunnens über das Rendezvous, die Wörth- und die Hoheneggerstraße zurück zum Marktplatz. Hier findet sich immer ein freier Tisch und eine gute Seele zum Quatschen. Manchmal sitzt man noch hier, wenn die Markthändler ihre sieben Sachen zusammen packen – aus Kaffee wird irgendwann ein kleines Pils oder ein Aperol. Auch wenn Wurst und Käse in der Jutetasche sich nach dem Kühlschrank sehnen, irgendwie will man einfach nicht nach Hause. Es ist ja auch schon Mittag und der Magen knurrt ein bisschen, nur von Kaffee und Kippen kann man schließlich nicht stehen. Vielleicht noch auf eine Currywurst zu Angelika oder auf eines von Katrins Schnitzeln in den Metzgerwirt? Ach, was soll’s. Allerweil, schließlich ist nur einmal in der Woche Samschdag in Brusl.

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Ein Gedanke zu „Samschdag in Brusl“

  1. bruchsal ist eine sehr schöne Stadt.
    Aber …

    Bürgerpark, Schlossgarten (gegen abend) kann man kaum noch durchlaufen ohne das man belästigt oder dumm angemacht wird. Ich würde mir mehr Polizei kontrollen wünschen

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