Die Mädels mit der blauen Kiste

|

Felix, Johanna und Lena beim Packen der Kohler Kisten

In Gondelsheim packen Lena und Johanna unzählige Kisten voll mit Obst und Gemüse und liefern sie direkt an die Haustür

Die Liebe zur Landwirtschaft, zur Natur und zum nachhaltigen Umgang mit eben jener, liegen Lena und Johanna im Blut. Aufgewachsen sind die beiden auf dem elterlichen Gärtnerhof in und um die grünen Hügel Gondelsheims. Papa Günter und Mama Claudia gehören zu den Pionierin der deutschen Bio-Branche und haben bereits 1988 auf das Modell des nachhaltigen und biologisch-ökologischen Anbaus gesetzt, als das noch keineswegs gesellschaftlich cool oder sexy galt. Heute, über 30 Jahre nach dieser grundlegenden Entscheidung der Kohlers, gibt es Bioprodukte wie Sand am Meer und ein entsprechendes Sortiment in jedem Supermarkt zwischen Konstanz und Kiel. Die Kohlers allerdings arbeiten auf ihrem Gärtnerhof nach der biologisch-dynamische Wirtschaftsweise des Demeter-Anbauverbandes, dessen Standards weit über denen der EG-Öko-Verordnung und des deutschen staatlichen Bio-Siegel hinausgehen.

Bisher hat man die Bioprodukte aus Gondelsheim über einige Biosupermärkte und selbstredend Wochenmärkte in der Region beziehen können, seit einigen Tagen ist eine neue Option hinzugekommen, mit welcher der landwirtschaftliche Betrieb in dritter Generation mit dem rasant wachsenden Online-Geschäft Schritt zu halten versucht. Lena und Johanna, zwei der vier Töchter von Günter und Claudia Kohler, haben ein kleines Startup gegründet, dessen Name auch gleich Programm ist. Mit ihren “Kohler Kisten” wollen sie nicht nur die Produkte vom elterlichen Hof, sondern auch ein darüber hinausgehendes Sortiment weiterer Bioprodukte, direkt an die Haustüren ihrer Kundschaft liefern. Seit einigen Tagen läuft dieser Service nun bereits und hat schon mehrere Dutzend Neukunden für sich gewinnen können. Möglich wurde dies nur durch wochenlange, harte Vorarbeit, viel Know-how und natürlich die entsprechende, logistische Infrastruktur. An Fachwissen mangelt es den Kohler-Mädels auf jeden Fall nicht, Johanna hat ökologische Landwirtschaft studiert, Lena ist studierte Umweltschutzingenieurin. Das logistische Rückgrat der Kohler-Kiste haben Sie bei einem externen Dienstleister angemietet, der nicht nur das Buchungssystem sondern auch gleich den dazugehörigen Onlineshop verwaltet. Die Software hilft beim Bestandsmanagement der Ware, beim Konfektionieren und berechnet sogar die effizienteste Route für die Auslieferung der Waren.

Im Online-Shop können sich potentielle Kunden vorab zusammengestellte Kisten aussuchen, oder ein eigenes Paket schnüren. Da gäbe es z.b. die Kohler Kiste in der tatsächlich nur Erzeugnisse vom heimischen Bauernhof stecken, eben so wie sie auch tatsächlich saisonal verfügbar sind. Die Kohler Kiste ist damit das ehrlichste und nachhaltigste Produkt im Sortiment, da sie sich wirklich und wahrhaftig am Kreislauf der heimischen Natur orientiert – im Dezember wachsen nun einmal keine Erdbeeren im Kraichgau. Dieses Bewusstsein bei ihren Kunden wollen Lena und Johanna auch immer weiter fördern, dennoch wissen die beiden Geschäftsfrauen, dass der Kunde nun einmal will, was der Kunde will. Deshalb bieten sie selbstredend auch im Winter Äpfel oder Bananen an, beziehen diese dann aber eben von externen Zulieferern.

Neben Obst und Gemüse soll mit der Zeit das Sortiment der blauen Kohler Kisten immer weiter anwachsen. Bereits jetzt gibt es z.b. Honig, Brot und Linsen von ausgesuchten Erzeugern nach dem Bio Standard zu haben. Hat der Kunde seinen Einkauf online zusammengestellt, kann er diesen gleich bezahlen und die Bestellung mit einem Mausklick nach Gondelsheim übermitteln. Hier stehen dann Johanna, Lena und ihr Freund Felix parat um das Paket wie gewünscht zusammen zu schnüren und an jede beliebige Adresse im Kraichgau auszuliefern. Derzeit geschieht dies noch mit einem der elterlichen Transporter, bei großer Hitze auch mit dem privaten PKW, wegen der eingebauten Klimaanlage. Mittelfristig wollen Lena und Johanna aber auch bei der Auslieferung auf Nachhaltigkeit setzen und in ein entsprechendes Gefährt investieren.

Leben können die Drei derzeit noch nicht von der Kohler Kiste, dafür ist das Angebot zu jung, die Zahl der Kunden zu niedrig und die erwirtschafteten Gewinne werden zudem gleich wie es sich gehört reinvestiert. Johanna arbeitet deshalb noch auf dem elterlichen Hof, Lena ist Umweltbeauftragte der Gemeinde Walzbachtal in Teilzeit und Felix arbeitet als Servicetechniker für ein Subunternehmen der Telekom. Wenn aber ihre Biokiste weiterhin so gut ankommt wie in den ersten Wochen, können sich alle drei vorstellen bald hauptberuflich einzusteigen. Der Zeitgeist ist jedenfalls ganz auf ihrer Seite, immer mehr Verbraucher entscheiden sich bewusst für Bioprodukte, die schon längst kein Nischensegment mehr, sondern im Massenmarkt angekommen sind. Seit 2010 haben sich die Umsätze im Biohandel von 6 auf knapp 12 Milliarden Euro fast verdoppelt – perfekte Vorzeichen also für einen Siegeszug der kleinen, großen, blauen Kiste aus Gondelsheim.

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Samschdag in Brusl

Nächtliche Gleisbauarbeiten zwischen Bruchsal und Karlsruhe

Nächster Beitrag