Post-Frust in Gondelsheim

Die aktuell einzige Postfiliale in Gondelsheim.

Neue Filiale nur mit stark reduzierten Öffnungszeiten und Service-Angebot

Weihnachten steht vor der Tür, traditionell die Zeit in der die Deutschen die meisten Pakete und Briefe empfangen und selbstredend auch verschicken. Die Oma und der Opa wollen den Enkeln ihre Geschenke zukommen lassen, Papa und Mama bestellen sich gegenseitig etwas Kleines beim Versandhandel und so weiter… Dreh und Angelpunkt ist in all diesen Fällen die örtliche Postfiliale. Genau über eine solche verfügt die mehr als 4000 Einwohner zählende Kraichgau-Gemeinde Gondelsheim aber seit Ende Oktober nicht mehr. Bereits Mitte Juli hatte die Deutsche Post der Gemeinde schriftlich mitgeteilt, dass die Postagentur schließen würde – allerdings im selben Atemzug angekündigt einen Ersatz bis Mitte November bereitzustellen. Dieser Ersatz lässt bisher auf sich warten, weswegen die Gemeinde schriftlich bei der Deutschen Post um Stellungnahme bat.

Nun ist die Antwort da und dürfte bei den meisten Gondelsheimern zu Kopfschütteln führen. Demnach eröffnet die neue Filiale am 14. Dezember in der Bruchsaler Straße 26 – Grund für die Verzögerung waren mitunter Lieferengpässe bei den Möbeln für die Postagentur. Soweit so gut, doch den echten Zündstoff enthalten die Öffnungszeiten welche künftig gelten sollen. Diese sind laut dem Schreiben der Post, welches Bürgermeister Markus Rupp heute veröffentlichte, von Montags bis Freitags von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr und Samstag von 10 Uhr bis 13 Uhr. Mit den drei Stunden werktags am Nachmittag wird dabei faktisch schon einmal grundsätzlich der absolute Löwenanteil der Arbeitnehmer außen vor gelassen – wer hat schon Zeit in diesem kurzen Fenster seine Postangelegenheiten abzuwickeln. Bleibt also für die meisten Gondelsheimer nur der Zeitraum von 10 Uhr bis 13 Uhr am Samstag. Traditionell die Zeit in der man ohnehin schon genügend andere Verpflichtungen hat und die im Grunde für die Familie reserviert sein sollte. Zudem dürften die kurzen Öffnungszeiten auch für ein entsprechend starkes Kundenaufkommen sorgen. Potentiell weiteren Ärger hält die Tatsache bereit, dass auch alle Postfächer in Gondelsheim zunächst ersatzlos gestrichen werden besonders für Geschäftsleute ein echtes Problem.

Wie uns das Rathaus auf Anfrage erläuterte, ist die Deutsche Post in der Pflicht ab einer bestimmten Gemeindegröße eine entsprechende Versorgung anzubieten. Wenn dies nicht in Form einer Kooperationen mit einem örtlichen Anbieter – also den allseits bekannten Postagenturen möglich ist, muss die Post selbst einspringen und eine entsprechende Filiale einrichten. So ist es nun in Gondelsheim passiert, auch wenn das Ergebnis für die Bürgerinnen und Bürger unterm Strich alles andere als zufriedenstellend sein dürfte.

Laut Gemeindeverwaltung ist die Post aber weiterhin auf der Suche nach einem entsprechenden Kooperationspartner in Gondelsheim. Ob ein solcher aber gefunden werden kann ist derzeit noch völlig offen. Für den Gondelsheimer Postverkehr zur Weihnachtszeit, bleibt also in diesem Jahr im Grunde nur die Fahrt z.b. ins benachbarte Bretten. Ob es dort aber schneller geht, darf angesichts der zahlreichen Beschwerden aus der Brettener Bevölkerung rund um Wartezeiten, Stellplätze und Co. bezweifelt werden.

Lesen Sie dazu einen Kommentar unseres Redakteurs Philipp Martin:

Der schale Atem der Privatisierung

Auch in anderen Gemeinden im Hügelland gibt es häufig Unmutsbekundungen über die schwache Präsenz der Post vor Ort. Nicht nur in Gondelsheim gestaltet sich deren Suche nach Partnern für die Postagenturen schwierig. Dabei sind diese Symptome im Grunde alles nichts anderes als Nachwehen der großen Privatisierungswelle vergangener Jahrzehnte in der Bundesrepublik. Strom- und Wasserversorgung, Post, Breitband und Telekommunikation sowie der Bahnverkehr gehören meiner Meinung nach unbedingt in öffentliche Hand und dürfen nicht mehr nur nach kapitalistischen Maßgaben bewertet werden. Solange die entsprechenden Unternehmen nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten verfahren, wird die Versorgung besonders im ländlichen Raum immer weiter ausbluten. Öffentliche Daseinsvorsorge sieht anders aus.

 

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