Mit dem Ende des Neff-Werkes in Bretten verschwindet eine 150 Jahre alte Institution aus der Geschichte der Stadt.
Das Ende einer Ära
„BSH plant Anpassungen ihres Produktionsnetzwerks in Deutschland“ – so lautet der vordergründig harmlose, aber zugleich unheilvolle Titel jener Pressemitteilung, die am Freitagnachmittag um 15 Uhr das Ende einer Institution verkündete. Übersetzt heißt das: Es sieht nicht gut aus, wir müssen reduzieren. Konkret bedeutet das: Die BSH Hausgeräte GmbH will ihr Produktionsnetzwerk in Deutschland anpassen und plant, die Fertigung in Nauen bis Mitte 2027 sowie in Bretten bis Anfang 2028 schrittweise einzustellen. Insgesamt sind rund 1.400 Mitarbeiter betroffen; das Unternehmen begründet den Schritt mit anhaltend schwacher Marktentwicklung und will zugleich weiter in deutsche Standorte investieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Eine Geschichte aus fast 150 Jahren
Was das für Bretten konkret bedeutet, ist nichts weniger als die Schließung eines Traditionsstandortes, der seit fast 150 Jahren ein untrennbarer Bestandteil der Stadt ist. 1877 gründete der Schlossermeister Carl Andreas Neff seine Ofenfabrik – zunächst klein, später mit beachtlicher Größe. Kohlebeheizt und für Küche wie Gewerbe gedacht, wurden seine Herde bald zu einem Erfolgsprodukt. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs kontinuierlich, und auch die weitreichende Zerstörung der Fabrikationsanlagen im Zweiten Weltkrieg konnte die Erfolgsgeschichte nicht beenden.
1950 baute Neff ein zweites Werk im Ruiter Tal, einige Jahre später weitere in Bruchsal, Rinklingen und Ittlingen. Kaum jemand, der nicht eine Oma oder einen Opa kennt, bei denen in der Küche einst ein Herd aus dem Kraichgau stand – ob von Neff oder Malag. Im Zuge des Wirtschaftswunders verbreitete sich die Marke Neff rund um den Globus, die Erzeugnisse aus dem Kraichgau wurden international gehandelt – hergestellt von tausenden Mitarbeitern.
Krisen und Neuanfänge
Doch auch das gehört zur Wahrheit: Im Laufe der Jahrzehnte geriet das Unternehmen mehrfach in schwere Krisen. 1969 stand Neff vor der Insolvenz – nur die Übernahme durch AEG rettete den Traditionsbetrieb. 1982 folgte die nächste Krise, aus der das Unternehmen nur mit einer Millionenspritze der Landesregierung herauskam. Schließlich übernahm die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH die Marke.
Das letzte Kapitel
Doch die nun dritte große Krise in der Geschichte von Neff scheint auch gleichzeitig die letzte der Traditionsmarke am Standort Bretten zu sein. Die Schließung des Werkes in der Melanchthonstadt bedeutet den Verlust von rund 980 Arbeitsplätzen und das Ende der dortigen Produktion von Herden und Dunstabzugshauben. Seit dem 10. Oktober tickt die Uhr in Bretten – das Ablaufdatum ist bekannt: Im Frühjahr 2028 ist alles vorbei.
Reaktionen aus Politik und Stadt
In Bretten selbst stößt die Ankündigung auf scharfe Kritik. Oberbürgermeister Nico Morast zeigte sich auf dem Instagram-Kanal der Stadt tief enttäuscht über den Umgang des Konzerns mit der Kommune: „Dass eine derart weitreichende und gravierende unternehmerische Entscheidung getroffen wird, ohne im Vorfeld mit der Standortkommune gesprochen zu haben, ist für mich schwer nachvollziehbar.“ Und weiter: „Die beschlossene Schließung ist für mich ein Schlag ins Gesicht.“
Auch der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Jung stößt in ein ähnliches Horn. Er bezeichnet „die völlig intransparente Entscheidung der BSH-Manager und des erst seit 2022 im Unternehmen tätigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Matthias Metz, das traditionsreiche Neff-Werk in Bretten mit rund 1000 Arbeitsplätzen still und heimlich bis 2028 zu schließen“ als „einen Schlag ins Gesicht der Beschäftigten, der Stadt und der ganzen Region“. Dieses Vorgehen sei, so Jung weiter, „ein eklatanter Bruch mit den Grundwerten der Sozialen Marktwirtschaft, die auf Verantwortung, Fairness und sozialer Partnerschaft beruht.“

Kritisiert wird damit vor allem die Art und Weise, wie die Entscheidung kommuniziert wurde – eine Veröffentlichung an einem Freitagnachmittag und ohne vorherige Abstimmung mit der Stadt ist sicher nicht der elegante Königsweg. Am Grundproblem selbst aber, dass Bosch wie so viele andere Industrieunternehmen in einer schweren Krise steckt, ändern auch diese Einschätzungen nichts. Sie sind Ausdruck einer Entwicklung, die weit über die Region hinausreicht – getrieben von nationalen, aber vor allem globalen Kräften, die derzeit ganze Branchen unter Druck setzen.
Ein Zeichen der Zeit
In Bretten wird damit spürbar, was viele längst ahnten: Auch der Kraichgau bleibt von den Umbrüchen dieser Zeit nicht verschont.

Und wer soll jetzt bald die teurer Pizza in der Stadt bezahlen ? Oder wer soll das gute alte deutsche Weckele bezahlen oder wer soll die teurer Rate für den Bauplatz monatlich begleichen ? Es geht munter weiter und Weihnachten ist noch lange nicht !
Ein Schlag ins Gesicht – das ist es zweifellos vor allem für die Beschäftigten. Ich wünsche Allen, die dort ihren Job verlieren werden, dass sie etwas adäquates Neues finden bzw. dass BSH einen fairen Sozialplan vorbereitet hat. Die letztendliche Schließung des Werks liegt ja „Gott sei Dank“ noch etwas in der Zukunft..
Ich habe kürzlich von der (zugegeben finanziell ziemlich lukrativen) Industrie, trotz unbefristeter, jahrelanger Festanstellung in den öffentlichen Dienst gewechselt (ohne, dass ich konkret um meinen Job bangen musste), aufgrund der langfristigen Sicherheit der Beschäftigung und weil ich mich loslösen wollte vom ewigen Auf und Ab (seit Jahren eher Ab) der Wirtschaftslage- auch wenn ich dort mehr Stunden arbeiten muss für weniger Geld…
Dieser Artikel bestätigt mir mal wieder die Richtigkeit meiner Entscheidung.
Die Industrie frisst alles auf und zieht zum nächstbilligeren Standort.
Die Antwort unserer Politik : „Wir brauchen mehr Industriegebiete, mehr Wachstum“!
Es gibt aber kein ewiges Wachstum. Die Ressourcen sind begrenzt.
Nach der Globalisierung kommt die Regionalisierung…-oder gar nichts mehr.
Es wird Zeit, dass wir zur Besinnung kommen !
Wie kann sich die FDP denn darüber aufregen dass der Markt das macht was der Markt macht. Ist doch genau was sie wollten.
Für mich heißt es nur: Ich brauch keine Bosch Geräte mehr Kaufen wenn deren Vorstand genau so viel Lokalpatriotismus zeigt wie deren Chinesischen Mitbewerber
Der öffentliche Dienst kann nicht alle „retten“.
Und das gerade dieser FDP Jung sich derart äußert… vielleicht sollte er die Partei wechseln…