Östringen shoppt sich aus der Krise

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Gute Stimmung zum ersten langen Einkaufstag am Samstag

Zuerst einmal Butter bei die Fische. Der lange Einkaufstag in der Östringer Innenstadt am Samstag, lässt sich selbstredend nicht mit den gewohnten “Specials” des Gewerbevereins in der Vergangenheit vergleichen. Da es in diesem Jahr, sie ahnen es – wegen Corona, keine Aktionen im Freien, keine Festzelte, Biertischgarnituren und Imbissbuden gab, ließ auf den ersten Blick nichts auf diesen besonderen Samstag für den Östringer Einzelhandel schließen. Besonders weil die Bundesstraße quer durch die Stadt dieses Mal nicht gesperrt wurde, fiel das entspannte Flanieren durchs Städtle nicht gerade leicht. Wenn im Minutentakt schwere Lastwagen die Szenerie passieren, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Das alte Östringer Problem No.1 lässt weiter grüßen.

Doch nun genug des Gebruddels, es gibt schließlich auch jede Menge Positives zu vermelden. Auch wenn dieser Einkaufssamstag nicht in den gewohnten Dimensionen ausgetragen werden konnte, so markierte er doch für die Händler in der Stadt eine kleine, aber wichtige Trendwende. Das erste Mal seit Monaten, standen sie wieder einmal im Mittelpunkt des Geschehens, nachdem durch Schließungen und Einschränkungen viele von Ihnen in Bedrängnis geraten waren. Sabine und Herbert beispielsweise, die seit vergangenem Jahr die Traditionsgaststätte “Güldener Becher” an der Hauptstraße betreiben, können nach Wochen des Stillstands endlich wieder Gäste in ihrem schönen Biergarten und der historischen Gaststube bewirten. Unter einem grünen Baldachin aus schon fast reifen Kiwis, servierten Sie hier den Gästen Spezialitäten aus ihrer bayerischen Heimat – das ganze Wochenende übrigens bei Kaiserwetter.

Einen ganz neuen Kundenkreis konnte sich Sabine Somnitz in ihrem kleinen Obst- und Gemüseladen am Kirchberg erschließen. Durch die Krise und die Skepsis vieler Menschen in überfüllten Supermärkten einzukaufen, erlebte der kleine Laden einen echten Run. Bedienung, Beratung und Qualität aus der Region sind offenbar doch noch Werte, die von der Kundschaft geschätzt werden.

Auch nebenan bei Geider Optik hatte man sich für diesen Tag etwas Besonderes einfallen lassen. Beim “Vintage-Tag” wechselten kultige Brillenfassungen den Besitzer, den Preis dafür durften die Kunden selbst festlegen.

Für einen spätes Frühstück oder ein kleines Kaffeekränzchen waren am Samstag selbstredend auch die Bäckereien und Cafes in Östringen geöffnet. Im komplett neuen Design präsentierte sich die Bäckerei Thollembeek ihren Gästen, dank gelockerter Auflagen seit ein paar Wochen nun auch wieder mit geöffnetem Café-Bereich für ein entspanntes Schlemmerstündchen. In der Pâtisserie “borelli” – dort wo noch vor einigen Monaten das Café Frey zu finden war, herrschte an diesem Morgen auch reger Andrang. Das fröhliche Lachen eines Junggesellenabschieds schalte über den Kirchberg und in der Backstube knetete Meisterin Laura ebenso fröhlich den Teig für ihre kleinen Köstlichkeiten, wie beispielsweise ihre selbstgemachten Macarons.

Auch bei Klaus und Jutta Bruckert stehen die Zeichen allmählich wieder auf Entspannung. Der kleine Laden für Haushaltsbedarf und Unterhaltungselektronik verzeichnet erstmals seit Beginn der Krise wieder ein steigendes Kundenaufkommen. Seit 1949 besteht das Geschäft bereits und hat sich seither einen treuen Kundenstamm erarbeitet. Das liegt nicht zuletzt am Service alter Schule, als gelernter Radio und Fernsehmeister gibt es eben kein Problem oder keine Reparatur die Klaus nicht hinbekommt. Dass der Laden und das Haus im Familienbesitz sind, schadet ebenfalls nicht. Hohe Mieten bei ausbleibenden Einnahmen während der Krise, haben viele andere Händler allerorten schwer in Bedrängnis gebracht.

Fazit: Auch wenn dieser Einkaufssamstag nur eine kleine und abgespeckte Version der gewohnten Specials des Östringer Einzelhandels war, lässt sich doch an vielen Stellen ein positiver Trend bei den Händlern erkennen. Bleibt zu hoffen, dass auch noch die Reste dieser Krise überwunden werden können und demnächst nicht nur in den Geschäften sondern auch wieder auf der Straße gemeinsam gefeiert werden kann.

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