Nachts im Museum

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Mitternacht im Technik Museum Sinsheim

Später Abend auf dem Gelände des Technik Museum Sinsheim. Wo normalerweise das fröhliches Stimmengewirr unzähliger Besucher zu hören ist, hat sich gespenstische Stille breit gemacht. In den gigantischen Ausstellungshallen könnte man eine Stecknadel fallen hören, nur das entfernte leise Rauschen der Sinsheimer Neulandstraße dringt in den schlafenden Techniktempel ein. So still wie es in diesen Frühlingstagen des Jahres 2020 hier ist, war es das noch niemals in der fast 40-jährigen Geschichte des Museums zuvor. Mitte März mussten die Tore der Kult-Institution wegen der fortschreitenden Ausbreitung des Coronavirus schließen, seither dämmert das Museum und die unzähligen Artefakte, Exponate und Raritäten darin, in seinem unfreiwilligen Dornröschenschlaf.

Niemand bewundert derzeit das funkelnde Chrom, den Ideenreichtum vergangener Generationen und die Meisterleistungen genialer Ingenieure. Meilensteine der Automobilgeschichte, gigantische Maschinen, Exponate der weltweiten Luftfahrt… sie alle warten im Halbdunkel auf die hoffentlich bald einsetzende Morgendämmerung und die Wiederkehr der Besucher… auf staunende Augen, offene Münder und ausgestreckte Zeigefinger. Auf erwachsene Männer die sich plötzlich wieder wie kleine Kinder fühlen, auf Bastler, Kenner, Profis, Laien, Freaks und all jene die die Wunder aus Jahrzehnten und Jahrhunderten menschlicher Technikgeschichte zu schätzen und zu lieben gelernt haben.

Geduldig harren all diese Giganten und Meisterwerke auf die Rückkehr der Menschen. Damit sie ihnen wieder ihre Geschichten erzählen können, was sie bewegt haben, welche Meilensteine sie erreicht und welche unüberwindbar geglaubten Grenzen sie gegen jede Wette überwunden haben. Bis dahin träumen Sie noch ein wenig… von ihren großen Tagen auf der Straße, auf den Pisten und in den Lüften… üben sich in Geduld bis auch das stille Heute endlich Geschichte geworden ist, im Gegensatz zu der Ihren aber eine Geschichte an die man sich später nicht erinnern will.

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