Luftfilter-Roulette im Kraichgau

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Wo Kinder im Kraichgau im September in ihren Klassenzimmern auf Luftfilteranlagen stoßen, bleibt auch kurz vor dem Start der Sommerferien uneinheitlich.

Kein Filter, nur dort wo keine Lüftung möglich ist oder vielleicht sogar in jedem Klassenraum? Das sind die drei Optionen und alle drei werden überall im Land der 1000 Hügel am Ende der Ferien zu finden sein. Die Studienlage was diese Systeme angeht, spricht sich zwar für deren Einsatz aus, jedoch nicht als alleiniges Mittel im Kampf gegen Corona Aerosol-Wolken in den Klassenzimmern. Das Lüften ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil des Hygienekonzepts an Schulen, um auch während des kommenden Herbstes weiterhin den Präsenzunterricht aufrechterhalten zu können.

Da die Regierung das Problem der Anschaffungen der Filteranlagen auf die Schulträger und damit meist die Kommunen abgewälzt hat, müssen die sich nun mit dieser hochkomplexen Frage und der durch und durch emotionalen Gemengelage drumherum auseinandersetzen. Lediglich mit Geld will Stuttgart die Städte und Gemeinden im Land bei der Anschaffung unterstützen, gerade einmal 60 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung, eingedenk der mehreren zehntausend Klassenzimmer im Land eine durftige Summe, die dem sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein entspricht.

Filtern oder nicht filtern, das ist hier die Frage, die derzeit Schulträger überall im Kraichgau umtreibt. Manche diskutieren die Thematik im Gemeinderat, andere auf dem kleinen Dienstweg. Selbst bei den Pädagogen ist die Anschaffung nicht unumstritten, manche fordern den Einbau der Geräte, andere lehnen ihn vehement ab und sogar Fälle, in denen bestehende Anlagen aufgrund der Lärmentwicklung wieder stillgelegt wurden, sind unsere Redaktion bekannt.

Schließlich gibt es noch die Frage der Verfügbarkeit. Wenn zu viele Schulen im Lande gleichzeitig entsprechende Anlagen anschaffen wollen, dürften die Lagerbestände schnell erschöpft sein, vermutet auch Stephan Walter, Direktor der Lußhardt-Gemeinschaftsschule in Forst: “…selbst wenn die politischen Entscheidungsträger nun wegen der ansteckenderen Deltavariante die Anschaffung von Luftreinigern teilweise befürworten, habe ich Bedenken diese bis Herbst rechtzeitig geliefert zu bekommen.“. Walter sieht in der Anschaffung von Luftfiltern nur eine flankierende Maßnahme, hingegen habe seine Schule bereits CO2 Ampeln besorgt, die die Konzentration des Stoffes in der Atemluft überwachen.

Solche Ampeln hat auch die Gemeinde Zaisenhausen für ihre Grundschule angeschafft, erzählt uns Bürgermeisterin Cathrin Wöhrle. Alle Räume im kleinen Schulhaus der Gemeinde ließen sich gut lüften, seien mit vielen Fenstern und der Möglichkeit des Durchzugs ausgestattet. Luftfilter plant Zaisenhausen daher vorerst nicht anzuschaffen. Genauso handhabt auch die Stadt Östringen die Sache. Bürgermeister Felix Geider will die Anlagen, die auch innerhalb der Östringer Schullandschaft heiß diskutiert werden, vorerst nur für solche Räume anschaffen, die sich nicht ausreichend lüften lassen. Davon gibt es in der Stadt und den Stadtteilen aber nur sehr wenige, so Geider. Scharfe Kritik übt Östringens Bürgermeister dabei aber an der diesbezüglichen Politik der Landesregierung, die die Kommunen mit dem vielschichtigen Problem und einer äußerst dünnen finanziellen Unterstützung einfach im Regen stehen ließe.

Auch die Stadt Sinsheim plant keinerlei Anschaffungen von Filteranlagen, da es hier keine Klassenzimmer gebe, in denen ein technischer Bedarf dafür bestünde. “…Wir haben keine Räume, die den Förderkriterien entsprechen. Die Installation ist allenfalls in Räumen sinnvoll, die nicht ausreichend durch Öffnen der Fenster belüftet werden können. Solche Räume sind uns in unseren Schulen nicht bekannt.” schreibt aus Melanie Wricke von der Sinsheimer Stadtverwaltung auf Anfrage.

Doch nicht überall werden die Anlagen derart skeptisch beäugt, es gibt auch durchaus Kommunen die die Anschaffung als sinnvoll, wenn auch als ergänzende Maßnahme betrachten. Die Gemeinde Gondelsheim war die erste im Landkreis, die – noch bevor die politische Diskussion entbrannte – in die Filtersysteme investierte. Mehrere von ihnen verrichten seither ihren Dienst an der Kraichgau Gemeinschaftsschule, Klagen über deren Leistungen oder Lautstärke sind bisher nicht bekannt. Tatsächlich hat die Gemeinde alle Klassenzimmer und Kindertageseinrichtungen nicht nur mit Luftfiltern sondern auch mit CO2 Ampeln versorgt.

Geklotzt und nicht gekleckert wird überdies in Graben-Neudorf. Die Gemeinde rüstet gleich alle ihre Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten aus. Das beschloss der Gemeinderat auf Vorschlag von Bürgermeister Christian Eheim. Die Adolf-Kußmaul-Grundschule, die Erich-Kästner-Grundschule und die Pestalozzi-Gemeinschaftsschule erhalten demnach insgesamt 75 Luftreinigungsgeräte – die Gemeinde nimmt dafür eine Viertelmillion Euro in die Hand.

In drei der großen Kraichgau-Städte ist die Entscheidung über oder gegen die Anschaffung der Filteranlagen noch richtiggehend warm, wurde erst in den Gemeinderatssitzungen am gestrigen Dienstag getroffen. Ganz frisch kommt die Information aus Bruchsal, dass die Stadt plane 150.000 Euro außerplanmäßige Mittel für die Anschaffung von Filtersystemen in schwer belüftbaren Klassenzimmern zu investieren, darüber hinaus würde jede Klasse mit einer CO2 Ampel zu Ermittlung des CO2 Gehalts in der Atemluft ausgestattet, so eine Sprecherin der Stadt

Grundsätzlich positiv eingestellt ist man gegenüber einer solchen Anschaffungen auch im benachbarten Bretten. Bereits 63 Luftfilter verrichten schon seit Monaten ihren Dienst an Brettener Schulen, eine Zahl die der Brettener Gemeinderat nun deutlich aufstocken möchte. Weitere 100 Klassenzimmer sollen zeitnah mit entsprechenden Anlagen ausgestattet werden, die Frage stellt sich derzeit noch nach der Art und der technischen Geräteklasse. 200.000 Euro außerordentlicher Mittel will der Rat dafür maximal zur Verfügung stellen.

Noch nicht eindeutig positioniert hat sich der Eppinger Gemeinderat. Wie eine Sprecherin der Stadtverwaltung mitteilt, wolle man zwar verfügbare Fördermittel für eine mögliche Nachrüstung beantragen, der Umfang dieser Nachrüstung ist allerdings noch nicht bekannt. Wir erwarten weitere Updates dazu in Kürze.

Ebenfalls noch nicht abgesteckt, ist die Route der die Stadt Kraichtal folgen möchte. Bürgermeister Tobias Borho ist sich der Problematik aber durchaus bewusst und steht mit den Verantwortlichen in engem Austausch: „Die Sicherheit der Kinder in unseren Schulen steht für uns an oberster Stelle. Daher prüfen wir derzeit alle Maßnahmen, die möglich sind und werten diese aus. Welche Maßnahmen wir letztlich umsetzen, entscheiden Schulen und Verwaltung im Anschluss in enger Abstimmung.“ so Borho auf Anfrage unserer Redaktion.

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1 Gedanke zu „Luftfilter-Roulette im Kraichgau“

  1. Zumindest tut sich was,es ist ja für die Kinder eine extreme Situation. Hoffentlich nicht dieses Schuljahr schon wieder solange Homescooling..Hoffentlich auch in Ubstadt weiter.

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