Lost Places – Das alte Eichelberger Viadukt

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Vor 67 Jahren kam es über dem Katzbach fast zur Katastrophe

Still und einsam spannt der stille, steinerne Riese seine drei mächtigen Bögen über das kleine Tal, durch das – einem Rinnsal gleichend – der Katzbach gluckert. 40 Meter lang und 15 Meter hoch ist das alte Viadukt, über das einst die längste in die Geschichte eingegangene Katzbachbahn ratterte. Eröffnet 1896 als Nebenbahn, führte die Katzbachbahn vom Bahnhof Bruchsal über Odenheim bis nach Hilsbach vor den Pforten Sinsheims. Fahrgäste konnten hier im “Entenköpfer” oder dem “Feurigen Elias” in beschaulicher Langsamkeit den Kraichgau auf einer der damals landschaftlich schönsten Strecken durchqueren, vorausgesetzt sie brachten etwas Zeit mit. Für die rund 26 km zwischen Bruchsal und Eichelberg benötigte die Bummelbahn über eine Stunde.

In den ersten Jahren war in Eichelberg noch am Bahnhaltepunkt Hardweg Endstation, das Katzenbachtal lag unüberwindbar dahinter. Im Auftrag der Badischen Lokal Eisenbahn AG begann aber bereits zwei Jahre nach Inbetriebnahme der Katzbach Bahn der Bau des großen Viaduktes. In rekordverdächtigen zwei Jahren zogen italienische Leiharbeiter das Bauwerk nach oben und so stand eine Erweiterung der Nebenbahn bis ins benachbarte Hilsbach nichts mehr im Wege.

Die badische lokale Eisenbahn AG, abgekürzt Bleag, genoss in der Bevölkerung keinen sonderlich hohen Ruf. Hinter vorgehaltener Hand stand Bleag auch für “Bummelt langsam, entgleist auch gern”. Eine solche Entgleisungen führte anno 1953 fast zur Katastrophe. In jenem Jahr entgleiste einer der morgendlichen, ersten Züge von Elsenz kommend fast voll besetzt auf dem Viadukt und drohte in die Tiefe zu stürzen – das Unglück konnte jedoch zum Glück mit knapper Not verhindert werden.

Wenige Jahre später begann dann bereits der Niedergang der Katzbachbahn. In den 60er Jahren wurden die Gleise zwischen Tiefenbach und Hilsbach entfernt, ein Jahrzehnt später jene zwischen Odenheim und Tiefenbach. Das alte Viadukt aber steht immer noch, heute führen allerdings keine Gleise mehr über seine Krone, sondern ein asphaltierter Radweg, über den die alte Strecke der Nebenbahn abgefahren und erkundet werden kann.

Quelle unserer Informationen sind Hinweisschilder und Netzdokumente der Arbeitsgemeinschaft Eichelberger Vereine, der wir ausdrücklich für ihr Engagement danken wollen.

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