Liebe auf vier Rädern

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Beim ersten historischen Fahrzeugtreffen in Heidelsheim traf man auf innige Beziehungen zwischen Mann und Motor, Blech und Buben, Lack und Ladies.

von Stephan Gilliar

Ein Fest, das aus Freundschaft entstand

Wenn man Heidelsheim durch den riesigen Sandsteintorbogen unter der B 35 hinweg verlässt, trifft man auf den bunten Flickenteppich der verschiedenen Vereinsgelände. Hier sind beispielsweise die Kleintierzüchter daheim, die Hundesportler, die Pferdeliebhaber – aber auch die Allradfreunde und die Stadtkapelle Heidelsheim. Was Letztere miteinander verbindet – abgesehen von der räumlichen Nachbarschaft ihrer Vereinsareale – mag sich vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz erschließen. Schon gar nicht, wieso sich die beiden ungleichen Vereine zusammengetan haben, um das erste historische Fahrzeugtreffen in Heidelsheim auf die Beine zu stellen.

Blut, Schweiß, Bier – und eine gute Idee

Die Antwort hat stahlblaue Augen, trägt einen drahtigen grauen Bart und eine Mütze mit der Aufschrift „Blut, Schweiß und Bier“ auf dem Kopf. Marc Reuter von der Stadtkapelle Heidelsheim ist beides in Personalunion: leidenschaftlicher Musiker und leidenschaftlicher Oldtimer-Fan.

Als in der Kapelle über ein weiteres Festle in Heidelse nachgedacht wurde – im Gespräch war unter anderem eine Jubiläumskerwe – brachte er sich ein und die Idee auf, ein Oldtimertreffen in Kooperation mit den Allradfreunden auf die Beine, oder vielmehr auf die Räder zu stellen. Auch deren Vorstand Andreas Zutavern war von der Idee angetan, und so begann die Idee, Gestalt anzunehmen.

Die Bedenken wachsen mit dem Andrang

Viele Telefonate, Arbeitsstunden und Organisationstreffen später war es dann am vergangenen Wochenende so weit. Sowohl Marc als auch Andreas stehen bei absolut perfektem Wetter auf der grünen Wiese zwischen ihren Vereinsgeländen und haben ein kleines bisschen die Hose voll – quasi Angst vor der eigenen Courage bekommen. Schon eine halbe Stunde nach dem offiziellen Beginn des Treffens trudeln immer mehr Fahrzeuge am grünen Rand von Heidelsheim ein, dabei hat der erste Tag doch gerade erst begonnen.
„Wenn wirklich alle kommen, die zugesagt haben – dann wird’s eng! Aber das ist ja ein schönes Problem“, lacht Marc ein bisschen nervös.

Andreas kennt das Dilemma schon von früheren Treffen und erzählt aus dem Nähkästchen: „Damals hieß es: Wenn’s unter 40 Traktoren bleiben, gibt’s Schnaps. Wenn’s mehr werden, zahl ich das Bier – dann haben wir ein Problem mit dem Platz, aber wenigstens was zu trinken.“
Naja, du ahnst, worauf die Geschichte hinausläuft: Andreas musste blechen – es kam ein Vielfaches der prognostizierten Menge zusammen.

Schrauber, Schätzchen und Schaulustige

Wirklich ernsthaft besorgt sind beide aber nicht, dafür macht ihnen die Veranstaltung viel zu viel Spaß. Schließlich trifft man hier viele Gleichgesinnte, regelrecht Familie – und natürlich jede Menge Schmuckstücke in Blech und Chrom. Stolz werden die alten Schlitten vorsichtig über die Graswege rangiert, so abgestellt, dass auch jeder einen begehrlichen Blick darauf werfen kann. Manche sind wirklich steinalt, etwa ein Mercedes-Mannschaftswagen der Feuerwehr Bretten mit rund 90 Jahren auf dem rotglänzenden Buckel. Andere – wie ein Benz oder BMW aus den frühen Zweitausendern – erinnern optisch noch nicht unbedingt ans Genre „Oldtimer“. Doch hier wollten die beiden Vereine keine engen Vorgaben machen. Es geht nicht ums Kleinliche, sondern darum, die Freude an den alten Veteranen zu feiern.

Griechenland, Campingstuhl und Kulleraugen

Das Schöne an den alten Schätzen ist: Jedes hat seine eigene Geschichte zu erzählen – eine innige Beziehung zwischen Fahrer und fahrbarem Untersatz. Da wäre zum Beispiel Klaus aus Neibsheim, der sich einen Jugendtraum erfüllt und sich – wie damals – einen gemütlichen, bulligen Ford Transit mit den markanten Kulleraugen zugelegt hat. Stück für Stück hat er das alte Schätzchen instandgesetzt und beginnt gerade mit dem stilechten Innenausbau des ehemaligen Feuerwehrfahrzeugs als Wohnmobil.

Damals ist er als junger Mann mit genau so einem Transporter nach Griechenland gefahren, den ganzen Weg über Land und Wasser.
Ob er sich das heute nicht auch noch vorstellen könnte, möchte ich von ihm wissen. Nachgedacht habe er schon darüber, sagt er – ganz zum Erstaunen seiner Frau, die neben ihm entspannt in einem Campingstuhl sitzt. „Ich fahre runter, meine Frau fliegt nach – dann hole ich sie irgendwo ab“, sagt er und hat sich das offenbar schon gut überlegt, woraufhin beide lachen müssen.

Der Käfer – ein Familienmitglied

Ein paar Meter weiter sitzt Douglas in einer großen Gruppe von VW-Fans, die ihre Käfer und Busse der verschiedenen T-Generationen wie um eine Lagerstätte herum arrangiert haben. Der Karlsruher ist Käfer-Fan, seit er zurückdenken kann, hat immer einen Käfer gefahren und möchte auch kein anderes Fahrzeug mehr.

„Ich bin mit dem Käfer groß geworden. Es gab immer Käfer in der Familie“, sagt er und lächelt verschmitzt durch die Seitenscheibe seiner beigen Schönheit, an deren Ausstellfenster das Logo der Parfümeriekette prangt, die denselben Namen trägt wie er. Er kann sich noch gut an die eigene Kindheit im Käfer erinnern, an die vielen Urlaube mit der Familie, die stundenlangen Fahrten auf der schmalen Rückbank – bis hinauf nach England oder sogar noch weiter.

Käfer forever – sunscht nix

Neben Douglas sitzt Gerd aus Niefern. Auch er ist mit seinem treuen und lieben Käfer nach Heidelsheim gekommen – in seinem Fall ein moosgrüner Geselle mit Schiebedach. Seit 1968 kennt Gerd exakt ein Fahrzeug, dem er seither bedingungslos die Treue hält: Käfer forever – sunscht nix.

„Ich habe in der Tat mal einen BMW gekauft – aber ohne Käfer war’s schlimm“, erzählt er von seinem einzigen Trauma, als er kurzfristig mal ein anderes Fahrzeug ausprobierte. Doch seither hat er dazugelernt – besitzt sicherheitshalber gleich zwei Käfer, falls einer mal in der Werkstatt sein sollte…

Luftgekühlt und voller Leben

Ach ja, und natürlich hat auch Marc aus Heidelsheim ein Herz für Altblech. Ihm haben es neben den Käfern mit ihren luftgekühlten Heckmotoren vor allem die VW-Busse angetan. Stolz sitzt er in der offenen Schiebetür seines T3-Campers, über das Fenster flattert die ikonische „Atomkraft – Nein danke“-Flagge der Siebziger- und Achtzigerjahre. Den Bus hat er sich angeschafft, um bei den Fahrzeugtreffen gleich ins mobile Eigenheim ausweichen zu können – da der Platz traditionell eng werden kann.

Er liebt den Austausch und die Begegnungen mit der Community. „Es gibt europaweit riesige Treffen – das ist ein echtes Lebensgefühl“, sagt er und brennt – wie Douglas und Gerd – für die alte, treue Technik von VW.
„Wenn man den luftgekühlten Boxersound mal gehört hat – dann kommt man davon nicht mehr los.“

Blech trifft Blasmusik

Solche Geschichten konnte man am Wochenende in Heidelsheim in allen Ecken und Winkeln hören. Es wurde gefachsimpelt, in Erinnerungen geschwelgt, gestreichelt und bewundert.

Dazu das stramme, gute Rahmenprogramm der Kooperation zwischen Allradfreunden und Stadtkapelle – inklusive echter Hausmannskost und handgemachter Musik von „Ahjoo“ und „Jamrik“. Eine tolle, gemütliche und trotz ihrer Größe immer noch intime Veranstaltung, deren Fortsetzung hoffentlich längst beschlossene Sache ist.

PS: Danke an dieser Stelle an Helmut Lang aus Heidelsheim, der uns auf diese Perle aufmerksam gemacht hat. Gute Besserung wünscht die Redaktion

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4 Kommentare zu „Liebe auf vier Rädern“

  1. Danke für diesen traumhaft schönen Bericht. Ich wäre lieber gerne vor Ort gewesen . Danke für die guten Wünsche zu meiner Genesung. Ich habe meinen langjährigen Beifahrer Karl Häge aus Sulzfeld auf den Artikel hingewiesen. Er versicherte mir, daß er am Morgen und abends bei Hügelhelden vorbei schaut.

  2. Danke für diesen schönen Bericht. Wie schön er zu lesen ist!
    Danke an Helmut für den Kontakt zu Stephan.
    Der Dank gilt dem ganzen Helferteam, den Teilnehmern und Besuchern.
    Bis nächstes Jahr!

  3. Ich möchte mich hier auch ganz herzlich für den tollen Bericht bedanken. Vielen Dank auch an den Veranstalter und das gesamte Team. Es war eine tolle Veranstaltung.
    Klaus Frank mit Ford Transit MK1 – Camper

  4. Danke für das positive Feedback.
    Auch du, wie all die anderen Teilnehmer, bist nächstes Jahr wieder herzlich willkommen!
    Gruß, Mark

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