Lauter die Glocken nie klingen

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Ein Kirchturm

Beschweren über zu laute Kirchenglocken

Früher hatten Kirchenglocken zwei Funktionen: Zum einen teilten sie den Menschen mit Schlägen im Viertelstundentakt die Uhrzeit mit, zum anderen riefen sie die Gemeindemitglieder zum Gottesdienst. Während zweiteres immer noch sinnvoll ist, kann die Information über die aktuelle Uhrzeit, nicht mehr mit einer mangelnden Verbreitung von Uhren in Privathaushalten begründet werden. Viele Menschen stören sich daher am nächtlichen Glockenschlag und beschweren sich immer häufiger bei den Verwaltungen. Eine redaktionelle Anfrage bei mehreren Gemeindeverwaltungen ergab, dass regelmäßig entsprechende Beschwerden aus der Bevölkerung eingehen. Entsprechende Zeitungsartikel aus anderen Regionen finden sich zuhauf im Netz.

Neu ist die Thematik bei weitem nicht! Bei der Ausbildung angehender Juristen wird das Glockengeläut gerne als ganz spezielle Lektion im Studium angeführt – die unterschiedlichen Anlässe der Glockenschläge werden teilweise völlig unterschiedlichen juristischen Bereichen zugeordnet – gemäß dem Motto “Warum einfach wenn es auch kompliziert geht”.

Laut Wikipedia ist der nächtliche Glockenschlag dem sogenannten “profanen” Geläut zuzuordnen und damit nicht mehr unbedingt durch die Religionsfreiheit gedeckt. Genervten Anwohnern steht so in jedem Fall der rechtliche Beschwerdeweg offen.

Die Gemeinden haben mehrere Möglichkeiten darauf zu reagieren. So können Sie das nächtliche Geläut komplett abstellen, oder es mit technischen Maßnahmen in der Lautstärke reduzieren.

Ubstadt-Weiher beispielsweise hat nach Protesten der Anwohner die Kirchturmglocke im Ortsteil Stettfeld entsprechend dämmen lassen. In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat nun das selbe Prozedere auch für die Kirche im Weinort Zeutern beschlossen.

Nicht ganz von der Hand zu weisen, ist aber auch die Kritik an diesem Trend der Vermeidung. Der nächtliche Glockenschlag kann durchaus auch als Tradition und Teil unserer Lebensweise angesehen werden, so die Befürworter. Gerade die älteren Mitbürger haben kaum eine Nacht ihres Lebens – über viele Jahrzehnte hinweg – ohne den Glockenschlag erlebt. Er gilt ihnen als etwas Vertrautes und als Verbindung zur Außenwelt – Das nächtliche Schweigen der Glocken kann für diese Menschen auch als bedrückend empfunden werden.

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