Nur wenige Autofahrer nutzen Umgehung um Ubstadt-Weiher und Kraichtal
450-Millionen-Euro-Projekt bleibt hinter Erwartungen zurück
Update 2.4.2025 April, April
Sie haben es bestimmt schon erahnt, mit diesem, am 1. April erschienenen Beitrag haben wir sie in den launigen April geschickt. Unser Aprilscherz 2025
Es war eines der größten Bauprojekte im Kraichgau der vergangenen Jahrzehnte, doch nach nüchterner Bilanz und einer schonungslosen Offenlegung der Nutzerzahlen kommt nun niemand mehr um den Moment der Erkenntnis herum: Weil viel zu wenige Autofahrer die im vergangenen Sommer in Betrieb genommene Schnellstraße von Bruchsal an Ubstadt-Weiher und Kraichtal vorbei bis nach Bretten nutzen, muss die vierspurige, unterirdisch verlaufende Trasse nun zurückgebaut werden.
„Die Betriebskosten der Strecke stehen in keinem gesunden Verhältnis mehr zum Nutzen“, muss Ministerialrätin und Verkehrsplanerin Heidemarie Blehht-Sinn bei einer Pressekonferenz in der Karlsruher Behörde am Montagnachmittag freimütig einräumen. „Wir haben uns daher – statt für einen Schrecken ohne Ende – für ein Ende mit Schrecken und somit den Rückbau der Strecke entschieden.“
Damit findet eines der ambitioniertesten Verkehrsvorhaben der Region ein frühzeitiges und gänzlich unerwartetes Ende. Erst Anfang August 2024 war die über eine Gesamtlänge von 18 Kilometern unterirdisch verlaufende Straße feierlich in Betrieb genommen worden. Ziel der insgesamt 450 Millionen Euro schweren Baumaßnahme war die Entlastung der Kommunen im Kraichgauer Hinterland und die Umleitung des Verkehrs von den Ballungszentren entlang der A5 bis hin zu den großen Knotenpunkten im Raum Bretten. Finanziert wurde das Vorhaben in erster Linie durch Sonderetats im Kraichtaler und Ubstadt-Weiherer Haushalt – in deren Folge harte Sparmaßnahmen nötig wurden, die in der Bevölkerung nicht ausschließlich auf Gegenliebe stießen. So wurde in Ubstadt harsche Kritik an der Absenkung der Wassertemperatur in der örtlichen Schwimmhalle auf nur noch zwei Grad laut, während im Kraichtal die Aussetzung der Planungsarbeiten am zweiten internationalen Terminal des Ulrich-Hintermayer-Flughafens (UHF) in Oberacker für Unmut sorgte.

Trotz aller Widerstände konnten die unterirdisch verlaufenden Tunnelröhren mit ihren pro Richtung vierstreifigen Fahrbahnen im vergangenen Sommer für den Verkehr freigegeben werden. Zur feierlichen Eröffnung im Beisein zahlreicher namhafter Landes- und Bundespolitiker waren jedoch kaum Gäste erschienen – ein Verwaltungsfehler, wie sich später herausstellen sollte.
„Durch eine interne Kommunikationspanne haben wir es leider versäumt, die Öffentlichkeit und die angedachten Ehrengäste über die Inbetriebnahme zu informieren“, räumt Dr. Hades Glabtda-Dochkoiner von der Pressestelle der Betreibergesellschaft Kraichgau Tunnel-Consortium (KTC) ein.
Zwischenzeitlich kristallisiert sich immer mehr heraus, dass offenbar massive Fehler in der Kommunikation zum Scheitern des Projekts beigetragen haben könnten. Bereits von Anfang an kritisiert wurden seitens der Kommunen und der Bevölkerung die komplett fehlende Ausschilderung der neuen Strecke. Weder am Ost- noch am Westportal des Tunnels gibt es Hinweise auf die neue Trasse, mit der immerhin eine Zeitersparnis von rund 20 Minuten gegenüber der klassischen Streckenführung möglich ist. „Wir wohnen seit 30 Jahren zwischen Bruchsal und Ubstadt, haben aber bislang von dieser Strecke gar nichts mitbekommen“, wundern sich auch Elsbeth und Günther Schnackebütz gegenüber unserer Redaktion – nur zwei von vielen verwunderten Stimmen, für die der Rückbau der Straße völlig überraschend kommt.

Dass die zweijährigen Bauarbeiten, die im Februar 2022 ihren Anfang nahmen und im Sommer 2024 abgeschlossen wurden, minimalinvasiv durchgeführt werden konnten, ist dem gemeinsamen Kraftaufwand von Ubstadt-Weiher und Kraichtal zu verdanken.
„Wir hatten eben mit der Materialbeschaffung Glück. Bei Rastatt hat irgendjemand eine ganz neue Tunnelbohrmaschine vergraben – die haben wir gemeinsam mit unseren Bauhöfen bergen und für das Projekt nutzen können“, so Reinhard Fisimatentenmacher, Projektbeauftragter der kommunalen Bauhöfe.
Betriebsende auch für interkommunale U-Bahn absehbar
Nicht nur die unterirdische, vierspurige Schnellstraße mit Anschlüssen bei Bruchsal, Ubstadt, Unteröwisheim, Münzesheim und Oberacker muss zurückgebaut werden – sondern auch der im selben Atemzug errichtete U-Bahn-Tunnel zwischen den Ortschaften. Die bislang noch im 5-Minuten-Takt in beide Richtungen verkehrende Linie U13 hatte zuletzt kaum noch Fahrgäste transportiert; die Nachfrage war von Anfang an überraschend gering.

Bedauern darüber auch in der Firmenzentrale der albernen Verkehrsgesellschaft AVG:
„Mit der U13 haben wir zwischen Bruchsal, Bretten, Ubstadt-Weiher und Kraichtal eines der am engsten getakteten Verkehrssysteme der Welt – mit der mangelnden Resonanz haben wir jedoch nicht gerechnet“, gibt sich AVG-Sprecher Reinhard Gschichtldrucker ratlos.


Bilder: Hügelhelden.de modifiziert mit künstlicher Intelligenz von Adobe Firefly
Schon Anfang Mai soll der Rückbau der Tunnelröhren beginnen. Verfüllt werden sollen sie mit einer Mischung aus den Aushüben des ehemaligen AKW Philippsburg und der Brettener Sporgasse. Immerhin: Einer der bislang durch die U-Bahn-Züge genutzten Tunnel soll erhalten bleiben. Der stillgelegte unterirdische Streckenabschnitt soll künftig für die Wiederbelebung der in den vergangenen Jahren abgeschafften Nachtumzüge zur Fasnachtszeit dienen. „Do gehn se niemandem uff de Sack“, fasst der Kraichgauer Kulturbeauftragte Nils, Holger’s Sohn, diese WIN-WIN-Situation pragmatisch zusammen.
Während der Rückbauarbeiten kann es besonders im Bereich der Zufahrten und Abfahrten der Tunnelkonstruktion verkehrsbedingt zu Verzögerungen kommen. Die Baubehörde bittet in diesem Zusammenhang um Ihr Verständnis. Tagesaktuelle Umleitungen werden auf der Webseite www.kraichgau-tunnel-consortium.de/offizieller-rueckbauplan jeweils am Vortag zur Verfügung gestellt.

Saugut ;-)
Wenn die Tunnelrohre ausgebaut werden nehme ich 2 Meter für ein Schwimmbad.
Kein E – SUV fürs Kraichtal 😉. Bleibt nachhaltig Freunde der goldenen Kirsche 🍒 ! Schönen ersten April 👍
Auf Deutschlands Straßen stehen Unmengen an Schildern, aber ausgerechnet die, um die neue Umgehungsstraße auszuschildern, hat man vergessen. Wie soll der überregionale Verkehr die denn finden?
Ich habe von mindestens einem Autofahrer gehört, der den Weg aus Kraichtal nicht mehr herausfand und aus Verzweiflung eine Frau aus Münzesheim geheiratet hat.
Gibt schlimmeres🤣
Lustig aber leider am Thema vorbei. 1 Tag an der Friedrichstraße und man weiß wie dringend notwendig eine B35 Ost ist!
Fast. :)
😅
😂😂😂
Hoffentlich findet er jetzt immer nach Hause .
Finde das eigentlich nicht lustig da die Verkehrslage zwischen Bruchsal und Umgebung echt katastrophal ist ! Hätte ich diesen Stress Morgens und Abends nicht wäre mein Arbeitstag echt perfekt 😉😁
Um etwas zurück zu bauen, muss erst etwas gebaut sein. Schöne unrealistische Story,die nie kommen wird. Man merkt die Leute haben noch Humor in dieser nicht ganz einfachen Zeit.
Do kennt mar doch badische Pils planedagga ohlega. Bast zum Spargel ohne da breschleng.
Jesses noi, was sen dann „planedagga“ un „breschleng“?
April April
Danke 🙏für das humoristische Scenatio zum 1.4.25 🤣🤣🤣 in unserer derzeit bewegenden Zeit
Ein Lob an den Berichterstatter 😂
April , April 😄 😄 😄
Dem pflichte ich kommentarlos bei.
Fast wär I drauf roi gfalle,toller 1April scherz😇
😂😂
Da hat sich aber jemand viel Mühe für einen Aprilscherz gemacht
Planedagga = Plantage
Breschleng = Erdbeeren
Gruß aus dem Schwobaland
Wissen Sie,wobei ich gemerkt habe,daß das eine 1. April-Ente sein muß?:
Als es hieß,eine existierende neue Umfahrung Bruchsal-Bretten würde nicht genutzt.
Das ist fantastischer Lohkäse,denn täglich quälen sich die Bürger auf der „real existierenden“ Strecke,gesäumt von unzähligen,überflüssigen,total behämmert geschalteten Ampeln durch die Gegend,es ist einfach nur schrecklich….
Die Hinweise zu KI verraten alles.
Das Thema ist viel zu traurig, um darüber Aprilscherze zu machen.
Großartiger Artikel, ich bin fast drauf reingefallen 😂 Danke!
Frau Bleeht-Sinn und Herr Glaabt-Dochkoiner sind in der Region und überregional sehr bekannt, hehe