In Weiher hat Ubstadt-Weihers junge Bürgermeisterin Katharina Kimmich ihr erstes Fass angeschlagen
Ein, zwei Schläge, das Bier fließt, die Menge klatscht – und das Fest ist eröffnet. Ein kleiner Moment, ein vertrauter Moment, ein Ritual, das jedem Fest im Kraichgau vorangeht. Nichts Besonderes, möchte man meinen, doch dieses Mal ist es das irgendwie schon. Denn an diesem heißen Samstagnachmittag hat Katharina Kimmich als frisch inthronisierte Bürgermeisterin nicht nur ihr erstes Straßenfest in Weiher eröffnet, sondern ihr erstes Fest überhaupt. Es ist ein Moment, an den sie sich immer erinnern wird – auch noch in vielen Jahren, wenn sie Dutzende, ach was, Hunderte Feste wie dieses gefeiert haben wird. Das erste Mal vergisst man nie, und in diesem Fall hat Weiher mit seiner Feier unter dem hölzernen Eiffelturm die Ouvertüre geliefert.
„Ich war tatsächlich ein wenig nervös, weil heute mein erster Fassanstich war. Und es war auch der erste Fassanstich in meinem Leben“, erzählt sie. Auf die Frage, wie sie sich darauf vorbereitet hat, lächelt sie verschmitzt: „Ich habe ein YouTube-Video angeguckt – von der bayerischen Bierkönigin. Und so habe ich es dann auch gemacht, mit Handhaltung und so.“ Natürlich hat sie das. Es wäre nicht Katharina Kimmich, wenn sie sich nicht auch darauf akribisch vorbereitet hätte – die gleiche Art von Gewissenhaftigkeit, die sie auch im Wahlkampf an den Tag gelegt hat.








Danach ging es mit Teilen des Gemeinderats an den Ehrentisch vor der großen Bühne – mit bestem Blick auf das Geschehen hier auf dem Kirchplatz. Drei Tage lang wird hier traditionell gefeiert, organisiert vom Gesangverein und dem Musikverein. Los geht es jedes Mal mit dem Fanfarenzug und reichlich Musik, um anschließend in etwas zu münden, das man als gemütliches Beisammensein im großen Stil bezeichnen könnte. Einbrecher hätten an diesem Tag leichtes Spiel in Weiher, denn so ziemlich alle Schnecken verbringen dieses Wochenende quasi nonstop in ihrer gemütlichen Dorfmitte – im Schatten der in rotem Sandstein warm strahlenden Kirche.
Ein Straßenfest braucht nicht viel, um erfolgreich zu sein – das weiß man in Ubstadt-Weiher genau. Musik ist wichtig, im Weiherer Modell beigesteuert von vielen befreundeten Musikvereinen aus der ganzen Region. Wie hat man es uns schon vor zwölf Jahren so schön erklärt? „Bei uns reicht es, eine Bierbankgarnitur auf den Platz zu stellen und zehn Minuten später sitzen 20 Weiherer drauf und feiern.“ Passt.
Ja, in Ubstadt-Weiher wird viel gefeiert – in der Saison an jedem Wochenende, teilweise gleichzeitig an mehreren Orten. Da wird auch eine Bürgermeisterin taktieren, eine Art Masterplan erstellen müssen, wie man mit dieser Vielzahl an Festen umzugehen gedenkt. „Das ist richtig“, weiß auch Katharina Kimmich und ergänzt fast schon etwas Unerwartetes: „Also, ich habe tatsächlich keinen richtigen Plan. Da hoffe ich, dass ich das richtige Maß im Laufe der Zeit finde.“ Man darf sicher sein, sie wird diesen Spagat meistern: Gesicht zeigen, aber nicht versumpfen. Eine gut organisierte Veranstaltung mit Anwesenheit zu ehren, ohne die weiteren Aufgaben und auch das Privatleben an jedem Wochenende hinten anstellen zu müssen.







Zur Ubstadt-Weiherer Festkultur bekennt sie sich in jedem Fall voll und ganz, ist für alle Möglichkeiten und Optionen zu haben, zeigt sich gesprächsbereit. Ob es noch eine Chance für das früher äußerst beliebte, aber schon vor Jahren weggebrochene Straßenfest in Ubstadt geben könnte, möchte ich zum Abschluss noch von ihr wissen? Nun – von ihrer Seite aus stünde dem nichts im Wege, doch bislang habe sie diesbezüglich keine eindeutigen Wünsche und Signale von den Vereinen in Ubstadt erhalten, so Katharina Kimmich. Aber vielleicht ändert sich das ja noch – und dann ist sie da, bereit, ein weiteres Fest in ihrer neuen Gemeinde zu eröffnen, ein weiteres Fass anzustoßen. Dann ganz ohne Videoassistenz aus Bayern, sondern mit reichlich eigener Erfahrung gesegnet.
Denn die Ubstadt-Weiherer Festsaison ist noch lange nicht vorbei. Alleine in den kommenden Wochen geht das Sommerfest der Vogelfreunde in Stettfeld an den Start, das Hako-Rennen in Weiher, das Open Air in Zeutern, der TSV-Triathlon am Hardtsee, das Dorffest in Zeutern… und, und, und. Ach Ubstadt-Weiher – man muss dich einfach lieben.
PS: In Weiher wird noch am heutigen Sonntag und auch am morgigen Montag kräftig gefeiert. Unbedingt vorbeischauen und ein paar gemütliche Stunden auf dem Kirchplatz verbringen

Schön!!