Herr Ober, wo sind sie denn?

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Die Gäste sind wieder da, doch kaum jemand um sie zu bedienen

Kaum eine Branche hat unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie so gelitten, wie die Gastronomie und die Hotellerie. Während Nachtclubs und Diskotheken immer noch auf ihrem goldenen morgen warten, läuft in Restaurants und Kneipen das Geschäft wieder allmählich an. Die Menschen sehnen sich nach etwas mehr Normalität und strömen in die Biergärten und Wirtsstuben überall in der Region. Dort treffen sie nicht selten auf gnadenlos dezimierte Teams und überlastete Wirtsleute, denn es fehlt vorne und hinten an Personal. Jeder sechste Angestellte im Gastgewerbe im Landkreis Karlsruhe hat während der Krise das sinkende Schiff verlassen, derart groß ist der Personalschwund in der Gastronomie, teilt die zuständige Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) aktuell mit. Alleine im vergangenen Jahr hätten rund 1000 Fachkräfte ihren Hut genommen – Köche, Servicekräfte, Hotelfangestellte und mehr…

Für NGG Geschäftsführer Elvis Capece liegt das mitunter an den deutlich gesunkenen Einnahmen: „Gastro- und Hotel-Beschäftigte arbeiten sowieso meist zu geringen Löhnen. Wenn es dann nur noch das deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.“ Viele haben in der Krise die Branche gewechselt und sind beispielsweise im Einzelhandel oder in Büros untergekommen, wo teilweise deutlich höhere Gehälter gezahlt werden. So hat die Krise nun Missstände im Gastgewerbe offengelegt, die es auch bereits vor der Pandemie gab: „Schon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt“, kritisiert Capece.

Laut Gewerkschaft müsste die Branche ein Stück weit umdenken und wieder attraktivere Arbeitsbedingungen für ihre Fachkräfte schaffen. Dazu gehören verlässliche Arbeitszeiten und eine angemessene Bezahlung. Kampfpreise, beispielsweise beim Mittagstisch seien zudem kontraproduktiv: „Viele Gäste sind durchaus bereit, ein paar Cent mehr für die Tasse Kaffee zu bezahlen – gerade jetzt, wo den Menschen bewusst geworden ist, dass der Besuch im Stammlokal ein entscheidendes Stück Lebensqualität ist“, so Capece.

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