Wider dem Herbstblues – Zeutern feiert wieder Kerwe
Ach Zeutern, du süße Hügelperle. Du weißt, wir kommen bei jedem Wetter, wenn du rufst, aber an diesem Sonntag musste der innere Schweinehund schon regelrecht niedergerungen werden. Kalte Temperaturen, grauer Himmel, Wind und Nieselregen, der sich von der Seite in den Kragen schiebt. So sah es zumindest noch zum Frühstück und auch zum Mittagessen aus, doch am Nachmittag – pünktlich zur inoffiziellen Eröffnung der Kirchweih in Zeutern durch den traditionellen Aufmarsch der Schneckenschleimer aus dem benachbarten Weiher – sah die Sache dann schon wieder ganz anders aus. Der Regen zog sich zurück, die Zeidama strömten zum Oberdorfplatz – oder zumindest zu dem, was gerade noch von ihm übrig ist. Zeuterns kleines Herz ist derzeit eine offene Baustelle. Gerade erst vor wenigen Tagen wurde hier der Spatenstich für das neue große Kombigebäude vollzogen, das unter anderem Kindergarten und Arztpraxis beherbergen soll. Na ja, wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Späne – und wo gebaut wird, wird es matschig. Es wird noch etwas dauern, bis Zeutern seine Skyline wieder hat, doch es lohnt sich zu warten. Wenn einmal alles fertig ist, wird der kleine Platz wieder richtig schön aussehen.








Aber Zeutern ist erfinderisch – und vom Feiern ohnehin nicht abzuhalten. Strategisch platzierte Festzelte kaschieren die schlimmsten Baulücken, und wen juckt an einem nassen Herbsttag schon ein bisschen Matsch? Zur Kerwe gibt es doch so viele andere schöne Dinge, auf die man sich konzentrieren kann. Zum Beispiel den ersten Glühwein der Saison – in diesem Jahr bei etwa neun Grad auch hoch willkommen und gerade richtig. Dazu Brotwörschd, Schdeeeks und Börger vom heißen Grill – schon hat man ein paar hundert glückliche Woischlaich. Denn egal, was kommt: Die Kerwe in Zeutern ist nicht verhandelbar. Alles wie gehabt, Tradition ist Trumpf. Das ist es, was auch wir an diesem für uns unverrückbaren Fixtermin so lieben. Alle waren sie da, so wie wir es gewohnt sind: das Umzugskomitee „Zaidama Fassnacht“ mit Zugmarschall Wolle, der Musikverein, der Schützenverein KKS St. Martin, die Woischlaich & Friends, der Hundesportverein, der SV sowie die Fair-Play-Fans-Baden. Dazu die Kindergärten, die Grundschule und ein paar Meter weiter das Rote Kreuz, der Weltladen und viele mehr.






Das Programm für einen echten Ubstadt-Weiherer steht an diesem besonderen Tag sowieso von vornherein fest: Mittags ein bisschen im großen Flohmarkt in Ubstadt kruschdeln, ein kleines Mittagessen beim ausrichtenden Kegelverein, danach rüber nach Zeutern und den Nachmittag gemütlich auf der Kerwe verbringen – und wenn man schon mal da ist, gleich auch noch den Abend. Auch Bürgermeisterin Katharina Kimmich ließ es sich natürlich nicht nehmen, die erste von vielen Kerwen in Zeutern zu besuchen – gekleidet im knallroten Regenmantel, aber ohne knallrotes Gummiboot. So schlimm war der Regen dann doch nicht.
Und wenn man dann da steht, mitten in der grauen Suppe eines Kraichgauer Novembertags, den heißen Becher Punsch in der Hand, die fröhliche Guggenmusik der Schneckenschleimer im Ohr, dann weiß man genau: Egal, wie grau und dunkel der Winter auch werden mag – gemeinsam halten wir es miteinander aus. Danke Zeutern, es war mol wieda mee wie schee.

Sehr schöner Beitrag, schade allerdings dass der Kindergarten und die Grundschule nicht darin vorkommen, immerhin wirken diese bzw. die Elternbeiräte beider Institutionen schon jahrelang auch mit Waffeln, Tombola und auch Basteleien oder Kinderschminken bei der Kerwe mit.
Vielleicht als Merker für das nächste Jahr.
Die Kindergarten stehen durchaus im Text, Grundschule ergänzen wir gerne. Beim nächsten Mal einfach anrufen oder eine Mail schreiben, dann richten wir das auch ohne öffentlichen Tadel in der Kommentarspalte. Cheerio, die Redaktion