Volksbank Kraichgau knackt erstmals 10-Milliarden-Marke
von Stephan Gilliar
Was für ein Jahr für die Volksbank Kraichgau! Trotz zahlreicher und komplizierter Widrigkeiten gelang es dem frisch fusionierten Bankhaus aus dem Hügelland, die Bilanzsumme in den zweistelligen Milliardenbereich zu heben – ein Wachstum von stolzen 510 Millionen Euro. Und wenn wir schon bei beeindruckenden Zahlen sind: 13,5 Milliarden Euro – so hoch lag das betreute Kundenvolumen der Volksbank Kraichgau im vergangenen Jahr. Damit reiht sie sich unter die Top 15 der mehr als 650 Volks- und Raiffeisenbanken ein.
Präsentiert wurden diese Zahlen und Ergebnisse bei der Bilanz-Pressekonferenz am Dienstag, den 18. März, in der Hauptstelle der Volksbank Kraichgau in Wiesloch. Dort stellten Vorstandsvorsitzender Klaus Bieler und Vorstand Dimitrios Meletoudis die aktuelle Lage des Bankhauses vor.
Bieler zog eine erste Bilanz nach der Fusion mit der Volksbank Bruchsal-Bretten:
„Unser erstes echtes gemeinsames Jahr nach der Fusion – das ist schon ein echter Meilenstein. Wir sind wirklich zufrieden.“

Diese Zahlen sind bemerkenswert, denn – das muss man niemandem erzählen – das wirtschaftliche Umfeld war in den zurückliegenden Monaten mehr als herausfordernd. Internationale Krisen, wie die Konflikte im Nahen Osten oder der Krieg in der Ukraine, dazu geopolitische Spannungen, wohin man auch blickte. In Kombination mit hoher Inflation, steigenden Zinsen, einer schwächelnden Konjunktur und anhaltenden Problemen in den globalen Lieferketten ließen diese Faktoren die Märkte nahezu durchgehend unruhig schwanken.
In einer solchen Phase wirtschaftlich zu bestehen oder gar zu wachsen, ist keine leichte Aufgabe – zumal das genossenschaftliche Modell, mit dem die Volksbanken arbeiten, einen klaren Verhaltenscodex vorgibt: Keine riskanten Spekulationen oder Hochrisikogeschäfte, wie sie z.B. börsennotierte Banken tätigen. Statt auf Gewinnmaximierung setzt das genossenschaftliche Prinzip auf Mitbestimmung und den Nutzen der Mitglieder. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann die starke regionale Verwurzelung herausfordernd sein, da eine Genossenschaftsbank nicht einfach auf lukrativere Märkte ausweichen oder durch kurzfristige Investments Renditen steigern kann.
Dass es dennoch möglich ist, in einem solch volatilen Markt erfolgreich zu agieren, zeigen die aktuellen Zahlen der Volksbank Kraichgau eindrucksvoll. Die Eckdaten des Geschäftsjahres 2024 lesen sich beeindruckend:
- Das Kreditvolumen stieg um 3,3 % auf 7,99 Milliarden Euro.
- Im privaten Bereich wurden 735 Millionen Euro Neukredite vergeben, im gewerblichen Bereich 545 Millionen Euro. Das Verhältnis zeigt eine größere Nachfrage nach privaten Krediten als nach gewerblichen – ein Spiegelbild der bundesweiten Konjunkturlage.
- Die Kundeneinlagen wuchsen auf 8,44 Milliarden Euro, insbesondere durch höhere Termineinlagen.
- Das Zinsergebnis sank infolge rückläufiger Margen auf 162 Millionen Euro, während das Provisionsergebnisauf 63 Millionen Euro anstieg.
- Die Verwaltungskosten stiegen auf 128 Millionen Euro, während das Betriebsergebnis vor Bewertung stabil bei 96,4 Millionen Euro lag.
- Insgesamt blieb die Ertragslage damit nahezu auf Vorjahresniveau.
Wachstum durch genossenschaftliche Werte
Dass der genossenschaftliche Ansatz weiterhin auf breite Zustimmung stößt, zeigt auch das Mitgliederwachstum. Die Volksbank Kraichgau konnte im Jahr 2024 1.677 neue Mitglieder begrüßen. Insgesamt zählt die Bank nun 142.700 Mitglieder und beschäftigt 1.100 Mitarbeitende aus über 90 Nationen. Die enge Kundenbindung spiegelt sich zudem in 284.000 genossenschaftlichen Beratungen wider.
Ein zentrales Anliegen der Bank bleibt der direkte Kontakt zu den Kunden. Wo möglich, wird dies weiterhin durch das gut ausgebaute Filialnetz gewährleistet. Doch auch in kleineren Gemeinden soll die Bargeldversorgung sichergestellt werden – etwa durch Kooperationen, die die Bereitstellung von Geldautomaten ermöglichen. Zudem setzt die Volksbank Kraichgau auf neue digitale Lösungen: Die VR-Terminals von „VR Sisy“ ermöglichen persönliche Beratungsgespräche per Echtzeit-Videochat mit Bankberatern.

Unter dem Motto „Mitgestalten statt nur Kunde sein“ setzt die Volksbank verstärkt auf die Einbindung ihrer Mitglieder. Über die Mitgliederakademie können sie aktiv an der Zukunft der Bank mitwirken. Zudem wurde 2024 ein Genossenschaftlicher Beirat mit 33 Mitgliedern ins Leben gerufen, um den Dialog zwischen Bank und Mitgliedern zu fördern. Auch das MeinPlus Cashback-Programm erfreut sich großer Beliebtheit: 2024 wurden über 213.000 Euro an Mitglieder ausgezahlt – bundesweit der drittbeste Wert aller teilnehmenden Volksbanken.
Verantwortung über das Bankgeschäft hinaus
Wie heißt es so schön im ersten (und besten) Spider-Man-Film: „Mit großer Macht kommt große Verantwortung.“ Eine Bilanzsumme im zweistelligen Milliardenbereich bringt enormes Potenzial mit sich – nicht nur für die Bank, sondern auch für die Gesellschaft. Die Volksbank Kraichgau ist sich dieser Verantwortung bewusst und engagiert sich auf vielfältige Weise:
- 1,2 Millionen Euro flossen 2024 in gemeinnützige Projekte.
- Unterstützung regionaler Sportvereine sowie Sponsoring der Firmenläufe in Walldorf und Sinsheim.
- Der Fuhrpark wird sukzessive auf Elektromobilität umgestellt, um den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren.
- Förderung von Nachwuchssportlern: Die Volksbank Kraichgau ist eines von nur acht Unternehmen in der Metropolregion, das den gemeinnützigen Verein „Anpfiff ins Leben“ unterstützt.
- Teilnahme am Programm „Beyond Borders“: z.B. Austausch mit Kredit- und Kaffeegenossenschaften in Laos, um genossenschaftliche Entwicklungen international zu fördern.
Ausblick 2025: Gemeinsam innovativ Zukunft gestalten
Auch im Jahr 2025 setzt die Volksbank Kraichgau auf die Stärkung der Gemeinschaft und investiert weiter in digitale Transformation, nachhaltiges Banking und Innovationsprojekte.
Vorstandsvorsitzender Klaus Bieler betont: „Wir werden weiterhin in Innovationen investieren, um unsere Mitglieder und Kunden zu begeistern und nachhaltig Mehrwert zu schaffen.“
Aktuell kein zentrales Thema sind weitere Fusionen mit anderen Volksbanken in der Region. Dazu erklärte Klaus Bieler: „Wir wären aufgeschlossen, gehen aber derzeit nicht aktiv auf andere zu – Es gibt keine Fusion um jeden Preis.“
Mit dem klaren Ziel „Gemeinsam innovativ Zukunft gestalten“ bleibt die Volksbank Kraichgau also auch 2025 auf Kurs.