Ein Ort unendlicher Traurigkeit

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26 Gräber in Neuenbürg erzählen die tragischen Geschichten 26 menschlicher Schicksale

In Reih und Glied stehen die simplen, in Stein gehauenen Kreuze auf dem kleinen Friedhof im Kraichtaler Stadtteil Neuenbürg nebeneinander. Jedes einzelne steht für ein unrechtmäßig und viel zu früh ausgelöschtes Leben – das jüngste Opfer welches hier begraben liegt, wurde nicht einmal ein Jahr alt.

Die Menschen die hier Ihr Leben ließen und zuvor noch gezwungen wurden, ihre eigenen Gräber auszuheben, entstammten alle dem Konzentrationslager in Vaihingen an der Enz. Dort arbeiteten tausende jüdische Gefangene, Seite an Seite mit verschleppten Zwangsarbeitern gegen Ihren Willen im Projekt “Jägerstab” am Ausbau der Kriegsmaschinerie des Dritten Reiches. Ihr Überleben war weder geplant noch gewollt, Maßgabe war das Prinzip “Vernichtung durch Arbeit”.

Im Frühjahr 1945 befreite die französische Armee das Lager in Vaihingen und traf noch auf hunderte, teilweise schwer kranke Menschen, die nur noch ein Schatten ihrer selbst waren. Über 400 von ihnen wurden daraufhin nach Neuenbürg gebracht, das Dorf zu einer großen Quarantänestation umfunktioniert und die Bevölkerung aus ihren Häusern vertrieben. Untergebracht und rudimentär versorgt wurden hier ehemalige Zwangsarbeiter vornehmlich aus Polen, Russland und Italien. 28 von ihnen, darunter der Säugling einer jungen Frau aus der Sowjetunion, starben in den Wochen der Isolation in Neuenbürg.

Aus dem Archiv: Jüdische Friedhöfe in Kraichtal

Diese Kriegsopfer mit allesamt jüdischen Wurzeln, wurden auf dem Neuenbürger Friedhof Seite an Seite mit Verstorbenen christlicher Abstammung zur letzten Ruhe gebettet. Seit diesem Wochenende erinnert nun auch eine Gedenktafel an ihre Namen und ihre traurigen und viel zu kurzen Lebensgeschichten. Das Mahnmal soll den Toten ein Stück ihrer Würde zurückgeben und bildet hoffentlich nur den Auftakt einer regionalen, tiefer gehenden Aufarbeitung jener finster-dunklen Nacht deutscher Geschichte. Überall im Kraichgau wurden in und um die Friedhöfe dereinst Zwangsarbeiter und Opfer des NS-Regimes vergraben – leise, anonym und bis zum heutigen Tage ohne Gedenken und ohne Grabstein.

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3 Gedanken zu „Ein Ort unendlicher Traurigkeit“

  1. Danke für den Artikel. Leider ziehen unsere verantwortlichen Politiker noch immer KEINE Lehren aus dieser Zeit gezogen. Wir sehen das aktuell welches Theater um den sogenannten Kremelkritiker gemacht wird. Es gibt KEINE Beweise nur Vermutungen. Vielleicht sollten mal die deutschen Mainstream-Leit-Medien darüber nachdenken weshalb sie als Lügenpresse bezeichnet wird! Woher stammen denn die 14 Millionen auf dem Konto dieses vermeintlichen Kremelkritikers? Und hat Russland schon einmal Deutschland angegriffen? Vergessen sind die 26 Millionen Menschen aus Russland die im 2 Weltkrieg ihr Leben gelassen haben. Aber Herr Steinmeier hilt es nicht für erforderlich daran zu erinnern. Russland ist ja der Abschaum des Bösen. Was uns jesus von Nazareth gelehrt? RICHTET NICHT. !!!!!

    • @Helago
      Selten so ein undifferenziertes Statement gelesen. Keiner außerhalb des Kremls zweifelt an der Vergiftung von Hr. Nawalnyj durch das Nowitschok Nervengift. Wurde heute nochmals von unabhänigen Laboren aus Frankreich und Schweden bestätigt.
      Und übrigens zu dem Thema, dass Russland hat noch nie Deutschland angegriffen hätte, kann man auf Wikipedia nachlesen (Tipp: Ostpreussen 1914), oder ist das auch zu wenig investigativ und somit Main Stream Fake News?
      Nur mal zum selbst reflektieren:
      Wenn einem auf der Autobahn hunderte von Autos entgegegenkommen sollte man sich schonmal fragen, ob man vielleicht selbst der Falschfahrer ist und nicht die anderen.

  2. „Diese Kriegsopfer mit allesamt jüdischen Wurzeln, wurden auf dem Neuenbürger Friedhof Seite an Seite mit Verstorbenen christlicher Abstammung zur letzten Ruhe gebettet“

    Stimmt so nicht wirklich.
    Genaugenommen sind es 2 kleine Friedhöfe innerhalb des allgemeinen Friedhofes.
    1x jüdisches Gräberfeld (7 Gräber, Bild 1v5)
    1x Gräberfeld mit einfachen Steinkreuzen (20 Gräber, Bild 5v5)
    26 größtenteils polnische Zwangsarbeiter des KZ-Aussenlagers Vaihingen + das Kind einer russischen Zwangsarbeiterin aus Neuenbürg. (Bild 5v5, 2. Grab von links)
    Alle verstorben in der Quarantänestation Neuenbürg (Flecktyphus?).

    Für mich nicht nachvollziehbar die heutige Ponyhof-Naiv-BRD mit dem Hitlerfaschismus gleichzusetzen (betrifft helago)

Kommentare sind geschlossen.