Ein Jahrhundert Diedelsheimer Sonnenschein

| ,

Unbezahlte Werbung / Empfehlung - Hinweise zum Thema Transparenz finden Sie am Ende des Beitrages

Seit 94 Jahren steht ein Collmer hinter dem Tresen der Sonne und das wird auch so bleiben

Wer das erste Mal den Gastraum der Diedelsheimer Sonne betritt, kommt nicht umhin das alte Foto neben dem gemütlichen Kachelofen zu bemerken. Es zeigt zwei Frauen in weißen Kittelschürzen – oben auf der Treppe vor dem Eingang des Gasthauses, einen Mann mit geradem Scheitel und Schnauzbart, der eine Kuh am Strick hält, sowie einen kleinen Jungen in Lederhose mit einem Stecken in der Hand. Alle vier schauen ernst und konzentriert in die Kamera, was aber vermutlich den damals wirklich langen Belichtungszeiten geschuldet war. Entstanden ist das Bild irgendwann in den 30er Jahren, als das Gasthaus Sonne im Herzen des kleinen Dörfchens und heutigem Brettener Stadtteil Diedelsheim noch jung war. Gegründet wurde die Gaststätte mit angeschlossener Metzgerei anno 1927 von Karl und Anna Collmer, in jenem Jahr als Charles Lindbergh als erster Mensch ohne Zwischenlandung mit dem Flugzeug den Atlantik überquerte und Max Schmeling Europameister im Boxen wurde.

Stephan, Andrea und Jürgen Collmer in ihrer Sonne

Seit jenem Tag, als in Diedelsheim erstmals die Sonne aufging, steht ein Collmer hinter dem Tresen – mittlerweile in vierter Generation. Auf Karl und Anna folgten Oskar und Ingrid, auf Oskar und Ingrid schließlich Jürgen und Andrea und mit dem 30-jährigen Stephan ist auch das jüngste Glied dieser Kette längst geschmiedet. Sie alle waren und sind nicht nur geborene Wirtsleute und leidenschaftliche Gastgeber, sondern verstehen sich auch auf das Metzgerhandwerk guten alten Schlages. Als eine der letzten Metzgereien im Kraichgau, schlachten sie ihr Vieh noch selbst. Auf dieses Merkmal legt Metzgermeister Jürgen Collmer viel Wert, trotz all der Steine die die Brüsseler Bürokratie hier dem Handwerk in den Weg legt. Am Anfang der Woche ist Schlachttag, das weiß ein jeder im Ort, gibt es doch direkt danach frische Innereien wie Nieren oder Leber zu haben. Abnehmer Nummer eins für die Fleisch- und Wurstwaren ist natürlich das familieneigene Gasthaus. Hier trifft sich Gott und die Welt und natürlich das feste Stammpublikum aus Diedelsheim. Gab es früher einmal rund sieben Gaststätten im Ort, findet sich heute neben der Sonne noch eine Pizzeria, ein Döner Imbiss und der Landgasthof Rose, übrigens unter Regie von Jürgens Schwester Beate.

der Gastraum der Sonne und zwei Bilder aus der Familiengeschichte der Collmers

In Diedelsheim kennt man sich, rückt gerne zusammen und verbringt gemeinsam die Abende am Stammtisch in der Sonne. Zumindest war das so, bis das Coronavirus im Kraichgau eintraf. Seither erleben auch die Collmers ein Wechselbad der Gefühle, werden doch die Karten beständig neu gemischt. Mal dürfen sie ihre Gaststätte öffnen, dann wieder nur den Außenbereich und seit Anfang November geht gar nichts mehr – die Sonne ist geschlossen. “Hätten wir nicht die Metzgerei, würde es schlecht aussehen” erzählt uns Andrea, die genau weiß wie sehr unzählige Gastwirte in der Region unter den gegebenen Maßnahmen leiden. Ihr und ihrem Mann Jürgen fehlen die Gäste, das zwanglose Miteinander und die gemütlichen Abende in der Sonne sehr. “Auch unsere Stammgäste und vor allem das ältere Publikum trifft das sehr” weiß Andrea durch viele Gespräche genau, zumindest in der Metzgerei ist hier und da ein kurzer Schwatz noch möglich.

Die kleine Metzgerei läuft seit Beginn der Krise besser denn je

So verlassen der Gastraum der Sonne auch da liegen mag, in der Küche ist das Licht bisher noch nicht ausgegangen. Essen zum Mitnehmen gibt es weiterhin und auch den Mittagstisch versuchen Andrea und Jürgen noch aufrechtzuerhalten. Jeden Tag gehen so zur Mittagszeit zwischen 15 und 25 Mahlzeiten über den improvisierten Verkaufsschalter hinter der schweren Holztür des Gasthauses. Dennoch sind die Umsätze in der Gastronomie natürlich stark eingebrochen, auf der anderen Seite boomt aber die kleine Metzgerei. Seit Beginn der Pandemie beobachten die Collmers hier wieder deutlich mehr Publikum. Warum das so ist, wissen sie nicht ganz genau, haben aber mehrere Theorien. Zum Beispiel, dass die Leute einfach mehr Zeit zum Kochen haben, oder vielleicht, dass sie wieder mehr auf Qualität achten, möglicherweise aber auch, weil man im kleinen Verkaufsraum nicht so vielen Menschen wie im benachbarten Großmarkt über den Weg läuft… Warum auch immer.. Jürgen, Andrea und Stephan freut es natürlich. Schließlich muss es weitergehen in der Diedelsheimer Sonne. Tradition verpflichtet schließlich, erst recht, wenn der hundertste Geburtstag zum Greifen nah ist.

die Sonne in der Diedelsheimer Schwandorfstraße

Transparenz: Werbung / Empfehlung – Dieser Artikel bildet ausschließlich unsere subjektive Meinung ab. Er wurde weder beauftragt, inhaltlich beeinflusst, bezahlt oder in irgendeiner anderen Weise vergütet oder kompensiert.

Stimmt etwas nicht? Haben wir einen Fehler gemacht oder etwas vergessen? Sagen sie's uns! Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten mit unserer Redaktion.Ihr Feedback zählt!

Vorheriger Beitrag

Der Kampf um Kraichtal

Brand einer Grillhütte in Oberacker

Nächster Beitrag