Der Hardtsee sieht rot – DLRG Ubstadt-Weiher begrüßt brandneues Rettungsboot
Was „Airwolf“ für Huckleberry oder „K.I.T.T.“ für Michael Knight war, ist nun „Günter“ für die rot gewandeten Retter vom Hardtsee. Bei einer gar nicht mal so kleinen Feierstunde wurde das neue, auf Aluminium basierende und eigens für die Truppe angefertigte Rettungsboot nun seiner offiziellen Bestimmung übergeben.
Mehr Platz, mehr Sicherheit, mehr Schutz
Nach seinen beiden Vorgängern „Piefke“ und „Emma“ ist Günter dabei in Sachen Praxistauglichkeit noch mal ein deutliches Upgrade nach oben. Das im Allgäu gefertigte Leichtgewicht bietet deutlich mehr Platz im Inneren, so dass unmittelbar nach der Bergung von leblosen Personen mit der Reanimation begonnen werden kann, ohne dass sich die Besatzung dabei gegenseitig im Weg steht. Der Außenbordmotor verzichtet gänzlich auf eine Schraube, setzt stattdessen auf das innovative Jet-System, das die Gefahr von Verletzungen von Rettern, Tauchern oder Badegästen im Wasser künftig ausschließt. Zudem gibt es Trittflächen am Heck und – klein, aber wichtig – ein Sonnendach zum Schutz der Rettungskräfte an sonnigen Tagen.
Teuer, aber alternativlos
Über 80.000 € hat das Schmuckstück gekostet, deutlich mehr als ursprünglich veranschlagt, doch durch die zwischenzeitlich spürbar angezogene Wirtschaftskrise ist insbesondere Aluminium als Werkstoff so teuer geworden, dass die Kosten regelrecht davon galoppiert sind. Dennoch muss man das Ganze in Relationen sehen: Wenn die Feuerwehr ein neues HLF 10 anschafft, wird hier problemlos eine halbe Million Euro fällig. Gebraucht werden beide Fahrzeuge – die Sicherheit von Menschen sollte am Ende ohnehin kein Preisschild haben.
Nicht nur nice to have
Auch am Hardtsee hat Günter einen handfesten Job, ist nicht einfach nur „nice to have“. Wenn ein Surfer oder eine Schwimmerin weit draußen auf dem Wasser Hilfe benötigt, reicht es eben nicht aus, in Baywatch-Manier mit einem Schwimmbrett ins Wasser zu rennen – dann muss die Hilfe schnell und ohne Zeitverlust erfolgen. Zudem ist der Hardtsee nicht nur ein kleines Planschwasser, sondern eines der größten Freizeitzentren in der Region, das gerade im Sommer von zehntausenden Besucherinnen und Besuchern aufgesucht wird.


















Besonders an heißen Tagen wimmelt es hier derart von Menschen, dass die Einsatzkräfte des DLRG ihre liebe Not haben, das dichte Treiben im Wasser adäquat im Blick zu behalten. Ein modernes Boot auf dem Stand der Zeit ist daher ein essenzielles Werkzeug, um dieser verantwortungsvollen Aufgabe angemessen nachgehen zu können.
Großzügigkeit, die berührt
Hier muss auch keine Überzeugungsarbeit geleistet werden – das versteht wirklich jeder, und deshalb ist die Spendenbereitschaft bei diesem Projekt auch mehr als beeindruckend. Der Bundesverband DLRG und die Gemeinde Ubstadt-Weiher haben als Großspender den Löwenanteil der Gelder beigesteuert, doch auch die vielen Zuwendungen aus der örtlichen Wirtschaft und vor allem jene aus den privaten Geldbeuteln der Menschen in Ubstadt-Weiher waren aufopfernd, kompromisslos, großzügig – und daher außergewöhnlich.
Ein Schiff mit Namen und Geschichte
Bei der kleinen Feierstunde, moderiert von Ivonne Heilmann-Etzbach, Vorsitzende der DLRG Ubstadt-Weiher, wurde diese Großzügigkeit und dieses Engagement gebührend hervorgehoben. Mit dabei waren auch – es ist schließlich Wahlkampf in Ubstadt-Weiher – gleich alle vier KandidatInnen der bevorstehenden Bürgermeisterwahlen: Katharina Kimmich, Alexander Seifert, Ingo Licha und Arved Oestringer. Für die Gemeinde sprach Bürgermeister-Stellvertreter Patrick Wippel ein paar Grußworte, die beiden Geistlichen Pfarrerin Helm und Pfarrer Donner segneten danach „Günter“ – für alles, was da kommen, oder bevorzugt nicht kommen möge.
Günter – der rote Flitzer vom See
Tja, ein Boot namens Günter – das hört man auch nicht alle Tage. Tradition hat es eigentlich, viel mehr Booten einen weiblichen Namen zu verleihen, doch in diesem Fall habe man beim DLRG nun eine Ausnahme gemacht, erzählt Ivonne Heilmann-Etzbach. Benannt wurde der neue rote Flitzer, der im Anschluss vom DLRG-Goldkehlchen Steffi Schulz und der ganzen Crew mit einer adaptierten Version von Wencke Myhres „Er hat ein knallrotes Gummiboot … äh Rettungsboot“ besungen wurde, nach Günter Grein, dem ersten DLRG-Bootsführer auf dem Hardtsee. Bevor der Leiter des Bootswesens, Stefan Pernfuß, noch ein paar Fakten über Aluminium-Günter vom Stapel ließ, war es der Namenspatron selbst, der das neue Boot mit ordentlich Sekt, Schampus oder einem sonst wie gearteten Schaumwein die Taufe zuteilwerden ließ.
Der König des Hardtsee
Künftig wird Günter also der feuerrote König des Hardtsee – 40 Hektar Wasserfläche, die ihm zu Füßen oder vielmehr vor dem Bug liegen. Mögen seine Einsätze langweilig, routiniert, professionell, aber niemals tödlich ernst sein.

80000 für den Kutter? Mich wundert nix mehr!
Muss auch nicht. Die großen Geschwister auf dem Rhein sind noch ein wenig teurer. Es handelt sich hier um ein „unsinkbares“ Rettungsboot mit Bugklappe und Jet-Motor.
Kommunen kaufen mit am teuersten ein. Das muss für Auftragnehmer ein Traum sein.
Steigende Kosten? Verkalkuliert? Alles kein Problem, die Mehrkosten trägt der Auftraggeber, ist ja kein eigenes Geld.
Die DLRG ist ein gemeinnütziger Verein und kein öffentlicher Auftraggeber, schon gar keine Kommune…
Egal was kommt, esmuss gemotzt und geschossen werden.🤣
Danke an die DLRG und ihre Ehrenamlichen Mitglieder, dass sie sich in ihrer Freizeit Ausbilden-Fortbilden und ihren Wachdienst verrichten. Das glit genauso für die Freiwilligen Feuerwehrleute, Rotes Kreuz usw.
DANKE.
Hallo Olaf S.
Das Boot wurde zum größten Teil über Spenden von Firmen und auch Privatpersonen gezahlt. Von der Gemeinde kam dann auch ein Zuschuss. Bitte auch zu Bedenken, dass für den Betrieb des Hardtsees eine gute Truppe benötigt wird, die für die Sicherheit der Besucher und Schwimmer benötigt wird. Sind wir froh, dass es großzügige Spender gab (Auf der Seite des DLRG können Sie diese ansehen). Und wenn sie alle Stunden die das DLRG-Team leistet über eine Firma bezahlen müssten, wäre der Betrieb des Hardtsees so nicht möglich. Dagegen ist dann der Gemeindezuschuss zum Boot Günter ein Schnäppchen. Es ist ja kein Spielzeug, sondern ein Gerät zum Menschen retten wie beispielsweise ein Krankenwagen beim DRK.
Alleine so ein Jet-Motor kostet knapp 20.000 €, der Anhänger für ein Boot rund 10.000 € und dann sind in der Summe auch über 5.000 € seemännische Ausstattung und Notfallausrüstung. Da wirken die 80.000 € gar nicht mehr so viel, finde ich…