Auf den Spuren der Römer in Stettfeld
Dort, wo heute das kleine, verschlafene Dörfchen Stettfeld liegt, befand sich einst ein bedeutender Knotenpunkt des Römischen Reiches.
Dienstagvormittag im kleinen Ubstadt-Weiher Ortsteil Stettfeld. Auf der B3 kriechen die letzten Reste des Berufsverkehrs dahin, ansonsten ist es recht ruhig im Dorf. Eine Gruppe älterer Damen unterhält sich auf der Sitzbank, nebenan in der Bäckerei Thollembeek reicht eine junge Verkäuferin einer Mutter mit zwei Kindern ein frisch gebackenes Brot über die Theke. Was vermutlich keinem von ihnen gegenwärtig ist: Genau diese Szene hat sich wahrscheinlich so oder ähnlich hier bereits vor fast 2000 Jahren zugetragen.
Ein Treffpunkt der Antike



Man sieht es Stettfeld nicht an, doch genau hier, genau an dieser Stelle, trafen sich im alten Römischen Reich zwei bedeutende Hauptverkehrsadern – die von Basel nach Mainz und jene von Augsburg nach Speyer. Wo viele Menschen reisen, handeln, sich begegnen, dort lässt man sich nieder. Und so entstand um etwa 120 n. Chr. ein bedeutender Knotenpunkt, eine florierende Siedlung mit großen Wirtschaftsbetrieben. Hier lebten und wirkten viele Menschen. Der sogenannte Vicus Stettfeld florierte und war Lebensraum und Wirkort von bis zu 800 Menschen – bis die Siedlung nach dem Fall des Limes aufgegeben wurde.
Ein römisches Straßendorf mit Leben und Arbeit
Man muss sich das damalige Stettfeld – wie der eigentliche Name der Siedlung lautet, ist bis heute unklar – wie ein kleines Straßendorf vorstellen, die Häuser dicht an dicht gereiht. Über mehrere hundert Meter erstreckte sich die kleine Ortschaft, gesäumt von Wohnhäusern, aber auch Gasthäusern und Handwerksbetrieben, unter anderem die damals überaus wichtigen Töpfereien. Alte Funde geben aber auch Hinweise auf weitere Betriebe wie eine Schmiede, eine Bronzegießerei, eine Gerberei und eine Leimsiederei – Belege für die Bedeutung des Vicus Stettfeld in Sachen Handel und Handwerk.
Freude, Leid und das, was bleibt
Rund um den Ort finden sich im Boden Überreste prächtiger römischer Villen, aber auch viele Grabstätten und Friedhöfe wurden bei den diversen Ausgrabungen über die letzten Jahrzehnte hinweg entdeckt. Ja, wo Menschen leben, geben sich Freud und Leid die Klinke in die Hand. Auch wenn seither fast 2000 Jahre vergangen sind, sind viele der Schicksale noch heute fühlbar und erlebbar.
Ein Schatz an Geschichte – mitten im Ort



Möglich macht das das kleine, ehrenamtlich betriebene Römermuseum mitten in Stettfeld, am alten Marcellusplatz. In liebevoller Kleinarbeit und in künstlerisch aufbereiteter Umgebung wird hier die Geschichte der alten Römer im damaligen Stettfeld wieder lebendig. Viele kleine und große Exponate vermitteln einen Eindruck davon, wie es damals hier gewesen sein muss – das Ganze mit durchaus persönlicher Note, nicht nur auf Technik oder nüchterne Fakten reduziert.
Wenn Gebeine Geschichten erzählen
So zeugen sogar ein paar alte Einwohner Stettfelds von dem, was sich damals zugetragen hat. Die Gebeine mehrerer Verstorbener lassen erahnen, wie das Leben damals gewesen sein kann. So findet sich hier die sterblichen Überreste eines elfjährigen Jungen, der vermutlich aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen gestorben ist. Unter seinem Zungenbein fand man bei den Ausgrabungen einen kleinen, aus Bernstein gefertigten Bären – denn Bernstein wurden damals heilende und reinigende Kräfte nachgesagt.
Hingabe, die sichtbar wird
Seit 1984 kümmert sich ein engagiertes Team um die Bewirtschaftung, Pflege und Weiterentwicklung des Römermuseums. Die Exponate, präsentiert in aus Pappe handgefertigter Szenerie des Tübinger Künstlers Thomas Waldner, zeigen: Man will hier mehr bieten als einfach nur ein paar Vitrinen und Informationstafeln. Diese Hingabe wird mit steigenden Besucherzahlen belohnt – insbesondere Schulklassen sind regelmäßig zu Gast in Stettfeld.
Anerkennung für gelebtes Ehrenamt
Als Würdigung für die Arbeit und die Bereitschaft, Wissen zu erhalten und zu vermitteln, wurde das kleine Museum nun vom Arbeitskreis Heimatpflege Regierungsbezirk Karlsruhe ausgezeichnet. Sylvia M. Felder, Vereinsvorsitzende und Regierungspräsidentin am Regierungspräsidium Karlsruhe, stattete heute dem Museum einen Besuch ab, überreichte den Förderpreis und schrieb sich zudem ins Goldene Buch der Gemeinde Ubstadt-Weiher ein. Gemeinsam mit Bürgermeister Tony Löffler sowie Dr. Michaela Zorn, Helmut Hess und Frank Ohlheide vom Römermuseum verschaffte sie sich einen Eindruck vom Museum – und damit gleichermaßen einen Eindruck von mehreren tausend Jahren Stettfelder Geschichte.

Laut Webseite sind die Öffnungszeiten:
Februar bis November
sonntags 14-17 Uhr
https://www.roemermuseum-stettfeld.de/
Wer’s wissen will…
Ob’s da auch laut war mit Verkehr?
Na ich denke mal, wenn die mit Ihren „Körperpanzern“ und ihren Sandalen, mit Nägeln in den Sohlen auf den guten Wegen mit Kopfsteinpflaster gelaufen sind, hat es bestimmt lauf gescheppert.
Mal im Ernst: neulich kam ne Sendung im TV über das alte Rom…da soll es lauter gewesen sein als heute!
Wann do in Steffeld oi Kohorte in der Formation Schildkröt (siehe Aschderix) durch marschiert isch, hot alles gekleppert!