Didi forever – Der Eppinger Theken-König dankt ab

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Gerhard Abendschein aka Didi

Nach 42 Jahren wird Gerhard Abendschein das legendäre Zornickel abgeben

Egal wie lange ich zurückdenke und über das gute alte Eppingen von einst nachdenke, ich kann mich an keinen Zeitpunkt erinnern an dem Didi hier keine Rolle gespielt hätte. Schon als picklige, flaumbärtige und durch und durch unreife Kerle, haben wir gerne an seiner riesigen, gedrechselten Theke Platz genommen um den einen oder anderen gepflegten Stiefel zu kippen. Egal ob bei Andys, bei Klausi im Ratskeller, in der Turmschänke oder im Eichbaum – Didi war immer unter unseren Top-Anlaufstellen in Eppingen. Egal ob im holzverkleideten Inneren des Zornickel oder in der Vorweihnachtszeit draußen in seiner kultigen Glühweinhütte, Didi liebt Eppingen und Eppingen liebt Didi.

Mittlerweile ist Didi, der 1953 als Gerhard Abendschein in Ittlingen geboren wurde, schon Mitte 60 und hat nun beschlossen ganz allmählich als Eppinger Kultwirt abzudanken und einen entspannten Lebensabend einzuläuten. Schaut man sich seinen bewegten Lebenslauf an, kann man das gut verstehen, schließlich hat Didi jahrzehntelange nonstop auf dem Gas gestanden und kaum Zeit für sich und die Familie gehabt. Angefangen hat seine gastronomische Karriere bereits mit jungen Jahren als er in der ersten Sinsheimer Diskothek “Watussi” jobbte. 1977 übernahm er dann in Eppingen das erste Zornickel, dort wo heute Frühlingsrollen und Pekingsuppe verkauft werden. Acht Jahre später erfolgte dann der Umzug in die ehemalige Gaststätte Adler, ein echtes Traditionsgasthaus in Eppingen. Bereits von 1750 bis 1809 wurden hier durstige Eppinger Kehlen mit Bier und Wein benetzt.

Eine solche lange Tradition, darf nicht einfach enden, das ist Gerhard Abendschein wichtig. Auch in Zukunft sollen im Zornickel seine langjährigen Gäste weiterhin ein zweites Wohnzimmer vorfinden, das ist die Bedingung für einen saubere Übergabe an die nächste Generation. Bei der Suche nach einem Nachfolger hat Didi es übrigens keineswegs eilig. “Da muss einfach der richtige kommen, das muss einfach stimmen” sagt er, während er hinter seiner Theke mit den hölzernen Dachschindeln steht und ein paar Gläser poliert. Bis es soweit ist, wird Didi hier auch stehen bleiben und zusammen mit seiner treuen Crew für die Eppinger da sein. Die Hände in den Schoß legen, das ist ohnehin nicht seine Sache. Sein ganzes Leben lang hat Gerhard Abendschein pausenlos gearbeitet, erst nach 38 Jahren gestattete er es sich dem Zornickel einen Ruhetag zu verordnen. Viel Zeit für die Familie blieb bei einem solchen Lebensstil nicht, dafür wurden aber seine Gäste, die Didi bereits mitunter in der dritten Generation bewirtet und seine Mitarbeiter zu einer Ersatzfamilie für ihn.

Selbst wenn das Zornickel dann irgendwann in den nächsten Monaten den Besitzer wechseln wird, wird Didi wiederum allenfalls von seinem Platz hinter der Theke auf einen Barhocker davor wechseln. Er möchte seinem Eppingen selbstverständlich erhalten bleiben und mit jenen Menschen alt werden, die er über die vielen Jahrzehnte teilweise besser kennengelernt hat, als so manch anderer. “Ich bereue absolut gar nichts, ich hatte eine tolle Zeit hier in Eppingen”, sagt Didi zum Abschluss unseres Gespräches und noch etwas anderes ist ihm sehr wichtig, das müssen wir unbedingt genauso aufschreiben : “Ich will ausdrücklich meinen treuen, lieben und langjährigen Mitarbeitern sowie meinen Freunden für die Unterstützung und für die Hilfe in all der Zeit herzlich und aufrichtig danken”.

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