Blaues Wasser in Heidelberg – Ergebnisse liegen vor

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Wasser

Trinkwasser: Kleinste Kalkteilchen haben die optisch leicht bläuliche, aber gesundheitlich nicht bedenkliche Färbung verursacht

Gesundheitsamt beendet die Ursachenforschung

Kleine Ursache – große Wirkung: Kleinste Kalkteilchen im Wasser haben die optisch leicht bläuliche, aber letztlich nicht gesundheitsschädliche Färbung des Trinkwassers verursacht, wegen der am 7. Februar das Gesundheitsamt im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis, das auch für den Stadtkreis Heidelberg zuständig ist, eine temporäre Trinkwasser-Warnung für die Gemeinde Dossenheim und die Stadt Heidelberg ausgesprochen hatte.

Was war passiert?

Am Donnerstag, 7. Februar, wurde eine leicht bläuliche Färbung des Trinkwassers in der Gemeinde Dossenheim festgestellt. Nach ersten Untersuchungen war hiervon das Wasserwerk Entensee auf Heidelberger Gemarkung betroffen. Dieses beliefert die Gemeinde Dossenheim sowie die Heidelberger Stadtteile Neuenheim und Handschuhsheim mit Trinkwasser. Da ein Eindringen des Wassers aus dem Werk Entensee in andere Stadtteile nicht ausgeschlossen werden konnte, hatte das Gesundheitsamt vorsorglich für die Gemeinde Dossenheim und das gesamte Heidelberger Stadtgebiet eine Trinkwasser-Warnung ausgesprochen.

Da alle Parameter der Trinkwasserverordnung bei den Untersuchungen ohne Auffälligkeiten waren und eingehalten wurden, konnte die Warnung noch am Nachmittag des gleichen Tages aufgehoben werden. Auch alle weiteren Analysen zeigten, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung bestanden hatte. Andere Möglichkeiten als Ursache der bläulichen Färbung wie zum Beispiel färbende Substanzen, ehemalige Tracerversuche und ein vorher stattgefundener Unfall in einer Recycling-Anlage am 2. Februar in Wieblingen konnten ausgeschlossen werden. Auch ein durch das Gesundheitsamt und das Technologiezentrum Wasser (TZW) Karlsruhe überwachter Probebetrieb des Wasserwerks Entensee am Donnerstag, 14. Februar, zeigte keine Auffälligkeiten. Die genommenen Wasserproben waren in jeder Hinsicht unauffällig: Es wurden zum einen weiterhin alle Parameter der Trinkwasserverordnung eingehalten, zum anderen war keine auffällige Blaufärbung erkennbar.

Intensive Ursachenforschung

„Selbstverständlich sind wir der Frage, woher diese leicht bläuliche, nicht gesundheitsschädliche Färbung des Wassers rührt, nachgegangen. Wir sind in eine intensive Ursachenforschung eingestiegen, haben Hinweise aus der Bevölkerung aufgenommen und gemeinsam mit Experten Denkmodelle und Szenarien entwickelt. Diese haben wir versucht zu verifizieren. Das alles war sehr arbeits- und zeitintensiv“, erläutert Dr. Rainer Schwertz, Leiter des Gesundheitsamtes. Mit weiteren Nachforschungen wurden verschiedene Labore und Institute beauftragt, unter anderem das Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken. Dort war auch bekannt, dass bei allen bisher beschriebenen blau erscheinenden Wasserkörpern das Wasser entweder glazialen oder vulkanischen Ursprungs ist oder einen sehr hohen Calcium-Carbonatgehalt aufweist. Letzteres ist auch in den Grundwasserkörpern unserer Region anzutreffen, so auch im Wasserwerk Entensee. Ein sehr hoher Calcium-Carbonatgehalt kann dazu führen, dass im Wasser kleinste Kalkteilchen entstehen, die dieses dann leicht bläulich erscheinen lassen.

„Die Untersuchungen der Wasserproben aus dem Wasserwerk Entensee haben dabei den Nachweis kleinster ungelöster Kalkteilchen erbracht. Zudem wurde festgestellt, dass sich die untersuchten Wasserproben in Bezug auf die Größe der Kalkteilchen unterscheiden“, erläutert Dr. Schwertz die Untersuchungsergebnisse. Diese natürlichen, im Wasser vorkommenden, kleinsten Kalkteilchen sind somit der Grund für die optisch wahrnehmbare Blaufärbung des Wassers. Der Effekt der Lichtstreuung durch kleinste Kalkteilchen (Rayleigh-Streuung) ist beispielsweise vom Blautopf in Blaubeuren bekannt. „Von den natürlich vorkommenden, suspendierten (ungelösten) Carbonatverbindungen, umgangssprachlich Kalkteilchen genannt, geht jedoch keine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung aus“, stellt der Leiter des Gesundheitsamts erneut klar.

Im Ergebnis ist festzustellen, dass das Trinkwasser in unserer Region je nach Höhe des Calcium-Carbonatgehalts, ab und an eine optisch bläuliche Färbung annehmen kann. „Warum dieses Phänomen gerade am 7. Februar so deutlich sichtbar war, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden“, erklärt Dr. Schwertz. Das Gesundheitsamt geht jedoch davon aus, dass dieser Effekt auch zukünftig immer mal wieder auftreten kann, weil Schwankungen des Calcium-Carbonatgehaltes des Wassers in einem gewissen Umfang durch natürliche Ursachen wie etwa verstärkte Auswaschung aus den Gesteinsschichten auftreten können. „Ich danke allen Beteiligten, die an der Ursachenforschung mitgewirkt haben, insbesondere auch der Bevölkerung für die wertvollen Hinweise“, so Dr. Schwertz abschließend.

Hintergrund: Was und wie genau wurde untersucht?

Es wurden Wasserproben aus Dossenheim vom 7. Februar sowie aus dem Wasserwerk Entensee vom 7., 8. und 14. Februar analysiert und miteinander verglichen. Die Untersuchung der Proben wurde unter anderem mit einem Verfahren durchgeführt, bei dem ein flüssiger Wasserfilm schockgefrostet und dann unter dem Transmissionselektronenmikroskop (Cryo-TEM) untersucht wird.

Durch das Einfrieren der Probe bleibt die ursprüngliche Struktur der im Wasser enthaltenen Kalkpartikel erhalten. Der schockgefrostete Wasserfilm wird dann unter dem Transmissionselektronenmikroskop (TEM) untersucht. Diese Form der Untersuchung erlaubt einen sehr genauen Einblick selbst in kleinste Strukturen und hat den Nachweis von kleinsten suspendierten (ungelösten) Carbonatverbindungen erbracht.

Eine weitere Untersuchung mit der Dynamischen Lichtstreuung (DLS) hat gezeigt, dass sich die verschiedenen untersuchten Wasserproben in Bezug auf die Größe der suspendierten Carbonatverbindungen voneinander unterschieden haben. Die DLS ermöglicht eine Aussage über die Größe der unterschiedlichen kleinsten Kalkteilchen im untersuchten Wasser. Die angewendete Methode beruht dabei auf der Streuung und den Interferenzen des Lichtes, welche durch die kleinsten Kalkteilchen in der Probe verursacht werden.

Die kleinsten, natürlich vorkommenden Kalkteilchen haben eine Größe im Bereich von Nanometern (der millionste Teil eines Millimeters). Diese haben jedoch nichts mit dem häufig in Medien erwähnten Mikroplastik (kleinste Plastikteilchen) oder Nanopartikeln in Kosmetika zu tun. Die nachgewiesenen kleinsten Kalkpartikel sind ein natürlicher Bestandteil des Wassers. Sie stellen keine Gesundheitsgefährdung für den Menschen dar.

Die genaue Zusammensetzung des eigenen Trinkwassers kann übrigens bei den lokalen Wasserwerken erfragt oder auf deren Internetseite eingesehen werden.

Pressemitteilung des Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis vom 22. März 2019

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