Der Neue in der Brettener 11

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Ronny in seinem Helget's

Ronny rules – Im alten Zornickel füllt Ronny Helget mit seinem „Helget’s“ Didis große Fußstapfen

Als vergangenes Jahr in der Kultbeiz Zornickel nach über vier Jahrzehnten die Lichter ausgingen, meldete sich nicht nur eine der großen Eppinger Kneipen-Institutionen ab, sondern hinterließ auch ein klaffendes Loch in der hiesigen Theken-Landschaft. 42 Jahre lang war Gerhard Abendschein, aka Didi, ein Fels in der Brandung und für Generationen von Eppingern feste Anlaufstelle zu allen Gelegenheiten. Da die Zeit aber bekanntlich das Feuer ist, in dem wir alle verbrennen, stehen auch die Uhren in der Brettener Straße Nummer 11 nicht still – das Alte geht – das Neue kommt. Neben einem dicken fetten “Dankschee” für 42 wunderbare Jahre, schulden wir Didi aber noch ein weiteres Dankeschön und zwar für die Auswahl eines würdigen Nachfolger, der die Abdrücke seiner riesigen Eppinger Latschen ausfüllen kann.

modern, frisch, lichtdurchflutet und neu

Seit rund zwei Wochen steht Ronny Helget im einstigen Zornickel hinter der Theke und hat mit seinem “Helget’s” einen Traumstart hingelegt, der alle Passagiere zum Klatschen bringen dürfte. “Mein Drall war eigentlich nie nach Eppingen”, erzählt der blonde Hüne mit dem rosa Hemd und den ausrasierten Schläfen, der ursprünglich einmal den Beruf des Metzgers gelernt hat. Zuvor betrieb er sieben Jahre ein Restaurant mit gleichem Namen im Sinsheimer Stadtteil Steinsfurt – zumindest bis eines Tages einer seiner Stammgäste ihm einen Zeitungsartikel über den sich ankündigenden Ruhestand von Gerhard Abendschein auf den Tisch legte. So kam er mit Didi ins Gespräch und nach einigem, vorsichtigem Beschnuppern, erteilte der alte Silberrücken nach einem Besuch im Steinsfurter Helget’s Ronny den Zuschlag und nahm in sein Herz auf.

Auch wenn die beiden Wirte nun eine echte Freundschaft verbindet, zieht Ronny in Eppingen sein eigenes Ding durch und ließ im Zornickel nichts, aber auch wirklich gar nichts, wie es war. Aus eng und dunkel wurde licht und weit – Wände wurden herausgerissen, Fenster geöffnet und helle und einladende Materialien verbaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, das Helget’s ist keine schummrige Beize, sondern – so steht es vor der Tür geschrieben – eine Restaurant – Lounge – Bar. Abgesehen von Mittwoch geht es jeden Tag um 11 Uhr mit einem wechselnden Mittagsgericht los, nachmittags gibt es dann Kaffee und abends Cocktails, Longdrinks, Bier und selbstredend Abendessen á la carte. Die Speisekarte setzt sich im wesentlichen aus deutschen Klassikern zusammen, hier finden sich Schnitzel, Rostbraten, Maultaschen und Co, diverse Salate und ein einsames, vegetarisches Hauptgericht. Wer könnte es Ronny verdenken, schließlich ist er Metzger und kein Gärtner.

Den Eppingern scheint ihre neue Location durchaus zu behagen und so treffen sie in Scharen im Helget’s ein. Manchmal sind es so viele, dass Ronny zähneknirschend einige nach Hause schicken muss, durch die Corona Pandemie kann eben nicht spitz auf Knopf gestapelt werden. Wenn die 90 Plätze besetzt sind, sind sie eben besetzt, auch ein Wirt kann Zeit und Raum nicht krümmen. Auch vom Eppinger Rathaus aus, werden liebevolle Blicke hinüber zum Helget’s geworfen. Die Stadt hat den Gastwirt großzügig bei der Ansiedlung und beim Umbau unterstützt, zudem kehren die beiden Schultheiße gerne bei Ronny ein. Schon am ersten Abend wurde so aus Oberbürgermeister Holaschke der Klaus – wenn das mal kein gutes Omen ist.

Mit Ronny lässt sich aber ganz offenkundig bestens auskommen, hinter seiner herben Fassade, schlägt ein großes Herz. Fast alle seine Mitarbeiter hat er aus dem alten Helget’s in Steinsfurt mit in seine neue Bleibe übernommen. Auch eine seiner Töchter hilft bereits in der Küche aus und stottert auf diese Art und Weise Stück für Stück das heißt begehrte iPhone – sponsored by Papa ab. Ronny ist jedenfalls Feuer und Flamme für die Brettener Straße Nummer 11 und seine Eppinger, er glaubt an eine große Zukunft in der Fachwerkstatt, alleine schon wegen der vielen Events und natürlich der Gartenschau. Wie sehr er sich mit seinem eigenen Traum identifiziert, macht schnell einen Blick auf seinen rechten Unterarm klar, wo er sich in riesigen Lettern das eigene Firmenlogo hat hin tätowieren lassen. Darauf angesprochen lächelt er nur verschmitzt und sagt: “Ich bin halt ä bissl durch”… Geht schon in Ordnung Ronny, das sind wir alle, willkommen in Eppingen.

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