Der Klimawandel setzt dem Östringer Stadtwald erheblich zu

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Tätigkeitsbericht der Forstbehörde wurde dem Gemeinderat vorgestellt

Bei der jüngsten Sitzung des Östringer Gemeinderats am Dienstagabend dieser Woche ließen sich die Bürgervertreter ausführlich über die aktuelle Situation bei der Bewirtschaftung des Stadtwalds informieren. Forstabteilungsleiter Dr. Simon Boden und Revierleiter Jochen Kaiser vom Karlsruher Landratsamt zeigten bei ihrem Tätigkeitsbericht auf, dass die lang anhaltende Trockenheit der zurückliegenden Vegetationsperioden, verbunden mit großer Hitze in den Sommermonaten, dem kommunalen Forst nach wie vor schwer zu schaffen macht.

„Wir bräuchten mehrere verregnete Sommer hintereinander, um das in den tieferen Bodenschichten vorhandene Wasserdefizit auflösen zu können“, hob Forstexperte Boden hervor und lenkte den Blick auf die vielfältigen Schadensbilder, die im Stadtwald nach mehreren besonders niederschlagsarmen Jahren seit 2017 anzutreffen sind. „Über alle Baumarten hinweg stellen wir Schwierigkeiten mit der mangelnden Wasserverfügbarkeit fest. Die Veränderungen in den klimatischen Rahmenbedingungen vollziehen sich für die meisten Bäume einfach zu schnell“, sagte der Abteilungsleiter der Unteren Forstbehörde.

Als zwangsläufige Folge von flächenhaften Dürreschäden und dem vermehrten Schädlingsbefall in ohnehin geschwächten Beständen musste die Revierleitung in den letzten Jahren die sogenannte `zufällige Nutzung´ deutlich erhöhen. Im Forstwirtschaftsjahr 2021 summierten sich solche vorab nicht geplanten Holzeinschläge auf 4.351 Festmeter – somit der bei weitem größte Anteil einer gesamten Holzernte von 5.634 Festmetern.

Zur Pflege der Jungbestände und zur Sicherung der Anteile der verschiedenen Mischbaumarten des Stadtwalds wurden außerdem im letzten Jahr auf 7,5 Hektar Fläche aufwendige Pflegemaßnahmen durchgeführt. Zur Gewährleistung einer guten Entwicklung der vorwiegend mit jungen Eichen und Elsbeeren besetzten Kulturen wurde unerwünschte Begleitvegetation entfernt und auf 30 Hektar Fläche wurden naturverjüngte Kulturen gesichert. Zur Verbesserung der Klimastabilität des Stadtwalds wurden außerdem im vorigen Jahr auf insgesamt 6 Hektar geeignete Flächen zur Wiederbepflanzung vorbereitet und neue Kulturen mit insgesamt rund 20.000 Bäumen angelegt.

Mit etwa 14.000 Jungbäumchen ist die Elsbeere auch bei den Neupflanzungen des Jahres 2021 sehr stark vertreten gewesen, dazu kamen unter anderem Douglasie, Kirsche, Speierling, Schwarznuss und Tanne. Für Nachbesserungen auf ausgefallenen Bereichen in den Kulturflächen mussten 2.750 Pflanzen gesetzt werden. Zur Sicherung des Anwuchserfolgs und zur Reduzierung des Wildverbisses wurden von den Forstarbeitern darüber hinaus insgesamt etwa 21.280 Wuchshüllen ausgebracht.

Für das Forstwirtschaftsjahr 2022 gehen Forstabteilungsleiter Boden und Revierleiter Kaiser von einem planmäßigen Holzeinschlag im Umfang von 3.690 Festmetern aus. Dabei wird mit Verkaufserlösen von 215.000 Euro kalkuliert – bei Erntekosten von voraussichtlich 110.000 Euro. Für die Pflege der angelegten Kulturen sind darüber hinaus Aufwendungen in Höhe von 225.000 Euro vorgemerkt, weitere

Ausgaben entstehen beispielsweise bei der Unterhaltung von Waldwegen und auch beim Schutz von Jungbeständen vor Wildverbiss. Wie zuvor schon bei einer öffentlichen Waldbegehung vor Ort informierten die Vertreter der Forstbehörde auch bei der Sitzung des Gemeinderats nochmals ausführlich über die am Waldsaum

parallel zur Rozenburgstraße am nördlichen Rand des Östringer Siedlungsgebiets geplanten Bewirtschaftungsmaßnahmen. In dem Bestand, der unmittelbar an die Gärten der Hausgrundstücke angrenzt, gibt es zum einen zahlreiche Alteichen mit 190 oder mehr Jahresringen, deren Geäst teilweise auch über die privaten Flächen ragt und bei denen dringender Handlungsbedarf zur Durchführung umfangreicher Verkehrssicherungsmaßnahmen besteht. Auf einem Teil der Fläche sind zudem nach einer starken Eichelmast viele kleine Eichenpflanzen aufgekeimt, denen nun für eine gedeihliche weitere Entwicklung und einem guten Aufwuchs der Naturverjüngung mehr Licht verschafft werden soll.

Die konkrete Durchführung der anstehenden Bewirtschaftung dieses Waldgebiets stimmt die Forstbehörde eng mit den Fachabteilungen für Artenschutz und Naturschutz beim Karlsruher Regierungspräsidium und bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts ab, das versicherten Forstabteilungsleiter Boden und Revierleiter Kaiser nun auch nochmals bei der Aussprache zu ihrem Tätigkeitsbericht im Gemeinderat.

Die zuletzt wieder in etlichen Presseveröffentlichungen thematisierte Ortsumfahrung der Bundesstraße 292, für die es noch keinerlei konkrete Konzepte gibt und die bei den zuständigen übergeordneten Straßenbaubehörden erst ab 2025 planerisch angegangen werden soll, spielt bei den aktuellen forstwirtschaftlichen Vorhaben übrigens keine Rolle, dies wurde von Boden und Kaiser ausdrücklich betont. Auch im Stadtforst nördlich von Östringen, der für die Bevölkerung ein beliebtes Erholungsgebiet darstellt, kümmere man sich vielmehr gerade „aktiv um die nächste Generation des Walds“, hoben die Repräsentanten der Forstbehörde jetzt hervor. Wie Bürgermeister Felix Geider bei der Aussprache im Gemeinderat ergänzend anmerkte, soll von dem rückwärtig vom Waldsaum gelegenen Bestand mit einer Gesamtfläche von etwa 18 Hektar ein Anteil von voraussichtlich rund 60 Prozent dauerhaft stillgelegt, also forstlich nicht weiter bewirtschaftet werden.

Redaktion: Wolfgang Braunecker / Stadt Östringen

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