Der Himmel, die Sterne und der Erzengel

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Der herrliche Höhenzug zwischen Stettfeld, Zeutern, Oberöwisheim und Odenheim verspricht nicht weniger als die schönste Herbstwanderung im Kraichgau.

Jedes Mal, wenn ich mir die Zeit nehme, meinen absoluten Lieblingswanderweg im Kraichgau in Angriff zu nehmen, könnte ich mich gleichzeitig ohrfeigen. Warum nur mache ich Trottel das eigentlich nicht häufiger?

Die Antwort darauf ist müßig – darum soll es heute auch gar nicht gehen. Ich möchte Ihnen vielmehr diese wunderbare Strecke ans Herz legen, die so abwechslungsreich ist, so schön in ihren An- und Aussichten und gleichzeitig so viel Ruhe und Geborgenheit bietet, dass mir kaum ein vergleichbarer Weg in unserem schönen Hügelland einfällt.


Start in Stettfeld

Rein technisch gesehen ist der von mir empfohlene Abschnitt Teil des 65 Kilometer langen Pfalz-Kraichgau-Weges von Germersheim nach Eppingen. Wir konzentrieren uns hier aber auf den im Alltag doch etwas leichter machbaren Teil zwischen Stettfeld und Odenheim. Wir ignorieren also die Rheinebene und starten gleich dort, wo es ohnehin am schönsten ist: mitten in unseren heimischen Hügeln.

Ganz pragmatisch: Parken Sie in Stettfeld an der Mehrzweckhalle – sie liegt direkt an der Stadtbahnlinie, daher ist auch eine Anreise mit dem ÖPNV denkbar einfach. Vom Parkplatz geht es über die Hans-Thoma-Straße nach links zur Ringstraße. Dieser folgen Sie ein paar Meter, bis ein kleiner Betonweg zwischen zwei Häusern hinaus aus dem Dorf führt.

Auch im Winter wunderschön, das Himmelreich in Zeutern

An der ersten Abzweigung biegen Sie rechts ab Richtung Wald – und voilà: Ob Sie es glauben oder nicht, Sie stehen bereits jetzt auf genau dem Weg, dem Sie konsequent, quasi schnurstracks, bis nach Odenheim folgen können.


Durch das Himmelreich

Bleiben Sie entspannt auf Kurs, lassen Sie den wunderbaren Eisengrubenwald mit seinen sanften Hügeln – in denen tatsächlich früher Erz abgebaut wurde – links liegen, und genießen Sie danach die schöne Aussicht auf Zeutern.
Linker Hand haben Sie fast durchgehend eine herrliche Fernsicht, bei gutem Wetter sogar bis nach Mannheim. Unter Ihnen zieht das kleine Weindorf Zeutern vorbei. Bald erreichen Sie eine Wanderhütte im Gebiet, das passenderweise „Himmelreich“ heißt.

Kurz darauf tauchen Sie in den Wald ein – und dieser wird Sie bis Odenheim fast vollständig umschließen. Das ist ein Segen, denn kaum eine andere Route durch den Kraichgauer Forst bietet mehr Ruhe und Abgeschiedenheit. Verkehrslärm ist hier eine Seltenheit – die meiste Zeit begleiten Sie nur die sanften Geräusche des Waldes.


Zwischenstopp bei der Sternwarte

Nach einiger Zeit queren Sie kurz die schmale Gemeindeverbindungsstraße zwischen Zeutern und Oberöwisheim – zum Glück kaum befahren. Folgen Sie danach einfach weiter dem Waldweg geradeaus.

Etwa 300 Meter weiter weist ein kleiner Wegweiser nach rechts zur Sternwarte Kraichtal. Wenn Sie es nicht eilig haben – und das sollten Sie auf dieser Strecke ohnehin nicht –, legen Sie unbedingt diesen kleinen Abstecher ein.

Was der Kraichtaler Astronom Roland Zimmermann hier in Eigenregie geschaffen hat, grenzt fast an ein Wunder: ein riesiger Astronomiepark, der mit Skulpturen und Infotafeln über unser Sonnensystem und seine Planeten informiert – und das völlig kostenlos. Einzige Bedingung: Gehen Sie sorgsam und respektvoll mit allem um, was Sie dort vorfinden. Der Astronomiepark ist kein Spielplatz, sondern ein Ort der Wissenschaft, der Erkenntnis – und des Staunens, wenn man sich ihm mit der gebührenden Demut nähert.


Der stille Pfannwaldsee

Wieder zurück auf der Hauptroute geht es weiter durch den Wald – ein Paradies für Pilzliebhaber. Je nach Jahreszeit finden Sie hier herrliche Exemplare, vielleicht ja eine Option für das Abendessen nach Ihrer Heimkehr.

Ein Stück weiter bietet sich die nächste Möglichkeit für einen kleinen Abstecher: Rechts unterhalb des Höhenzugs liegt, nur wenige Dutzend Meter tiefer, der Pfannwaldsee bei Oberöwisheim.
Zwar wurde er einst künstlich angelegt, inzwischen aber vollständig der Natur überlassen. Ein kleines Idyll ist hier entstanden – mit Glück sehen Sie Molche, Nutrias, Kröten, Frösche und andere Tiere. Bänke am Ufer laden zu einer stillen Rast ein.


Ziel in Sicht: Odenheim

Zurück auf Kurs: Ignorieren Sie alle Querwege und bleiben Sie oben auf dem Höhenrücken. Nach einer Weile öffnet sich der Wald – und mit etwas Glück sehen Sie bereits über den Feldern den Turm von St. Michael, der alten Pfarrkirche von Odenheim.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts weist sie allen Wanderern den Weg ins Tal.

In Odenheim angekommen, können Sie einkehren, eine Pause einlegen oder direkt den Rückweg antreten – entweder auf derselben Route oder über die alte Betonstraße entlang des Pfannwaldes.
Wer noch Energie hat: Der Pfalz-Kraichgau-Weg führt von hier weiter bis nach Elsenz. Für die meisten ist Odenheim aber ein idealer Endpunkt – nicht zuletzt, weil Sie von hier bequem mit der Stadtbahn zum Ausgangspunkt zurückfahren können.


Mehr Informationen

Weitere Infos zum großen Wanderweg zwischen Germersheim und Eppingen – der auch diese Etappe einschließt – finden Sie auf den Internetseiten des Odenwaldklubs:
👉 Wegbeschreibung HW 48 (PDF)

2 Kommentare zu „Der Himmel, die Sterne und der Erzengel“

  1. Herzlichen Dank für diesen wunderschönen Wandertipp. Bisher wußte ich es NICHT, daß es einen Wanderweg zwischen Germersheim und Eppingen gibt. Das ist es was ich an Hügelhelden schätze. Gibt es irgendwie eine aktuelle Wegbeschreibung die man vielleicht in Komot finden kann. Danke für den Hinweis.

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