Der grüne Daumen ist müde

Nach 70 Jahren gehen in der Unteröwisheimer Gärtnerei Feil die Lichter aus

Träge hängt die brütende August-Hitze unter den gläsernen Dächern der Unteröwisheimer Gärtnerei Feil. Normalerweise wären jetzt alle Mann auf den Beinen um die empfindlichen Pflanzen zu wässern und sie so vor größeren Hitzeschäden zu bewahren. Doch in den großen Gewächshäusern am Rande des Kraichtaler Stadtteils ist niemand mehr zugange, schließlich steht keine einzige Pflanze mehr auf den riesigen Tischen. Seit Anfang des Monats hat die Gärtnerei Feil geschlossen – das erste Mal seit Max Feil den Betrieb 1947 gegründet hat.

Weil er keine Zukunft mehr für seinen Betrieb gesehen hat, zog Gärtner Berthold Feil nun mit 65 Jahren die Reißleine. Nachdem Sohn Marius sich für eine andere berufliche Zukunft entschieden hat, war klar dass die Gärtnerei geschlossen werden muss. Wirklich traurig ist Berthold deswegen nicht, wohl aber etwas wehmütig und noch viel mehr gestresst. Dann ein solch großes Gelände in den Ruhestand zu schicken, setzt einiges an Arbeit voraus. Einfach den Schlüssel im Schloss umdrehen geht hier nicht – Werkzeug, Fahrzeuge, Gebäude und der restliche Pflanzenbestand wollen schließlich versorgt sein. Auch das Ladengeschäft in der Unteröwisheimer Ortsmitte muss ausgeräumt und neu vermietet werden.

Was mit der eigentlichen Gärtnerei am Ortsrand geschehen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Am wahrscheinlichsten ist ein Verkauf an die Stadt und die Bebauung mit Wohnhäusern. Schließlich soll zusammen mit dem benachbarten ehemaligen Stepper-Areal, Unteröwisheim hier von den Stadtplanern weiterentwickelt werden. Angedacht ist hier unter anderem ein neuer Kreisverkehr am Discounter und eine neue Straßenführung jenseits der Bahngleise, die die stark beanspruchte Friedrichstraße entlasten soll.

Trotz der noch vor ihm liegenden Aufgaben, sieht Berthold Feil aber auch einer entspannten Zukunft entgegen. Seit er zusammen mit seiner Frau Renate 1980 die Gärtnerei von seinem Vater übernommen hat, war er an den meisten Tagen der Woche bereits um 3 Uhr in der Frühe aufgestanden, um am Großmarkt die schönsten Pflanzen für seine Gärtnerei zu ergattern. Mittlerweile hält er es bis halb 6 Uhr im Bett aus, ein solch jahrelanger Rhythmus lässt sich eben nicht von heute auf morgen beenden.

Künftig wollen die beiden Eheleute Feil mehr gemeinsam unternehmen, öfters mal in den Urlaub fahren oder einfach nur durch ihr Unteröwisheim spazieren. Es sei ihnen nach einem langen und arbeitsreichen Leben gegönnt und zudem – Die meisten der Blumen und Bäume die ihnen auf ihren Spaziergängen im Ort begegnen, haben schließlich in einem ihrer Gewächshäuser irgendwann einmal das Licht der Welt erblickt. Ein schöneres Vermächtnis kann man sich doch kaum vorstellen.

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