Zum zwölften Mal feiert die Stadt ihre „Brusl Nights“
Wer sich am Freitagabend der Bruchsaler Innenstadt von der Schlossachse kommend näherte, stieß auf einen interessanten Kontrast. Opernmusik – Nessun Dorma aus Turandot, von einer Veranstaltung am Schlosscafé – ging quasi akustisch nahtlos über in Robbie Williams‘ „Let Me Entertain You“, dargeboten von der ZAP Gang. Die Altrocker, die musikalisch längst zum unveräußerlichen Inventar der Region gehören und kommendes Jahr ihr 35. Bühnenjubiläum feiern, sind ein gesetzter Fixpunkt bei den Brusl Nights.






Die Kombination aus Open-Air-Konzerten, Schlemmermeile und Shopping-Special – ins Leben gerufen und am Leben erhalten durch den Branchenbund – erfreut sich ohne jeden Zweifel weiterhin großer Beliebtheit. Anders lässt sich der rammelvolle Marktplatz nicht erklären, auf dem ein einziges Menschenmeer rhythmisch im Klang der Musik hin und her wogte.
Zwischen Nessun Dorma und Partystimmung
Aber, wo wir es schon eingangs von Bruchsaler Kontrasten hatten – auch das gehört dazu: Unter unserem Vorbericht fanden sich in der Kommentarspalte fast ausschließlich negative Rückmeldungen, die kein gutes Haar an der Veranstaltung ließen. Ein Feedback, das so überhaupt nicht zur Atmosphäre am Freitag – und auch am Samstag – passen mag. Denn die war durchgehend rund. Tropische Stimmung in der Innenstadt, Temperaturen im karibischen Bereich, Cocktails, Sommerkleider, aufgeknöpfte Hemden, losgelöste Stimmung … schee war’s einmal mehr.






Und was die stringente Buchung des Line-ups angeht? Naja, wie sagt man so schön: Never change a running system. Stellt man die ZAP Gang auf die Bühne, bekommt man gute Stimmung – fertig aus, so leicht ist das. Ähnlich ist das bei Mama Lauda, dem Hauptact am Samstag. Cover-Mucke ist sicher nicht das Anspruchsvollste, was Musiker leisten mögen – aber sie funktioniert eben meistens. Und an einem solchen Abend tut es einfach gut, die Hits zu hören, die uns durchs Leben begleitet haben. Keine Experimente, sondern der gute alte Stoff – muss man jetzt nicht zerpflücken oder totdiskutieren.
Wein, Wiedersehen und ein neues Gesicht an der Spitze
Schön ist es auch, dass die Brusl Nights den Wechsel an der Spitze des Branchenbundes im Frühjahr und die damit einhergehende Neu-Strukturierung unbeschadet überstanden haben. Selbstverständlich war das beileibe nicht. Spätestens als am Freitag die Sonne blutrot bis dunkellila über dem Marktplatz unterging, die Menschen tanzten und sangen, konnte sich auch der neue Vorsitzende Benny Heck etwas entspannen – allerdings nicht ganz so sehr wie sein Vorgänger Sven Wipper. Der spazierte erstmals seit Jahren als Privatmann zusammen mit seiner Frau gegen 22 Uhr ganz leger durch die Innenstadt. „Letztes Jahr stand ich schon am Vormittag hier“, erzählt er kurz, nimmt seine Frau Liliana an der Hand und steuert den Marktplatz an. „Komm, wir trinken einen Wein.“
Einkaufen mit Erlebnisfaktor
Und die Händler? Schließlich ist ein wesentlicher Teil der Brusl Nights auch das deutlich verlängerte Shopping-Erlebnis: Freitags haben die teilnehmenden Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet, am Samstag immerhin bis 18 Uhr. Dazu gehören Sonderangebote, Verkaufsstände, kleine Spiele und Aktionen – eben alles, was dem Publikum auf den Straßen einen Mehrwert bieten kann.









Ob sich das genau an diesem Abend in klingender Münze auszahlt, ist natürlich von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich. Aber man muss es immer wieder betonen: Der Sinn der Brusl Nights besteht nicht darin, den Umsatz an diesem Abend zu steigern, sondern die Einkaufsstadt Bruchsal im Gespräch zu halten und ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Deswegen feiert man auch den Bruchsaler Herbst, den Bruchsaler Frühling, Brusl leuchtet …
Es geht darum, die Menschen in die Stadt zu locken und für Bruchsal einzunehmen. Gemessen an der Stimmung an diesem besonders sommerlichen Wochenende scheint dieser Plan auch aufzugehen. Und so bleibt zu hoffen, dass wir im kommenden Frühjahr die 13. Ausgabe dieser besonderen Veranstaltungsreihe erleben dürfen.
Schade, dass in dem Bericht nur die Zap Gang erwähnt wurde. Insgesamt haben mehrere Bands echt viel Herzblut in ihre Auftritte gesteckt. Wäre schön gewesen, wenn alle ein bisschen Anerkennung bekommen hätten, es war schließlich Teamwork und das hat die Brusl Night so besonders gemacht.
Na ja, meinem Sohn war es mit seinen 11 Jahren sehr langweilig, oder um es mit seinen Worten zu sagen: Papa hier gibt es nur Opas und Babys!
Wenn man bedenkt, dass alle Erwachsene für die Jugend Opas sind hat er recht, hier feiern sich die Oldies, die nächste Generation wird bei solchen Veranstaltungen schlichtweg vergessen oder ignoriert und wird sich noch mehr im Internet statt in der Stadt aufhalten. Das ist offensichtlich so gewollt.
Deshalb: ihr habt alles richtig gemacht!
Super! Feiert euch ruhig weiter selber!
Die Quittung bekommt ihr später dafür!
Grüße, Chris aus Bruchsal