Das verschwundene Dorf

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Vor über 200 Jahren verschwand am Rhein das alte Dettenheim

Ein warmer Junitag in den Dettenheimer Rheinniederungen. Es ist wunderschön hier, friedlich, idyllisch – die Natur strotzt vor Kraft, die Pflanzen und Bäume blühen in saftigem Grün. In der Nähe rauscht der mächtige Strom des Rheines, direkt nebenan schreien die Wildgänse im Naturschutzgebiet des Baggersees Giesen. Nur ein mächtiger, verwitterter Stein, aufgestellt im Jahr 1938, erinnert daran, dass sich hier einstmals ein ganzes Dorf befunden hat.

1813 musste das Dorf Dettenheim aufgrund seiner Nähe zum Rhein weichen. Zu hoch war die Gefahr der Überflutungen, die den kleinen Weiler in den vorangegangenen Jahrzehnten des öfteren ereilten. Schon 1778 wurde das alte Dettenheim durch die Fluten des mächtigen Wassers fast vollständig zerstört, viele Menschen sehnten sich daher nach einem Neuanfang in sicherem Abstand zum großen Fluss. Ein erster Vorstoß Ende des 18 Jahrhunderts scheiterte jedoch an denen zu umfangreichen Forderungen der Dorfbewohner. 1807, nur vier Jahre nachdem Dettenheim an das Land Baden gefallen war, wurden im Dorf erneut Forderungen nach einer Verlegung in sichere Gefilde laut. Da auch die damaligen, noch jungen Planungen der Rheinbegradigung eine solche Verlegung vorsahen, stimmte der Großherzog einer Umsiedlung der Menschen in Richtung Bruchsal zu. Ein neuer Platz für die Dettenheimer wurde in der Domäne Altenbürg gefunden, die später den Namen Karlsdorf, ein Teil des heutigen Karlsdorf-Neuthard erhielt.

der Gedenkstein auf der Gemarkung von Alt-Dettenheim

So kam es dass im Sommer 1813 fast 500 Menschen aus dem alten Dettenheim nach Altenbürg zogen. Ein logistischer Kraftakt, der zur damaligen Zeit seinesgleichen suchte. Mit schweren Fuhrwerken wurden die zuvor zerlegten Fachwerkhäuser in über 3000 Fahrten über die etwa 15 Kilometer lange Strecke zu ihrem neuen Aufstellungsort gebracht. Auf der Gemarkung des alten Dettenheim siedelten sich daraufhin mehrere Familien aus dem benachbarten Graben an, mussten dieses Unterfangen nach weiteren, teilweise schweren Überflutungen aber schnell wieder aufgeben. Im Anschluss versuchten mehrere Ziegeleien auf der Gemarkung ihr Glück, bauten dort den reichlich vorkommenden Lehm zur Herstellung von Ziegelsteinen ab.

Heute leben nur noch eine Handvoll Menschen in den wenigen, verbleibenden Hofstellen Alt-Dettenheims. Die große Mehrheit allerdings hat schon vor über 200 Jahren eine Heimat im benachbarten Karlsdorf gefunden, wo auch noch heute ein paar letzte Gebäude – ursprünglich erbaut im alten Dettenheim – an die Geschichte des verschwundenen Dorfes erinnern.

Quellen: Wikipedia und Stadtwiki Karlsruhe

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