…dann muss de Fasching halt zu de Leit kumme

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Antonia, Matthäus und Emily Wollfahrt sind voll im Bilde

Eschdringe und Odna machen’s trotzdem

Am 13. Februar feiern die Narren aus Östringen und Odenheim gemeinsam Fasching

Ein ganzes Jahr ohne Fasching? Für den Präsidenten der Odenheimer Karnevalsgesellschaft Matthäus Wollfarth unvorstellbar. Er und mit ihm unzählige Odenheimer, sitzen bereits seit Monaten auf dem Trockenen – tote Hose im ansonsten so feierfreudigen Städtle am Katzbach. “Stell einen Pils-Wagen hin und in fünf Minuten ist das erste Fass leer” umschreibt der Oberfastnachter zu Odna seine Landsleute lachend. Viel zu viel ist in dieser Saison bereits ausgefallen…die Kampagneneröffnung, die Prunksitzung, die Verleihung der Goldenen Linse und nicht zuletzt die kultigen (und eskalationsanfälligen) Odenheimer Faschingsbälle. Eigentlich hätte ja heute an diesem Wochenende schon Sause Nummer Zwo im Odenheimer Wohnzimmer – der Mehrzweckhalle starten sollen, merkt Matthäus traurig an. Höhepunkt der Fastnacht in Odenheim ist natürlich der große Rosenmontagsumzug, in Zeiten von Corona aber absolut und völlig unvorstellbar. Matthäus und seine Familie leiden deshalb schon regelrecht unter Entzugserscheinungen, normalerweise stünden diese Wochen nur unter einem Zeichen – dem der allmächtigen Fastnacht. Auch Matthäus Töchter Antonia und Emily, die normalerweise als Gardetänzerinnen vor dem Odenheimer Schlachtschiff herlaufen, befürchten ob der fehlenden Praxis schon allmählich “einzurosten”, werfen dann aber doch die Beine derart hoch in die Luft, dass sich ein normaler Hügelhelden-Redakteur mindestens eine doppelte Hüftfraktur und multiple Sehnenrisse zuziehen würde.

so viel Nähe ist dieses Jahr einfach nicht drin (Archivbild)

Dass dieses Jahr faschings-technisch aber nicht zum totalen Reinfall mutiert, wird erstaunlicherweise aber nun von einer Richtung aus verhindert, aus der die Odenheimer traditionell eher nicht mit Schützenhilfe rechnen: Aus der Hauptstadt Östringen. Vor einiger Zeit erhielt Matthäus Wollfarth einen Anruf von Lukas Jösel, jenem engagierten Lehrer der Thomas-Morus-Realschule in Östringen, der sich als Mastermind der Musical-AG bereits für Publikumshits wie “Saturday Night Fever”, “Die drei Musketiere” oder “Hairspray” verantwortlich zeichnete. Sein Vorschlag: Lass uns doch eine große Fastnacht-Show auf die Beine stellen und diese per Videostreaming in die Wohnzimmer der Menschen bringen. Doch dabei sollte es sich keineswegs nur um ein Odenheimer Projekt, sondern um eine echte Östringer Gemeinschaftsproduktion handeln. Lukas Jösel fragte nicht nur bei der OKG, sondern auch bei den Östringer Wicker Wackern nach und stieß auf beiden Seiten des Schindelbergs auf Begeisterung. So schicken sich derzeit zwei Faschingsvereine, die normalerweise nicht allzu viel miteinander zu tun haben an, gemeinsam eine Show der Superlative auf die Beine zu stellen. Organisiert von Lukas Jösel, technisch unterstützt von Session Pro und moderiert von den beiden Sitzungspräsidenten Markus Bender aus Östringen und Matthäus Wollfarth aus Odenheim, wird am 13. Februar die erste digitale Faschingsgroßveranstaltung im Kraichgau über die virtuelle Bühne gehen.

Wicker-Wacker stürmten das Östringer Rathaus
der Rathaussturm ist online noch nicht möglich, eine waschechte Faschingsparty hingegen schon. Ein Archivbild der Wicker Wacker

Die Show, welche in einem Östringer Lagerhaus von Session Pro stattfinden wird, setzt sich dabei aus live übertragenen Nummern, sowie Aufzeichnungen aus den vergangenen Jahren zusammen. Klar, große Tanzeinlagen der jeweiligen Garden, lassen sich mit den derzeit gültigen Corona-Verordnungen nicht wirklich vereinbaren – der Solonummer eines Tanzmariechens, steht aber nichts im Wege. Genauso unproblematisch sind die geplanten Büttenreden und die Musikeinlagen der mit großem Abstand in der Halle versetzt positionierten Katzbachtalern. Endlich mal wieder die Damen und Herren in Lederhosen, Dirndln und mintgrünen Hemden die Vogelweide spielen hören, ja Sir!

die Katzbachtaler heizen dieses Jahr online ein (Archivbild)

Rund drei Stunden soll die wilde Sause, für die es wohl keinerlei Beschränkungen im Kontingent gibt, an besagtem Abend dauern. Der Aufwand dafür ist gigantisch, allein die technische und personelle Seite ist nicht von schlechten Eltern. Eine 10-köpfige Crew, darunter Kameraleute, Techniker und Beleuchter, werden für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Dass ein solcher Aufwand Kosten verursacht, die es abzudecken gilt, ist daher wohl eine Selbstverständlichkeit. Die virtuelle Eintrittskarte kostet 7,77 Euro, wer die stark angeschlagene und durch Corona gebeutelte Kultur- und Veranstaltungsbranche darüber hinaus unterstützen möchte, kann auch für 19,99 Euro ein sogenanntes Solidaritätsticket erwerben.

Am 13. Februar startet der erste Groß-Östringer Fasching ab 20:11 Uhr unter dem Motto: “An Fastnacht wird deheim gegroovt, wenn die Ente Ulle ruft.” als schon fast historisch anmutende Gemeinschaftsproduktion der KG Wicker-Wacker Östringen und der Odenheimer Karnevalsgesellschaft OKG. Wer das versäumt, ist selber schuld.

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