Bye Bye, Büdchen

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Bye Bye, Büdchen
Bye Bye, Büdchen

Das Ende der Kioske und kleinen Läden in Eppingen

Und wieder einer weniger. Nach vielen mageren Jahren scheint nun das Ende für den kleinen Kiosk am Eppinger Kleinbrückentorplatz gekommen zu sein. In den letzten Monaten hatte eine engagierte Kleingartacherin noch versucht, das in die Jahre gekommene Büdchen wieder zum Leben zu erwecken, doch am Schluss war es vergebene Liebesmüh. Davor stand das Schiffchen an der Bahnhofstraße schon lange leer, die goldenen Zeiten in den Neunzigern sind längst vorbei. Vor allem die Eppinger Schüler auf dem Hin oder Rückweg zum Schulzentrum in der Südstadt nutzen damals die Chance eines schnellen Einkaufs. Ein paar Cola-Kracher und Esspapier hier, das neue Yps-Heft oder diskret eine Packung Kippen da… das war Kiosk-Alttag. Während im Ruhrgebiet der Büdchen-Kult immer noch lebt, hat er im Kraichgau offenbar seine Fans verloren. Micro-Shopping geht nur noch an der Tankstelle und das auch nur noch zu Zeiten wenn der Supermarkt bereits geschlossen hat. Die kleinen Tante Emma Läden. wie zum Beispiel das Geschäft der alten Frau Hockenberger in der Talstraße haben schon vor Jahrzehnten aufgegeben, als die großen Supermärkte sich in Eppingen breit machten. Auch der Spar-Laden von Herr und Frau Maas war eine Institution in der Rappenauer Straße. Im weißen Drogisten-Kittel war Meister Maas ein Krämer des alten Schlages… ein Schwätzchen hier, nebenbei mit der Etikettierpistole die DM-Mark-Preise ausgezeichnet und wenn was gefehlt hat wurde es eben bestellt… man hatte einfach mehr Zeit in den wilden 80ern.

It´s all over now, Baby Blue

Im Jahr 2018 hat sich das Einkaufen in der Fachwerkstatt doch sehr verändert. Die großen Märkte bilden einen Ring um die Stadt und bieten alles aus einer Hand. Backwaren, Wurst und Fleisch, Drogerieartikel, Tabak, Zeitschriften und und und… Wer soll da noch einen Kiosk brauchen? Schade ist es trotzdem, denn eines werden die Vollsortimenter trotz warmer Farben und Feel-Good-Mucke aus den Lautsprechern niemals schaffen: Menschliche Wärme. Wer damals in Frau Hockenbergers kleinem Lädle eingekauft hat, der wurde mit Namen begrüßt, man kannte die Vorlieben und Gewohnheiten des Kunden und auch anschreiben ging, wenn der Geldbeutel versehentlich noch zu hause lag, In einer Welt in der „Immer, Schneller und Größer“ aber zur ultimativen Dreifaltigkeit erhoben wurden, haben Geschäftsideen die auf „chen“ und „le“ enden, aber keine Chance mehr… also Gute Nacht ihr kleinen Lädchen, Gschäftle und Büdchen. Wir werden Euch nicht vergessen.

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