Brusls Perle wird 300

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Das Bruchsaler Schloss feiert in diesem Jahr einen dicken, runden Geburtstag und alle sind eingeladen

Eigentlich sind Schlösser Wahrzeichen einer längst vergangenen Zeit. Prunkvolle Prachtbauten für die Obrigkeit, die den kleinen Leuten unmissverständlich klar machen sollten, wer Sie sind und wo sie stehen: Ganz unten. Das Bruchsaler Schloss bildet dabei keine Ausnahme. Gebaut wurde es in den frühen 20er Jahren des 18. Jahrhunderts für die Fürstbischöfe von Speyer, weil im Pfälzer Erbfolgekrieg deren einstige Residenz nahe des Speyerer Doms zerstört wurde. Bauherr der barocken Anlage, die damals noch auf der grünen Wiese vor der Stadt errichtet wurde, war Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim, seines Zeichens Fürstbischof von Speyer, später Kardinal und wiederum etwas später erneut Fürstbischof in Konstanz. Bei der Ausstattung wurde nicht gespart, Klotzen statt Kleckern war angesagt. Ein dreiflügeliger Bau mit zahlreichen Sälen, Emporen, Kuppeln und jeder Menge Marmor, Kunstmalerei, Fresken und Stuck wuchs über die Monate in den Bruchsaler Himmel.

Das Schloss und das umgebende Ensemble an Gebäuden, wie beispielsweise dem Damianstor oder der Hofkirche, war ursprünglich – ähnlich wie das Karlsruher Schloss – durch die angrenzenden Wege als geometrisches Konstrukt angelegt. Wer diesen Wegen kerzengerade folgt, stößt beispielsweise auf die Eremitage in Waghäusel oder das Schloss bei Kislau. Diese “Strahlen” ziehen sich kilometerweit ins Hinterland, einer davon stößt in Graben-Neudorf auf einen der “Strahlen” des Karlsruher Schlosses, welches bekanntlicherweise der Mittelpunkt des Karlsruher Fächers ist. Eine ähnlich harmonische Einbettung des Schlosses wie in der Fächerstadt gelang in Bruchsal allerdings nicht. Aus reinem Pragmatismus und Kostengründen konnte die gebeutelte Stadt nicht von Null auf komplett neu konstruiert werden, der alte mittelalterliche Stadtgrundriss wurde stattdessen beibehalten, das Schloss eher beziehungslos dazu außerhalb der damaligen Stadtgrenzen errichtet.

Die Entscheidung Damian Hugo von Schönborns, in Bruchsal seine neue Residenz zu bauen, war jedoch für die Stadt damals von entscheidender Bedeutung. Einige Jahre zuvor, anno 1689 waren große Teile des alten Bruchsals im Pfälzer Erbfolgekrieg vollständig zerstört worden. Durch die Standortwahl des Fürstbischofs von Speyer erlebte Bruchsal einen neuen Frühling, erstarkte in den folgenden Jahrzehnten zusehends. Nach dessen Tod investierte auch sein Nachfolger Fürstbischof Franz Christoph von Hutten weiter in den Aufschwung der Stadt.

die Ruine das Bruchsaler Schlosses. Alte Aufnahme von 1946 / Bild: Redaktion

Nun würde man sich wünschen, dass besagter Aufschwung noch bis zum heutigen Tage anhielte, doch bekanntlich verlief die Geschichte gänzlich anders. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges intensivierten die Alliierten ihre Luftangriffe auf Bruchsal, der Höhepunkt war die fast vollständige Zerstörung der Stadt am 1. März 1945. 80 Prozent des Stadtgebietes wurden bei einem großangelegten Bombenangriff innerhalb weniger Stunden zerstört, darunter auch große Teile des Barockschlosses. Notdürftig wurden nach Kriegsende zumindest die Nebengebäude des Schlosses wieder hergerichtet, das Skelett das Hauptschlosses jedoch war monatelang den Elementen ausgesetzt und erlitt dadurch weitere irreparable Schäden. Dementsprechend aufwändig gestaltet sich danach der Wiederaufbau der Anlage, das Mammutprojekt sollte erst 30 Jahre später – anno 1975 vollendet werden – ein Jahr vor Bruchsals 1000. Geburtstag.

Dieser Tage wird in Bruchsal erneut gefeiert. 300 Jahre alt wird das Barockschloss 2022 – ein Anlass den es – allein schon eingedenk der bewegten Geschichte – zu feiern gilt. Über eine Woche lang wird dabei in Bruchsal auf den Putz gehauen. Vom 28. Juli bis zum 7. August steht das „Schlossfestival“ an – eine Open-Air-Reihe der Superlative mit großen Stars und Künstlern auf der Bühne – wer genau, ist im Moment allerdings noch ein Geheimnis. Im Ehrenhof des Schlosses erwartet das Publikum zudem ein historischer Markt, bei dem auch das oft zitierte “leibliche Wohl” nicht zu kurz kommen soll. Flankiert wird das Jubiläum von unzähligen kleinen und großen Veranstaltungen, darunter ein großer Festakt, Führungen, Vorträge und natürlich Events für Kinder.

Ein großer Geburtstag also, für die große Bruchsaler Perle. Bleibt zu hoffen dass ein sehr kleiner Bursche hier keinen Strich durch die Rechnung macht.

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1 Gedanke zu „Brusls Perle wird 300“

  1. Drüben im Parallellokalportal wurde das 300 Jährige Jubiläum auch im „RAINwurf 08“ thematisiert.
    Bei allem „Stolz auf das Schloss“ (=hat man nicht selbst erarbeitet, sondern der Credit geht an unsere Vorfahren vor 300 Jahren und denen von der Restaurierung nach Weltkrieg II) , mein Kommentar:
    Wir dürfen Bruchsal (wenn ich meine Heimatsgeschichtslektüre noch richtig in Erinnerung habe) nur deswegen als Schlossbesitzerstadt schätzen, weil den Speyrer Fürstbischöfen die Speyrer zu kritisch / aufmüpfig waren und diese keine Lust mehr auf Stress hatten und auf pflegeleichtere Untertanen gesetzt und wohl in Bruchsal gefunden haben …
    So betrachtet, ist das Schloss auch ein Symbol für stressfreies Regieren. Das wollen unsere heutigen Regierenden sicherlich auch, insofern feiern wir mal mit „unserem einzigen Stadtalleinstellungsmerkmal“ 300 Jahre Kontinuität 🙂 !
    PS: Städte leben nicht nur von mineralischen Denkmälern und schöner Konzertkulisse, letztendlich sollte(n) Geschichte(n) und Ihre Menschen Ihren Platz + Würdigung darin finden.

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