Auf ein Monster im Bundschuh

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Die Untergrombacher Legende: Zu Gast in der kultigsten Kneipe im Hügelland

What happens in Untergrombach, stays in Untergrombach. Wie viele Geschichten im versteckten Winkel zwischen Büchenauer- und Weingartener Straße bereits geschrieben wurden, dürfte nach all den Jahren auf keine Kuhhaut mehr gehen. Seit 1961 die “Oase” im kleinen Grobacher Kultviertel eröffnete, kennt der ganze Kraichgau dieses besondere Fleckchen Heimat. In der Oase schwofte die Schickeria das gesamten Umlandes, im darunterliegenden Gewölbekeller wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt. Die Oase – so munkelt man – war das erste Tanzlokal in ganz Baden-Württemberg während der späten Wirtschaftswunderjahre.

Im November 1989, während der Tage des Mauerfalls, wurde an gleicher Stelle dann der Bundschuh aus der Taufe gehoben. Der Name entstammt der aus den Bauernaufständen an der Schwelle des 16. Jahrhunderts hervorgegangenen Bundschuh-Bewegung, dessen großer Anführer Joß Fritz aus Untergrombach stammt. 500 Jahre später eröffnen die findigen Untergrombacher Geschäftsleute Wachter, Schneider und Zipperle mit dem Bundschuh eine Kneipe gewordene Hommage an den Helden Grobachs. Die drei Herren hatten den richtigen Riecher und schmissen neben dem Bundschuh noch eine ganze Reihe weiterer Kultkneipen überall in der Region.

Zwei Dinge haben den Bundschuh in Untergrombach über all die Jahrzehnte hinweg zur Legende werden lassen. Da wäre zum einen das unfassbar schöne Interieur der Kneipe. Alles ist in dunklem Fachwerk, Lehm, Stuck und mit Millionen von verspielten Details ausgestaltet – ein wenig erinnert der Besuch hier an den “Tropfenden Kessel” aus den Harry Potter – Verfilmungen. Torbogen, Winkel und Erker lassen das Auge unentwegt wandern, aus einem der Fenster blicken sogar Waldorf und Statler aus der Muppet-Show auf die Gäste herab.

Ein weiteres Markenzeichen des Bundschuhs sind die legendären Monster-Cocktails. Dabei handelt es sich um 0,4 starke Humpen Promille-lastiger Gebräue, deren Zutaten so geheim sind, dass sie ihren Namen nur der jeweiligen Farbe verdanken. Im Bundschuh gibt es das Monster in grün, gelb, rot sowie weiß und blau. Manche Gäste kommen eigens hierher um beim “Ampelsaufen” je ein grünes,ein gelbes und ein rotes Monster in der richtigen Reihenfolge genüsslich in den Hals zu kippen.

Der Herr des Hauses, der Master of Disaster und Alleinherrscher über den Bundschuh ist Hauke Wieneke. Als nordischer Westfale ist er zwar der Inbegriff eines Neigschmeckten, aber nach so vielen Jahren im Badischen lieben Ihn seine Gäste und er sie um so mehr. Wenn man erstmal hinter sein nordisch kühles und direktes Wesen geschaut hat, entdeckt man hier eine starke Flamme und ein für den Kraichgau schlagendes Herz. Hauke sagt immer was er denkt, offen, ehrlich und frei heraus – taktiles “Umeinanderherumschwänzeln” ist seine Sache nicht. Vor vielen Jahren ist er ursprünglich der Liebe wegen in Untergrombach aufgeschlagen und vorletztes Jahr hat er dann den großen Schritt gewagt und den Bundschuh gekauft.

Seither wohnt der 1960 von seiner Mutti nach Storms Schimmelreiter benannte Hauke, neben gelegentlichen Aufenthalten in seiner Wohnung in Ubstadt – im Grunde in seiner Kneipe und führt hier Regiment über immerhin 34 Mitarbeiter. Die braucht es auch, denn den Bundschuh zu beherrschen setzt ein gewisses Gespür für Logistik voraus. 260 Plätze bieten der Bundschuh und der darunter liegende Bundschuh-Keller den Gästen, im Sommer kommen noch einmal 160 im Biergarten dazu. An den Wochenenden findet auch jeder dieser Plätze problemlos einen geneigten Gast um hier lange und fröhliche Abende zu verbringen.

Neben besagten Monster-Cocktails und Bieren der Brauhäuser Walhall aus Bruchsal, Fürstenberg und Paulaner, gibt es im Bundschuh auch eine große Speisekarte. In seiner Acht-Quadratmeter Küche zaubert Daniel in seiner Eigenschaft als Koch und Meister-Logistiker unzählige deutsche Spezialitäten, darunter natürlich Flammkuchen, Wurstsalat, Schnitzel und Steaks (abwechselnd aus Argentinien oder Uruguay) und auch echte Klassiker wie Herrgottsbscheißerle und den deftigen Bauernschmaus. Pommes gibt es übrigens keine, nur handgemachte Bratkartoffeln – hier ist Hauke zu keinerlei Kompromissen bereit.

Auch das Rahmenprogramm im Bundschuh kann sich sehen lassen. Alle 14 Tage gibt es Livemusik auf der kleinen Bühne unter den strengen Blicken von Waldorf und Statler. Regelmäßig kann man hier auch Charity-Konzerte erleben, deren Erlös karitativen Zwecken zugute kommt – meistens der Hospizgruppe Bruchsal oder bedürftigen Familien aus dem Ort. Ein richtiger Publikumsmagnet ist jedes Jahr auch das Vino-Festival im Bundschuh. Mehrere Weingüter stellen dann hier ihre Weine vor, es gibt eine kleine Lounge, Live Musik, einen DJ und ein derart gelöste Atmosphäre, dass sich Jahr für Jahr rund 600 Menschen aufmachen um dabei zu sein.

Wer den Bundschuh noch nicht erlebt hat, hat definitiv etwas verpasst und auf seiner To-Do-Liste als Kraichgauer einen wichtigen Punkt noch nicht abgehakt. Während unter der Woche hauptsächlich die Unter- und Obergrombacher im Bundschuh anzutreffen sind, strömen am Wochenende auch die “Ausländer” aus dem Umland nach Grobach um hier zu feiern. Dann trifft man hier auf eine bunte Truppe von Gästen aller Register zwischen 25 und 70 Jahren. Wer sich benehmen kann und Lust auf einen lockeren und gemütlichen Abend hat, der ist im Bundschuh jederzeit herzlich willkommen. Für Stressmacher allerdings gibt es hier keinen Platz, allenfalls ordentlich die Hauke voll.

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