Gemeinsames Pilotprojekt im Riedgraben
Eine Mitteilung der Gemeinde Gondelsheim
(PM) Der Gemeinderat Gondelsheim hatte bereits in seiner öffentlichen Sitzung am 19. Februar mit großer Mehrheit beschlossen, neue Wege beim Erosionsschutz zu gehen.
Ziel ist es, die Folgen von Starkregenereignissen zu minimieren und insbesondere den Abtrag wertvollen Mutterbodens aus landwirtschaftlichen Flächen zu reduzieren. Der Beschluss fiel bei lediglich einer Gegenstimme und bildet die Grundlage für ein zunächst auf zwei Jahre angelegtes Pilotprojekt gemeinsam mit den Gondelsheimer Landwirten.
Auslöser der Initiative waren unter anderem die massiven Auswirkungen des Starkregenereignisses vom 13. August 2024. Damals wurden große Mengen Schlamm und Erde aus den umliegenden Feldern in Straßen und Wohngebiete gespült. Besonders betroffen waren Bereiche rund um den Riedgraben.
Die nun beschlossenen Maßnahmen setzen auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Landwirtschaftsamt und den örtlichen Landwirten. Gefördert werden unter anderem erosionsmindernde Bewirtschaftungsformen wie Direktsaat oder Drohnensaat, also der Verzicht auf intensive Bodenbearbeitung in besonders sensiblen Bereichen. Die Gemeinde unterstützt die teilnehmenden Betriebe finanziell, um mögliche wirtschaftliche Nachteile oder Ertragsrisiken teilweise auszugleichen.
Anfang April trafen sich zahlreiche Landwirte im Bürgersaal, um gemeinsam mit Michael Maisenhelder aus Gondelsheim sowie Rolf Kern vom Landwirtschaftsamt Karlsruhe konkrete Flächen und Maßnahmen zu besprechen. Die Resonanz fiel dabei ausgesprochen positiv aus. Viele Betriebe signalisierten ihre Bereitschaft, sich aktiv am Projekt zu beteiligen. Nach aktuellem Stand sollen bereits im ersten Jahr rund 62 Hektar Fläche in das Programm aufgenommen werden. Davon entfallen etwa 41 Hektar auf Zwischenfrüchte in Direktsaat sowie rund 21 Hektar auf Wintergetreideflächen mit erosionsmindernder Bewirtschaftung.
Bürgermeister Markus Rupp sieht in dem Projekt ein wichtiges Signal für die Zukunft der Gemeinde: „Wir wissen, dass sich extreme Wetterereignisse niemals vollständig verhindern lassen. Aber wir können gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Böden widerstandsfähiger werden und weniger Erde in Straßen und Wohngebiete gelangt. Das ist aktiver Schutz für unsere Bürgerinnen und Bürger und gleichzeitig ein starkes Zeichen für die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Landwirtschaft.“
Initiator Michael Maisenhelder, der die Gespräche mit den Landwirten maßgeblich begleitet hat, betont den gemeinschaftlichen Ansatz: „Viele Betriebe möchten ihren Beitrag leisten und Verantwortung übernehmen. Uns war wichtig, praktikable Lösungen zu finden, die sowohl dem Bodenschutz als auch den betrieblichen Abläufen gerecht werden. Dass so viele Landwirte mitziehen, freut uns sehr.“
Auch Rolf Kern vom Landwirtschaftsamt Karlsruhe bewertet die Entwicklung äußerst positiv. Seit vielen Jahren begleitet er landwirtschaftliche Betriebe fachlich und wird das Projekt weiterhin betreuen und kontrollieren: „Die vorgesehenen Maßnahmen können den Boden deutlich besser auf den Flächen halten und die Wasseraufnahmefähigkeit verbessern. Gerade bei häufigeren Starkregenereignissen ist das ein wichtiger Baustein. Natürlich kann kein Konzept ein extremes Jahrhundertunwetter vollständig verhindern – aber wir können die Auswirkungen spürbar reduzieren.“
Das Landwirtschaftsamt überprüft auch im Auftrag der Gemeindeverwaltung, ob die vereinbarten erosionsmindernden Bewirtschaftungsformen ordnungsgemäß umgesetzt werden. Die Gemeinde Gondelsheim und die beteiligten Landwirte wollen das Projekt nun Schritt für Schritt auf die Schiene bringen. Geplant ist zudem, die Maßnahmen und die betroffenen Flächen zu einem geeigneten Zeitpunkt auch der Öffentlichkeit direkt vor Ort vorzustellen.
Mit dem gemeinsamen Projekt setzt Gondelsheim auf Prävention statt Reparatur – und auf eine enge Partnerschaft zwischen Kommune und Landwirtschaft zum Schutz von Böden, Infrastruktur und Anwohnern. In Gondelsheim wurde – wie angekündigt und auch vor dem Hintergrund der Hochwasserereignisse im August 2024 sowie weiterer festgestellter Überlastungen der Kanalisation im Folgejahr – das komplette Kanalnetz über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten umfassend untersucht und dokumentiert.
