Nach ihrer großen Europatournee, die sie von Athen bis Aberdeen führte, ist die Kraichtaler Band barn54 bald zurück in der Heimat und lässt mit einem Triple-Gig ein epochales Jahr ebenso epochal enden.
barn, sweet barn. Zuhause in der Scheune ist es immer noch am schönsten. Daran müssen sich Simon und Sina, die beiden Köpfe hinter barn54, erst einmal wieder gewöhnen – lange schon haben sie den Kraichgau nicht mehr gesehen. Das ganze Jahr sind sie bereits auf Achse, touren mit ihrem kleinen Bus durch wirklich ganz Europa, und das ist keineswegs übertrieben. Aus dem heißen Süden und dem griechischen Athen hat sie ihr Weg über den Balkan, den deutschsprachigen Raum und die Beneluxländer bis in den rauen schottischen Norden geführt, wo in Aberdeen der Showdown dieser Mammuttour über die Bühne geht.
Wobei, das stimmt so nicht ganz, denn ein treues Kraichtaler Herz schlägt schließlich am lautesten in der Heimat. Nach neun Monaten, 20.000 Kilometern Roadtrip und über 80 Auftritten in 18 Ländern endet dieses Jahr dort, wo alles begonnen hat: zu Hause im Kraichtal.
Smooth und cosy in der Kirche
Vom 19. bis 21. November feiern die beiden hier ihr Homecoming – an drei Locations, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Auftakt am 19. November ist der stillste: St. Andreas Kirche in Oberacker, 19 Uhr. Reduzierter Aufbau, ruhigere Songs, Geschichten von unterwegs und die Begegnungen hinter der Musik. Deshalb auch mit dabei: John und Josh von No Fixed Point. John kommt aus Liverpool, Josh von der Karibikinsel Aruba. Nach einem gemeinsamen Abend in Liverpool mit Simon und Sina war klar: It’s a Match.
Rock’n’Roll im Weingut
Am 20. November wird es dann lauter: Weingut Klenert in Münzesheim. Rock’n’Roll-Party mit Freunden, Familie und musikalischen Weggefährten, exklusiv Original Music in allen Sets. Und wie auch schon bei der „Polka ’n Blues“-Tour von barn54 ein schönes Crossover mit Musik, die auf den ersten Blick gar nicht kompatibel sein möchte, es aber am Ende auf geniale Weise doch ist. Mit dabei: Helles Blech, das wilde Bläserquintett von Simons Vater. Auch iNTENSiV/Fabian, Michel Wack und sonjasingt sind dabei. Der Abschluss der Tour wird gefeiert, nicht gespielt.


Am 21. November läuft es dann ganz gemütlich aus: Besenhex in Tiefenbach, nur mit Reservierung, mit Schwerpunkt auf Josh B und seinem Solo-Gitarrenspiel. Wer dabei sein will, sollte schnell sein.
Warum diese Abende mehr sind als Konzerte
Wer in den letzten Monaten die wilde Reise der zwei auf Insta verfolgt hat, weiß, was die beiden in den vergangenen Monaten auf dem Kerbholz angesammelt haben: geniale Begegnungen und lebendige Abende zwischen dem Mittelmeer und der rauen Nordsee.
Da wäre das Railway Quarter in Gateshead, wo rund 20 Menschen eine eigene Version des „Shades Song“ einspielten, deren Erlös an Daft as a Brush Cancer Patient Care gehen soll. Wo Sina und Simon nach einer Nacht im Van auf der Straße erkannt und mit einer Abschiedsparty verabschiedet wurden, die nach Worten der Nachbarschaft die Leute zusammengebracht hat wie lange nichts.
Da wäre die Nacht, in der sie John quer durch Wales nach Liverpool fuhren, halb illegal, wegen eines familiären Notfalls. Da wäre Pedjas Bauernhof in Bosnien, gekochte Eier mit Blattmustern, hausgemachter Schnaps und Bruderschaftstrinken – sein Motto: „Minimal problem, maximal relax.“



Und da wären die Zitate. „Ihr habt eine Ausstrahlung, die ich ehrlich gesagt nicht beschreiben kann“, sagte Stela Osmani vom Tirana Jazz Club. Tom Bunting aus England schrieb: „Ehrlich gesagt das beste Konzerterlebnis, das ich seit Langem gesehen habe.“
Die Rheinpfalz fand: „Musik, die ehrlich ist, Geschichten erzählt und Menschen zusammenbringt.“ Die Saarbrücker Zeitung attestierte einem „Wirbelwind“, der mit „so viel Energie, Wärme und Spielfreude“ über die Bühne fegt.
Irgendwann ist die Bühne nur noch Nebensache
Ein Konzert von barn54 ist keine statische Angelegenheit, das brennt, das geht ins Herz und vor allem mitten ins Publikum. Irgendwann ist die Bühne für Sina und Simon Nebensache. Dann spielen sie mitten im Publikum, aus einzelnen Stimmen werden Chöre, aus einem Konzert ein gemeinsamer Abend, bei dem die Grenze zwischen Musikern und Zuschauern komplett verschwimmt.
Jedes Mal der Gassenhauer, egal ob in Athen, in Tirana, in Pirmasens, in London oder Aberdeen: der Song, der das Zeug hat, in die Annalen der ewig jungen Sommerhits einzugehen – „The Shades Song“. Eine leichtfüßige Nummer, die für jede Eventualität im Leben nur eine Empfehlung kennt: Setz einfach die Sonnenbrille auf – der Rest ergibt sich schon.

Rund 1.000 Sonnenbrillen haben Sina und Simon auf dieser Tour verschenkt. Die türkisen Goodies brennen zwar ein Loch ins Budget, gehören aber längst zum festen Ritual des „Shades Song“ dazu: gemeinsam getragen und als Erinnerung mitgenommen.
Und deswegen ist es auch völlig egal, wie grau sich der Kraichgauer Herbst im November präsentieren mag. Zieht eure Sonnenbrillen an, kommt vorbei, seid jung und feiert ausgelassen die Rückkehr der beiden Kraichtaler Scheunenkinder.