„Feuer und Flamme – Das ist mein Leben“

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Jede der unendlich vielen Strömungen der Automobilkultur hat ihren ganz eigenen Fankreis – niemand aber ist fröhlicher und bunter als Liebhaber japanischer Fahrzeuge.

Ach ja, die erste Liebe. Sie brennt heiß und innig oder schmerzt bittersüß – je nachdem, ob sie erwidert wird oder eben nicht. Christian Müllers erste Liebe hatte das Zeug zu Letzterem, war schon drauf und dran, in einer Tragödie zu enden. Denn Christians erste große Liebe war Ende der Neunzigerjahre ein Toyota MR2, ein knallroter japanischer Sportwagen, der 1983 auf den Markt kam und unzählige Herzen gebrochen hat.

In Deutschland gab es den kleinen Flitzer aus Fernost nur mit dem 156 PS starken Saugmotor, doch Christian musste sich ausgerechnet in die Variante verlieben, die deutlich stärker mit Pferdestärken gesegnet war. Ein in England verunfallter MR2 mit dem 245 PS starken Turbomotor hatte es ihm angetan, also kaufte er das Fahrzeug – wohlwissend, dass diese Variante in unseren Breiten nirgendwo zugelassen war und kaum eine Chance auf eine Zulassung hatte.

Michael vor seinem mittlerweile schwarzen, früher knallroten MR2

„Niemand in Europa, also im linkslenkenden Europa, hatte überhaupt so einen Turbo-Motor jemals gesehen, außer die Engländer natürlich“, erzählt er mit seinem breiten Hockenheimer Dialekt und brennt schon wieder licherloh, wenn er seine Geschichte erzählt – eine Geschichte, die für ihn nach Schweiß, Tränen und jeder Menge Geld ein Happy End haben sollte.

Aber bis dahin sollte es noch dauern. Als er seinen neuen Wagen dem TÜV vorführte, winkte dieser nur ab und verwies darauf, dass es keinerlei technische Papiere für das Auto in Europa gäbe. Doch auch die Anfrage bei Toyota Deutschland brachte keinen Durchbruch: „Später kam dann die Absage von Köln, dieser Motor wurde nie für den europäischen Markt gebaut. Wir haben keine Nachweise über diesen Motor. Dann habe ich natürlich geweint.“ Christian lacht und erzählt, wie er sich damals bei seiner ganzen Familie Geld leihen musste, um ein eigenes Gutachten erstellen zu lassen – eines, dessen Ergebnis keineswegs garantiert war. Doch Christian hatte Glück, und er erinnert sich grinsend an den Moment, als er damit wieder beim TÜV aufschlug, wo man definitiv nicht damit gerechnet hatte, den hartnäckigen Toyota-Fan jemals wiederzusehen: „Der hat gesagt, es gibt so viele, die die Adresse wollen, aber bis jetzt habe er noch keinen danach jemals wieder gesehen.“

Christian erhielt also als erster Kontinentaleuropäer die Zulassung für den MR2 mit Turbomotor, war daraufhin bei jedem Fan-Treffen gefeiert und gern gesehener Gast. Alle wollten eine Runde mit dem schnellsten MR2 des Kontinents drehen, das Interesse war riesengroß. So groß, dass Christian Import und Zulassung japanischer Fahrzeuge zu seinem Beruf gemacht hat – noch heute, Jahrzehnte später, brennt er dafür und lebt davon.

Kein Wunder, dass er nun mittendrin ist, Teil des Teams der neuen Sonderausstellung des Technik Museum Sinsheim „The Spirit of Nippon“. Das hat nichts mit der gleichnamigen Schokolade zu tun, sondern ist eine japanische Bezeichnung für Japan, in etwa gleichbedeutend mit dem bekannteren „Land der aufgehenden Sonne“.

Denis Marasciulo

In der rund 3.000 Quadratmeter großen Halle 3 können bis Herbst 2028 rund 30 charakteristische Fahrzeuge bestaunt werden, darunter der Nissan Skyline R34 GT-R, der Wankel-Klassiker Mazda RX-7, ein historischer McLaren-Honda, Suzuki Samurai und Jimny aus der Reihe der Offroad-Kultmodelle sowie weitere seltene Fahrzeuge. Das Besondere: Alle Fahrzeuge sind Leihgaben privater Besitzer. Denn rund um Automobile aus Japan gibt es eine äußerst quirlige Fanszene – bunt, verspielt und fröhlich. Normalerweise sind Autos eher ein Männerding, aber in diesem Fall gibt es sehr viele Frauen, die sich für die nicht selten gestalteten, getunten, bunten und fantasievollen Autos aus Nippon begeistern können, erzählt Denis Marasciulo – seit über 20 Jahren in der Tuning-Szene, Teil des Ausstellungsteams und quasi die menschliche Schnittstelle zwischen Museum und Community.

Er war es, der die meisten der Exponate aufgetrieben hat, weiß aber auch, dass man die Fans gar nicht lange bitten muss. Sein Aufruf über Social Media brannte binnen Stunden lichterloh: „Ich mache ein Posting und sage: Freunde, wir planen hier folgende Idee […] dann haben wir morgen 50 coole Autos“, lacht er, denn die Autobesitzer sind natürlich auch stolz wie Bolle, ihre Schmuckstücke zeigen zu dürfen. „Für die ist es ja ein Ritterschlag, ihr Auto im Museum ausstellen zu dürfen […]. Das ist eine ganz liebenswerte, offene Community, die sich auch einfach selber trägt.“

Es ist eine Ausstellung von Liebhabern für Liebhaber, das betont Tobias Sohns, Ausstellungsleiter beim Technik Museum Sinsheim, explizit: „Wir sind für Fans von Fans – das ist der Gedanke, den ich nicht müde werde zu erwähnen.“ Trotzdem ist „The Spirit of Nippon“ keine in sich geschlossene Blase, sondern kann wirklich alle begeistern. Allein schon die bunte Aufmachung der Fahrzeuge, aber auch die Gestaltung der Halle mit dem japanischen Torbogen, dem Tokyo Tower mit all seinen blinkenden Anime- und spielerischen Darstellungen sowie den künstlichen Kirschblütenbäumen macht richtig etwas her. Man muss dafür gar keine besonderen Kenntnisse über die japanische Fahrzeugkultur mitbringen, Inspiration bietet die Ausstellung reichlich, erzählt Tobias und hofft: „[…], dass vielleicht jemand, der mit den Autos oder Tuning gar nichts anfangen kann, trotzdem hier reingeht und sagt: Mensch, das ist aber schön.“

Infobox – The Spirit of Nippon

The Spirit of Nippon

🇯🇵 Sonderausstellung · Technik Museum Sinsheim 🌸

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OrtTechnik Museum Sinsheim, Halle 3 (ca. 3.000 m²)
Laufzeit24. Oktober 2026 bis 10. September 2028
ExponateRund 30 charakteristische Fahrzeuge, u. a. Nissan Skyline R34 GT-R, Mazda RX-7, McLaren-Honda, Suzuki Samurai & Jimny – alle Leihgaben privater Besitzer
ThemenweltenKlassiker · JDM & Tuning · Motorsport · „Abseits der Straße“
BesonderheitenTorii-Bogen, Kirschblüten, Tokyo-Tower-Inszenierung, Retro-Gaming-Vitrinen, Fotospots, Rutsche – Exponate wechseln regelmäßig
EintrittIm regulären Museumseintritt enthalten
🏁 Car-Meet-Flair 🎮 Popkultur 📸 Fotospots 👨‍👩‍👧 Familienerlebnis
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