Feuertaufe für den D-Bau 2.0 – Fürst-Stirum-Klinik nimmt neuen zentralen Operationsbereich in Betrieb
Roland Walthers letzter Kontrollgang am vergangenen Sonntagabend durch den nagelneuen Operationsbereich im ebenso nagelneuen D-Bau seiner Klinik ist gleichermaßen von wohliger Ehrfurcht wie von Aufregung geprägt. Vor jedem Gerät, jedem Schalter, jedem Detail bleibt er kurz stehen, fährt vorsichtig mit der behandschuhten Hand darüber, pfeift leise durch die Zähne. „Toll“, oder manchmal auch „geil“, entfährt es dem hünenhaften Mann, der als Geschäftsführer der RKH Kliniken des Landkreises Karlsruhe gGmbH die Geschicke der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal und der Rechbergklinik in Bretten verantwortet.
Ein langer, langer Weg liegt hinter Roland Walther und seinem Team – allen voran hier zu nennen Projektleiter Christian Bodmer, der insbesondere in den letzten Wochen und Monaten quasi im D-Bau gewohnt hat. Fünf Jahre hat es gedauert, den vom Reißbrett an erdachten und gebauten D-Bau an der Bruchsaler Klinik Wirklichkeit werden zu lassen. Besonders stolz ist man dabei natürlich auf dessen Herzstück, den wegen seiner markanten Form in der Klinik liebevoll „OP-Schublade“ genannten Operationsbereich. Im Grunde ein riesiges Stück Hightech, modern und innovativ konzipiert bis ins kleinste Subsystem.

Besonders der hybride Operationssaal lässt Roland Walther staunen, obwohl er ihn von den ersten Entwürfen an begleitet hat. Doch es ist einfach eine ganz andere Hausnummer, ihn wirklich zu erleben, ihn betreten zu können.
Ein hybrider Operationssaal ist im Grunde das letzte technische Wort der Chirurgie. Eine Art „Best of“ zweier bisher getrennter Welten: ein klassischer OP, kombiniert mit einem interventionellen Katheterlabor samt Radiologie. Besonders für die Gefäßchirurgie in Bruchsal dürfte das ein echter Gamechanger werden – mikrochirurgische Eingriffe innerhalb der Gefäße, direkt unter leistungsstarker Bildgebung am Operationsplatz: Das gab es in dieser Form bislang nicht.
Man muss sich auch einfach vor Augen führen, dass der bisherige Operationsbereich rund 40 Jahre auf dem Betonbuckel hat – das alte Gebäude stammt sogar aus dem Jahr 1954. Höchste Zeit für ein Upgrade, insbesondere um die ganze Bandbreite moderner medizinischer Technologie ohne Kompromisse nutzen zu können. Oder wie Roland Walther es ausdrückt: „schlicht und einfach flächendeckend eine neue Ära“ für den Bruchsaler Klinikstandort.

Der gesamte Bereich für die Operenteure umfasst acht moderne Säle, so ausgerichtet und kombiniert mit Einleitungs- und Aufwachräumen sowie Schleusen, war eine ganz neue Taktung im täglichen Operationsbetrieb möglich ist. Der ganze Trakt mit seiner lamellenverkleideten Front und den Tageslichtfenstern in den Operationssälen wurde von den Planern aufgeständert, was dem Ganzen zu seinem Spitznamen verholfen hat. Und wie es mit Spitznamen eben so ist: Sie bleiben haften – was Roland Walther aber nicht im Geringsten stört. „Wir lieben unsere OP-Schublade hei und innig – und dabei kann es von mir aus gern bleiben.“
Ruhe im Karton – oder eben in der Schublade – ist jedenfalls auf lange Sicht nicht in Sicht. Das technische Team der Endabnahme und die Chirurgen geben sich hier quasi die Klinke in die Hand, die erste Operation ist bereits für den Montag angesetzt – es gilt, keine Zeit zu verschwenden. Ein halbes Jahrzeld hat der Bau gedauert, dabei extremen Widrigkeiten wie der Corona-Pandemie, der Rohstoffkrise, der Energiekrise und den weltweiten wirtschaftlichen Turbulenzen so gut getrotzt, wie es eben ging. „In den letzten fünf Jahren ein Krankenhaus zu bauen, kann nur zur Katastrophe gedeihen“, grinst Roland Walther schief, sichtbar erleichtert, dass nun alles in trockenen Tüchern ist, dass die Mammutaufgabe bewältigt werden konnte. „Jetzt soll es auch losgehen.“




Für den nördlichen Landkreis bedeutet die Inbetriebnahme aus Roland Walthers Sicht zuallererst Kontinuität: Die medizinische Versorgungsqualität werde „auf Sicht der nächsten zwei Jahrzehnte die bleiben, die uns anvertrauten Bürgerinnen und Bürger gewohnt sind“ – und darüber hinaus „partiell auf ein neues Niveau“ gehoben sowie organisatorisch auf „völlig neue Füße“ gestellt.
Eine Wolke bleibt freilich am Himmel: der Fachkräftemangel. „Fachpersonal ist heutzutage das Problemthema schlechthin“, sagt Walther – auch die Stellenpläne des Hauses seien „nicht vollständig gefüllt“. Ob die neue Kapazität voll ausgereizt werden kann, hängt also nicht zuletzt daran, ob der Nachwuchs kommt. Eine Baustelle, die es nicht erst seit gestern gibt, die sich aber neben vielen anderen Punkten auf der niemals endenden To-do-Liste der Fürst-Stirum-Klinik einreiht. Gebaut wird hier weiterhin, denn die „OP-Schublade“ war nur ein Streich von vielen. „D ist ja nur die erste Hälfte eines zusammenhängenden neuen Bauabschnitts, den wir DE nennen“, erklärt Roland Walther. Unmittelbar folgt der Rückbau des Altbaus E, in dem dann die zweite Hälfte des Neubaus entsteht: Der Abriss ist für November 2026 angesetzt, den formalen Baubeschluss für den E-Bau fällen die Gremien des Landkreises Karlsruhe im Januar 2027. Ohne den zweiten Baukörper, so Walther, lasse sich der Komplex weder funktional noch wirtschaftlich betreiben.




Nach außen mag der D-Bau wie ein Ende wirken – ist er aber nicht: Viel mehr ein Zwischenstand. Mit dem abgeschlossenen Komplex D/E ist nach Walthers Worten ein „wichtiger Meilenstein“ für den Standort Bruchsal gesetzt, hinter dem die nächste Baustelle schon wartet. Priorität haben dabei die Stärkung der Notfallmedizin sowie die Bereiche B- und F-Bau, deren Sanierung nicht ewig aufgeschoben werden kann.
Die kommenden Jahre bleiben somit von intensiver Bautätigkeit geprägt. Mit dem D/E-Bau ist jedoch die Richtung vorgegeben und ein wichtiger Grundstein gelegt, um den Standort Bruchsal nachhaltig für die Zukunft aufzustellen. „Wir freuen uns auf die weitere bauliche Entwicklung unserer Klinik“, resümiert Walther.




Zwischenzeitlich hat der neue OP-Bereich seine Feuertaufe bereits hinter sich, in der ersten Woche wurden mehrere Dutzend Patientinnen und Patienten erfolgreich in den neuen Räumlichkeiten operiert. Zeit für ein erstes Resümee. Prof. Dr. med. Martin Schuster, ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, vergleicht die ersten Tage mit denen, die nach dem Einzug in ein ganz neugebautes Haus folgen. „Es ist immer eine Herausforderung, alles ist neu“, erzählt er uns am Telefon, „es gibt zwar noch jede Menge zu erledigen, aber das ist ganz normal.“ Martin Schuster hat in den letzten Jahren intensiv an der Planung der neuen Säle mitgewirkt, schließlich sind es ja letztlich Mediziner wie er, die hier tagtäglich über viele Stunden zu Gange sind. „Es gibt hier keine Steckdose an irgendeiner Stelle, die nicht eingeplant war“, erzählt er augenzwinkernd und hebt dann eines der großen Features hervor, das neben der modernen Ausstattung die acht Operationssäle auszeichnet: echte Fenster mit echtem Tageslicht. Im alten Operationstrakt hätte man nie gewusst, welche Tageszeit es gerade ist, musste immer nur bei Kunstlicht arbeiten, jetzt könne er genau sagen, welche Tageszeit es gerade hat, freut er sich und schiebt ein nicht minder fröhliches „Das ist geil“ nach. Jeder, der schon einmal isoliert von natürlichem Licht gearbeitet hat, wird ihm sofort und ohne Vorbehalte zustimmen.

Dass das große Update kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit war, macht Prof. Schuster anhand einer einfachen Rechnung deutlich: Bei medizinischen Räumlichkeiten wie diesen liege die übliche Laufzeit bei circa 25 Jahren – der alte OP habe am Ende fast das Doppelte auf die Waage gebracht. Was nun an seiner Stelle steht, sei mehr als nur eine Ablösung auf Rechnung: modernste Ausstattung, durchdachte Arbeitsabläufe und als Krönung jenes echte Tageslicht, das die Arbeit aller Beteiligten spürbar erleichtert. Bevor sich nun der Alltag einschleicht, gilt es, in den nächsten Tagen und Wochen genau hinzuschauen und sich im Team auszutauschen: Was läuft gut, was noch nicht ganz rund, wo lässt sich nachjustieren? Ein ganz normaler Vorgang – auch ein neues Paar Schuhe muss eben erst einmal richtig eingelaufen werden.
