In der Garage brennt noch Licht

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Seit über 15 Jahren gibt es in der kleinen Döneria von Melahat und Süleyman selbst dann noch etwas zu essen, wenn Heidelsheim längst die Bordsteine hochgeklappt hat.

Verluste und Beständigkeit in Heidelsheim

Heidelsheim, der für uns unübertroffen schnuckeligste und liebenswerteste aller Bruchsaler Stadtteile, hat in Sachen Gastronomie in den letzten Jahren einige herzzerreißende Verluste zu beklagen. Den kultigen Strohhut gibt es schon seit gefühlt ewig Zeiten nicht mehr, der alte Autohof Herzl, über Jahrzehnte hinweg ein echter Fels in der Brandung, existiert ebenfalls nicht mehr, und darüber hinaus gab es einen steten Wechsel an den anderen gastronomischen Schauplätzen. Gut, dass es seit 2019 das „Servus Anni“ mit seinen zwei jungen Wilden – Anni und Chris – gibt, die am Marktplatz mit ihrem Bistro eine echte Ansage im dörflichen Raum geschaffen haben.

Das Dream-Team aus der Brettener Straße

Doch es gibt ein weiteres Heidelsheimer Pärchen, ein echtes Dream-Team, das so bescheiden und leise wirtschaftet, dass man es leicht übersehen kann. Seit mittlerweile ziemlich genau 15 Jahren betreiben Melahat und Süleyman ihre Döneria „Ewin“ in der Brettener Straße, benannt nach ihrer Enkelin – damals ein dreijähriges Mädchen, heute eine junge Frau von 18 Jahren. In einer ehemaligen kleinen Garage haben die beiden 2011 eine Dönerbude eröffnet; eine Branche, die, wie jeder weiß, in der Regel starken Schwankungen unterworfen ist. Nicht selten wechselt bei einem solchen Restaurant der Besitzer recht häufig. Es sind uns Dönerbuden bekannt, bei denen das pro Jahr mindestens einmal passiert.

Schon ein paar Jährchen her: Ein Schnappschuss von 2018

Nicht so bei Melahat und Süleyman. Die beiden sind quasi der Fels in der Heidelsheimer Brandung, ein Quell der Beständigkeit und gefühlt 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr zur Stelle. Tatsächlich ist es uns noch nie passiert, dass wir an der kleinen Garage vorbeigefahren sind, ohne dass darin noch Licht brannte. Das macht die beiden auch zu unseren persönlichen Helden. Wann immer wir von einem späten Termin über die B35 zurück nach Hause fahren, im Gepäck der große oder kleine Hunger nach anstrengenden Stunden: Bei Ewin gibt es mit Sicherheit noch etwas zu essen. Einen leckeren Yufka, einen Döner, ein Lahmacun oder eine Pizza – völlig egal. Alles, was die beiden mit Hand und Herz in ihrer etwa fünf Quadratmeter großen Küche herstellen, darf mit Fug und Recht und ohne Einschränkungen empfohlen werden.

Die wahren Werte

Das Kapital der beiden liegt nicht in der Location selbst. Die kleine Garage ist absolut zweckmäßig eingerichtet, nur das Nötigste, spartanisch, keine Bilder an der Wand – abgesehen von dem Gruppenfoto einer Sportmannschaft, deren Trikots die beiden irgendwann einmal gesponsert haben. Nein, das eigentliche Gold sind die beiden Inhaber selbst. Gäbe es das Wort „herzensgut“ noch nicht, so müsste man es für Melahat und Süleyman erfinden. Gutmütige, liebenswerte, ehrliche und bodenständige Menschen, die es schaffen, dass man sich in ihrer Gegenwart immer ein bisschen besser fühlt als zuvor. Nicht laut, nicht überschwänglich, dafür aber aufmerksam, leise, höflich und eben einfach herzensgut.

Echte Heidelsheimer aus Leidenschaft

Über 30 Jahre sind die beiden mittlerweile verheiratet. Vor ihrer Endstation Heidelsheim haben sie bereits gemeinsam in einem Restaurant in Wiesloch gearbeitet, davor waren sie in Düsseldorf daheim. Zwischenzeitlich sind sie jedoch echte Heidelsheimer durch und durch. Man trifft sie beim Bäcker oder auf der Straße, wenn auch nicht allzu oft. Denn wie gesagt: Gefühlt sind sie nonstop auf ihren persönlichen sieben mal drei Metern Grundfläche in der Nummer 14 der Brettener Straße zugange, kneten Teig, schneiden Gemüse und hobeln braun-krosses Fleisch vom Dönerspieß. Teilweise bis Mitternacht bekommt man hier noch einen Döner auf die Hand – keineswegs eine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht auf dem Dorf.

Und so freuen wir uns schon auf das nächste Mal, wenn wir zu später Stunde wieder heimwärts fahren, der Hunger sich meldet und vor uns die Lichter von Heidelsheim auftauchen. Dann gilt es wie immer, kurz in zweiter Reihe zu parken, um Sekunden später in das kleine, helle Rechteck der wohl liebenswertesten Garage in ganz Heidelse einzutreten.

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1 Kommentar zu „In der Garage brennt noch Licht“

  1. Ja, langsam stirbt Heidelsheim aus. Nicht nur was die Geschäfte betrifft, sondern auch, wie Sie richtig bemerkt haben die kulinarischen Genüsse. Der Adler eine gut bürgerliche Wirtschaft ist auch nicht mehr da. Das Clubhaus des FC 07 Heidelsheim bietet gute Küche und ein ansprechendes Umfeld. Das sollte man der Fairniss halber erwähnen.

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