Den Sommer loslassen – das tut weh, im Kraichgau aber nicht ganz so schlimm. Denn hier wird der Herbst einfach gemütlich.
Ganz sanft und unaufdringlich schiebt sich der Herbst Stück für Stück in unsere Mitte. Nicht mit dem ganz großen Knall, so wie wir es auch schon oft genug erlebt haben – heute 30 Grad, morgen nur noch zehn –, sondern in diesem Jahr ganz entspannt. Viel Sonne, Temperaturen weiterhin im Wohlfühlbereich: So macht der September Spaß. Dass der Herbst kommt, darüber gehen die Meinungen kaum auseinander. Sobald die Dämmerung einsetzt, wird es schnell kühler, die Wälder zeigen sich zunehmend in roten und braunen Tönen, wobei sie damit in diesem extremen Sommer leider bereits vor vielen Wochen begonnen haben.
Das Schöne am Herbst ist, dass alles etwas langsamer wird. Der Kraichgau entschleunigt sich zusehends. Zwar hat uns der Alltagstrott nach dem Ende der Sommerferien längst wieder im Griff, aber gefühlt nicht ganz so eisern, wie wir das aus dem Frühjahr kennen. Die Tage werden zwar kürzer, belohnen uns dafür aber mit atemberaubenden Sonnenuntergängen, langen, warmen Schatten und echten goldenen Stunden.





Bevor wir uns in unsere Häuser zurückziehen und irgendwann an unsere Öfen und Heizungen rücken, kommen wir im Kraichgau erst einmal zusammen, um den Herbst Seite an Seite zu feiern. Es ist die Zeit der Weinfeste, der Jahrmärkte und vor allem der Kirchweih. Oder vielmehr der Kirmes, der Kerwe, der Kirb, der Kirwe – ganz wie man es eben in ihrem kleinen Winkel des Hügellandes nennt.
Ursprünglich betrachtet ist die Kirchweih ein Volksfest zur Erinnerung an die Weihe einer Kirche, eine Tradition mit Wurzeln im Mittelalter. Aber wie so viele Feste mit einstlich religiösem Hintergrund hat es die Kirchweih ganz zwanglos in unseren Jahreskalender geschafft. Hier findet man Festzelte, Bierstände, Wurstbuden, Karussells – kurzum einen kleinen Jahrmarkt mit allem Drum und Dran.
Das heißt nicht, dass der kirchliche Aspekt keine Rolle mehr spielt. In Menzingen zum Beispiel beginnt die Kerwe traditionell mit einem großen Festgottesdienst in der evangelischen Kirche. Gut besucht und Ausdruck einer tiefen Verbundenheit der Menzinger zu diesem besonderen Fest, das man im Dorf schon seit ewigen Zeiten begeht.




Doch wenn die Glocken ertönen und sich das Portal öffnet, beginnt der fröhliche und zwanglose Teil des Tages. Um 11:00 Uhr erfolgt die Eröffnung durch Bürgermeister Tobias Borho, gefolgt vom Mittagessen und der großen Qual der Wahl, wo man dieses am besten einnimmt. Die Menzinger Vereine haben sich eine riesige Speisekarte ausgedacht: Jeder steuert etwas bei, jeder hat etwas Besonderes an seinem Stand zu bieten.

Spätestens um 12:00 Uhr sind alle Tische bis auf den letzten Platz besetzt. Mit Menzinger Hausmannskost im Magen, handgemachter Blasmusik in den Ohren und der Kraichtalsonne im Nacken lässt sich so ein Sonntag wahrlich aushalten.
Um den Nachwuchs muss man sich ohnehin keine Gedanken machen: Die Kinder können auf dem abgesperrten Bereich rund um die Kirche springen, spielen und Spaß haben – sei es auf dem kleinen Spielplatz hinter dem Gotteshaus, am Karussell, beim Kinderschminken der Schule am Wasserturm oder beim Entenangeln. Wenn der große Hunger kommt, sind eine Tüte Magenbrot oder ein Paradiesapfel nur ein paar von den Eltern erbettelte Groschen entfernt.



In Menzingen geht die Kerwe zudem Hand in Hand mit dem Regionalmarkt. Das ist genau das, wonach es klingt: feine Waren und Erzeugnisse direkt aus der Region. Da ist für jeden etwas dabei – Kunsthandwerk, Leckereien, Kosmetika und schöne Geschenkideen, denn ob man es glaubt oder nicht, Weihnachten ist gerade mal drei Monate entfernt.
Das hört sich gut an, finden Sie? Dann gibt es zum Schluss noch zwei gute Nachrichten: Zum einen können Sie in Menzingen am heutigen Montag einfach weiterfeiern – ab 17:00 Uhr mit reichlich guter Laune und gutem Essen, sodass Sie sich das Kochen sparen können. Zum anderen hat die Zeit der Kirchweih gerade erst begonnen, und in den kommenden Wochen laden unzählige Dörfer zum zwanglosen Beisammensein ein.