Wo fängt eigentlich Unrecht an?

|

Coming soon: Beeindruckendes Projekt für mehr Demokratie und deren Verständnis – Interaktives Geschichtslabor auf Schloss Bruchsal

von Stephan Gilliar

Demokratie? Das ist doch selbstverständlich… oder etwa doch nicht? Ich selbst bin in den Achtziger und Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts jung gewesen, tatsächlich eine Zeit, die vergleichsweise ereignislos verlaufen ist, keine großen Krisen, halbwegs stabile Politik, nur wenig Gründe für uns Junge sich lautstark bemerkbar zu machen. Wir hatten ein bisschen Ozonloch, ein paar weit entfernte Konflikte, ein bisschen landes- oder bundespolitische Aufregung, aber im Vergleich zu heute nur in homöopathischen Dosen. Statt Krieg in Europa, existenzieller gesellschaftlicher Umwälzungen durch Technologie, der Renaissance von Autokratie und Despotismus, waren unsere zentralen Probleme die Einführung fünfstelliger Postleitzahlen, des langen Shopping-Donnerstages und vielleicht noch der Rechtschreibreform. Klar, ein bisschen übertrieben, aber sie wissen was ich meine.

Unseren Rechtsstaat, unsere Demokratie haben wir allerdings zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewähnt, etwas, dass heute nicht mehr ohne weiteres so naiv zu betrachten ist. Der Aufschwung autoritärer Kräfte, radikaler Parteien samt ihrer fragwürdigen Ideologien, die ganz offen mit der Abschaffung rechtsstaatlicher und demokratischer Strukturen liebäugeln, ist nicht nur ein Problem irgendwo auf der Welt, sondern auch direkt hier bei uns in Europa, sogar direkt in unserem Land.

Man darf daher mit Flug und Recht die großen und bedeutsamen Fragen stellen: Was genau bedeuten Rechtsstaat, Demokratie und Zusammenhalt im Alltag, und wo verläuft die sensible Trennlinie zu Unrecht und Diktatur? Fragen, deren Beantwortung alles andere als leicht ist, vor denen wir uns aber nicht drücken oder wegducken sollten. Vom 13. Juni bis zum 13. September 2026 lädt der Lernort Kislau e. V. junge Besucherinnen und Besucher sowie alle Interessierten zu einer besonderen Auseinandersetzung mit diesen Fragen in das Schloss Bruchsal ein. Die interaktive Ausstellung „Wo fängt Unrecht an?“ macht abstrakte gesellschaftliche Werte greifbar und regt zum Nachdenken an. Denn eines muss uns immer bewusst sein: Das Leben in Freiheit und Frieden, mit unveräußerlichen Grundrechten, der Möglichkeit sich einzubringen, der eigenen Stimme Gehör zu verschaffen, sind wertvolle Schätze, die hart erarbeitet wurden und dennoch verletzbar und angreifbar sind. Es gilt sie zu verteidigen und das geht nur über Wissen und Verstehen.

Nehmen Sie sich also bitte die Zeit, besuchen Sie die aufwändig gestaltete Ausstellung auf Schloss Bruchsal. An insgesamt acht interaktiven Doppelstationen können sie dort alle Themen und Inhalte selbstständig entdecken. Drehelemente, Klappen und Schieberegler laden dazu ein, sich mit Theorien auseinanderzusetzen, untereinander zu diskutieren und eine eigene Position zu beziehen. Das Geschichtslabor verknüpft dabei die Historie mit der Gegenwart. Ausgangspunkt ist die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers Kislau, einem frühen Lager der Nationalsozialisten, in dem zwischen 1933 und 1939 mehr als 1.500 Männer inhaftiert wurden.

Geschichte begreifen und die Residenz erleben

Der Besuch des Geschichtslabors lässt sich ideal mit dem weiteren Kulturprogramm im Schloss Bruchsal verbinden. Neben der modernen Demokratie- und Diktaturgeschichte bietet die Anlage tiefe Einblicke in vergangene Epochen. Wer sich für die Inszenierung von Absolutismus und den Vergleich zur heutigen demokratischen Teilhabe interessiert, kann auf Anfrage an der Sonderführung „Vom Machtsymbol zum öffentlichen Raum“ teilnehmen. 

Filmvorführungen zur Bruchsaler Geschichte

Ergänzend zu den Themen von Recht, Unrecht und den Folgen von Diktaturen wird im Schloss die Dokumentation „Ein grauenhafter Tag liegt hinter uns“ von Dirk Weiler gezeigt. Der Film beleuchtet die Zerstörung Bruchsals am 1. März 1945 und liefert ein bewegendes Zeugnis über die Zivilbevölkerung als Leidtragende des Krieges. Die Vorführungen finden am 30. Juni 2026 und am 2. August 2026 jeweils um 17.00 Uhr im Kammermusiksaal statt.

Informationen zu den Öffnungszeiten, Termine für die Führungen sowie Anmeldungen nimmt die Schlossverwaltung Bruchsal telefonisch unter +49 (0)72 51. 74 26 61 oder per E-Mail an info@schloss-bruchsal.de entgegen.

Highlights & Termine im Überblick

Ausstellung: „Wo fängt Unrecht an?“
Zeitraum: 13. Juni bis 13. September 2026
Inhalt: Acht interaktive Doppelstationen mit Drehelementen, Klappen und Schieberegler zu Recht, Unrecht, Demokratie und Diktatur.
Zielgruppe: Vor allem junge Erwachsene, aber auch ältere Besucherinnen und Besucher sind willkommen.

Filmvorführung: „Ein grauenhafter Tag liegt hinter uns“
Termine: 30. Juni 2026 und 2. August 2026, jeweils um 17.00 Uhr
Ort: Kammermusiksaal im Schloss Bruchsal
Inhalt: Dokumentarfilm von Dirk Weiler über die Zerstörung Bruchsals am 1. März 1945 und das Leid der Zivilbevölkerung.

Führungsangebote (Termine auf Anfrage)
Sonderführung: „Vom Machtsymbol zum öffentlichen Raum“ – Vergleich von absolutistischer Architektur und heutiger demokratischer Teilhabe.
Klassische Führung: „Schlossführung durch die Residenz“ – Erkundung des berühmten Treppenhauses von Balthasar Neumann und der prachtvollen Appartements.

Information & Anmeldung
Schloss Bruchsal
Telefon: +49 (0)72 51. 74 26 61
E-Mail: info@schloss-bruchsal.de

1 Kommentar zu „Wo fängt eigentlich Unrecht an?“

  1. Unrecht fängt da an , wenn man Menschen bewusst in die Irre führt für den eigenen Vorteil ! Das schlimmste Gift für eine Demolratie ….

Schreibe einen Kommentar

Liebe Leser/innen, bevor Sie nun Ihren Kommentar absetzen, hier noch ein paar kurze Hinweise: Unsere Kommentarspalte ist nicht die Bruddelecke. Konstruktive und reflektierte Meinungen sind uns willkommen, Gemotze ohne Substanz dagegen nicht. Bleiben Sie fair, bleiben sie freundlich. Beleidigungen, Herabwürdigungen, überzogene Polemik oder unbelegte Behauptungen / Unterstellungen werden von uns weder veröffentlicht noch gibt es eine Diskussion darüber. Danke! Zum Datenschutz: Wir speichern über die von Ihnen übermittelten Angaben weder personenbezogene Daten oder IP-Adressen, noch werden Cookies gesetzt. Weitere Informationen finden sie in unserer Datenschutzerklärung