Sozial, asozial, dysfunktional – die Sache mit den Social Networks
Facebook, wir sind dir dankbar, ganz ehrlich. Als wir vor 13 Jahren mit dem Projekt hügelhelden.de angefangen haben, warst du ein wirklich starker Verbündeter, um unsere Sache bekannter zu machen. Wir erinnern uns sehr gerne zurück an eine lebhafte Community, an spannende, manchmal schwierige, aber oft auch sehr bereichernde Diskussionen in der Kommentarspalte unter unseren Beiträgen oder in den Gruppen.
Wir vermissen diese Tage, doch sie scheinen momentan vorüber. Es wirkt so – und das ist ein Eindruck, den viele Kolleginnen und Kollegen teilen –, als ob die gemäßigten Stimmen die Plattform seltener als Bühne nutzen. Vieles, was wir dort in den letzten Jahren erlebt haben, war geprägt von lautem Geschrei, Krawall, Negativität und teilweise auch handfestem Hass.
Mussten sich derart agierende Akteure vor ein paar Jahren zumindest noch auf argumentative Gegenwehr anderer einstellen, scheinen sie das Terrain heute oft für sich zu haben. Ein endlos langes, dunkles Ende einer schmuddeligen Kneipentheke im Zwielicht – so erscheint uns zumindest derzeit die atmosphärische Grundlage vieler Worte. An einer solchen Theke wird nicht mehr diskutiert, um einander zuzuhören, sondern oft nur noch monologisiert, um Frust abzuladen.
Wir sind dieser Entwicklung mit einer Strategie entgegengetreten, über die sich definitiv streiten lässt. Nach vielen fruchtlosen Versuchen gegenzusteuern, haben wir uns häufig gegen den direkten Austausch auf Facebook entschieden und posten viele Artikellinks mit deaktivierter Kommentarspalte. Das kann man als Rückzug betrachten – wir sind nicht mal böse, wenn es so gesehen wird –, aber das eigentliche Motiv ist Selbstschutz und der Erhalt unserer Arbeitsfähigkeit.
Jede Stunde, die wir mit dem Moderieren von unsachlicher Kritik oder dem Ertragen persönlicher Affronts verbringen, fehlt uns am Ende für die Recherche und das Schreiben der Geschichten, für die ihr uns eigentlich folgt. Wenn man sich tagtäglich mit dieser Negativität konfrontiert sieht, verändert das den Blick auf die Arbeit auf eine Weise, die nicht förderlich ist. Wir möchten aber die Hügelhelden bleiben, die mit Leidenschaft für euch berichten, anstatt uns im digitalen Grabenkrieg aufreiben zu lassen.
15.374 Menschen folgen uns nach wie vor über Facebook, für ein regionales Medium eine stolze Zahl, die uns sehr am Herzen liegt. Dennoch fühlt sich die Seite oft wie ein „Lost Place“ an. Übrigens kein Phänomen, das auf uns beschränkt ist; auch in vormals lebendigen Gruppen findet kaum noch ein echter Austausch statt. Alles wirkt wie eine digitale Plakatwand, unterbrochen von individuellem Unmut, der dort lautstark platziert wird.
Was bedeutet das für uns? Wir werden unsere Präsenz dem Wandel der Plattform und vor allem der Veränderung der Diskussionskultur anpassen. Wir sehen diesen Schritt nicht als endgültigen Abschied, sondern als notwendige Atempause und Neuausrichtung. Künftig werden wir Facebook etwas anders bespielen und schauen, welche Formate hier noch funktionieren – zum Beispiel durch das Teilen von Inhalten unserer Schwesterplattform Instagram. Wir wollen Facebook nicht einfach aufgeben, aber wir ziehen die Konsequenzen aus der aktuellen Dynamik und halten uns für die Zukunft alle Optionen offen.
Unabhängig davon steht euch unsere eigentliche Webseite, unser Baby und Herzstück, natürlich immer zur Verfügung. Dort ist der Platz für konstruktive Kommentare, für echte Nachrichten und Wissenswertes aus unser aller Lieblingsecke der Welt. Dort brennt das Licht noch hell.
