Die Gartenschau in Eppingen ist lange vorbei, doch das, was sie für die Stadt getan hat, hält bis heute an.
Ein Stück vom Glück – Ein Rundgang durch das Eppinger Sommermärchen, das bis heute anhält
von Stephan Gilliar
Eine kleine Anekdote aus Eppinger Kindheitstagen in Sachen Gastfreundschaft und Herzlichkeit: Früher, damit meine ich die Achtzigerjahre, war der alte Stadtpark unterhalb des Eppinger Bahnhofs noch im Wesentlichen wildes Land. Die Elsenz floss weitgehend unerschlossen hindurch, direkt dahinter verschachtelten sich kleine Gartenparzellen mit windschiefen Hütten. Der größte Spaß mit Freunden war es damals, Boote zu basteln und diese auf der Elsenz gegeneinander antreten zu lassen. Von der alten Holzbrücke ließ man sie ins Wasser plumpsen und feuerte danach die eigene fiktive Bootsmannschaft an. Dieses kindliche Gelächter war offenbar manchen schon zu viel; regelmäßig trabte irgendein Senior aus den Schrebergärten heran, schimpfte und fuchtelte mit der Faust in der Luft. Einer, daran erinnere ich mich gut, hielt sich sogar das Radio vor den Mund und führte so ein fiktives Telefonat mit der Polizei, das uns Angst einjagen und in die Flucht schlagen sollte. Wir kamen natürlich dennoch zum Spielen, schließlich ist das Herz Eppingens für alle da – so zumindest unser kühnes Anspruchsdenken aus einer Zeit, die jetzt schon 40 Jahre zurückliegt.









Heute ist aus diesem Empfinden Wirklichkeit geworden. Dort, wo die Elsenz einst schmucklos in ihrem Bett vor sich hin gluckerte, dort, wo Maschendraht und Spießbürgerlichkeit vorherrschten, ist heute das schönste Stück Eppingen entstanden, mindestens so schön wie der alte Marktplatz oder die Altstadt. Die Rede ist vom Weiherpark, dem Herzstück der Gartenschau, die Eppingen so lange beschäftigt und geprägt hat. Vor recht genau vier Jahren, im Mai 2022, wurde das Großprojekt eröffnet, das im Vorfeld für so viele Diskussionen, aber auch für Hingabe und Engagement unter den Menschen der Stadt gesorgt hatte. Fünf Monate lang war Eppingen nicht nur irgendeine kleine Stadt im Kraichgau; sie war der Nabel einer ganzen Region, ein Aushängeschild und vermutlich einer der schönsten Plätze, um den damaligen Sommer zu verbringen. Noch heute erinnert sich jeder gerne an den Sommer 2022, das Eppinger Gegenstück zum Sommermärchen, für immer unvergessen.
Mit beeindruckend vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern und einem riesigen, abwechslungsreichen Programm wurde die aufwendig gestaltete Altstadt, aber auch der neu entstandene Weiherpark mit Leben gefüllt. Sprichwörtlich jeden Tag war etwas los, besonders in den heißen Monaten reihte sich Veranstaltung an Veranstaltung. Eppingen blühte, und zwar in jeglichem Sinne des Wortes.




Doch alles geht einmal zu Ende; auch jedem Sommer, jeder Blüte und jeder Gartenschau ist dieses Schicksal bestimmt. Im Oktober 2022 flanierten die letzten Besucher über das Gelände, fuhren das letzte Mal die Shuttlebusse, feierte die Stadt ein letztes Mal gemeinsam ihre Gartenschau. Seither ist es wieder ruhiger geworden in Eppingen, aber das ist das Happy End dieser Geschichte: Es wurde nie wieder so ruhig wie zuvor. Immer noch ist der Weiherpark im Sommer das neue Eppinger Wohnzimmer. Eine Vielfalt an Veranstaltungen, die sich die Stadt eine stolze Stange Geld kosten lässt, bereichert seit dem Ende der Gartenschau das Eppinger Kulturleben. Schon zum dritten Mal gibt es auch dieses Jahr wieder den Eppinger Festivalsommer zu erleben. Vom 6. bis zum 29. August fühlt sich der Weiherpark dann fast wieder ein bisschen so an, als wäre immer noch Gartenschau. Gemeinsames Essen und Trinken, Konzerte, Mitmachaktionen, Fitness und Lebenslust: Das Programm ist bunt gemischt und bietet für jede Altersklasse etwas. Mehr dazu gibt es auf der Internetseite der Stadt Eppingen zu entdecken.
Und das Gelände? Dort, wo sich im Sommer 2022 die Magie abgespielt hat? Vieles davon gibt es immer noch, zum Beispiel die steinernen Wassertische, die den Verlauf des alten Mühlkanals symbolisieren sollen. Dazu viele kleine, lauschige grüne Ecken, reichlich Eppinger Sandstein, das Bürgerhaus Schwanen samt Biergarten und natürlich den Weiherpark mit seinem großen Spielplatz und sogar gleich zwei Bistros mit Sitzgelegenheiten. Die große hölzerne Promenade am Weiher selbst mit ihren ausladenden Sitzmöglichkeiten wird besonders gerne angenommen. Wenn die Sonne auch nur ein bisschen scheint, sieht man die Eppinger hier miteinander sitzen und quatschen – vermutlich das schönste Stück vom Erbe der Gartenschau.










Das große Freigelände mit den Schaugärten, dort, wo früher die große Bühne stand, ist mittlerweile wieder ganz in landwirtschaftlicher Nutzung. Hier picken Hühner, teilweise noch in den gut erkennbaren Überbleibseln der Ausstellungsfläche. Aber das ist in Ordnung. Die komplette Fläche zu bewirtschaften, hätte die Stadt überfordert – das war ohnehin zu keinem Zeitpunkt angedacht. Doch dem Rest gegenüber muss man der Stadtverwaltung ein Kompliment machen: Er wird hervorragend gepflegt und in Schuss gehalten. Die gesamte Anlage ist immer noch in tadellosem Zustand, es macht Spaß, sich hier aufzuhalten.
Der nächste Sommer steht vor der Tür, und mit ihm kehrt das Leben in die neue Mitte Eppingens zurück. Die großen Besucherströme sind Geschichte, und wo einst Schaugärten blühten, herrscht heute wieder ländlicher Alltag. Doch der Kern des Sommers 2022 ist unvergänglich: Eppingen hat gelernt, sich selbst zu feiern. Was bleibt, ist weit mehr als Sandstein und Wasser – es ist ein neues Wir-Gefühl, das die Stadt bis heute trägt.

Leider sind wir bei unserem letzten Umzug in diesem lausigen Kraichtal hängen geblieben.
Wir hätten nach Eppingen durchstarten sollen☝️
Ich finde, daß das Gelände der Gartenschau zu einer positiven Veränderungen beigetragen hat. Am See zu sitzen und einen kühlen Gerstensaft zu schlürfen, das hat schon was. Für mich gibt es viele schöne Ecken zu entdecken.