Auf ewig schwarz

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Asche zu Asche, Staub zu Staub, Müll zu Müll: Der Landkreis hat auf der Suche nach einem Standort für mineralische Abfälle einen heißen Kandidaten.

von Stephan Gilliar

Die einen machen Dreck, die anderen räumen ihn weg. Gerade bei Abfällen, die etwas schwieriger zu handhaben sind als Sägespäne oder gewöhnlicher Erdaushub, gestaltet sich die Frage der Entsorgung oft komplex. Was mineralische Abfälle angeht – also all das, was beim Bauen, Abreißen und Sanieren zum Beispiel in der Industrie übrig bleibt und nicht recycelt werden kann –, so wurde dieser Müll im Falle des Landkreises Karlsruhe bislang exportiert, meist nach Maulbronn im benachbarten Enzkreis. Doch die dortige Deponie Hamberg erreicht bald das Ende ihrer Kapazitäten, weshalb der Landkreis Karlsruhe, aus Eigenverantwortung, aber auch aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen, künftig besagten Müll auf eigenem Boden entsorgen muss.

Wo das genau sein könnte, darüber hat sich eine Ingenieurgesellschaft aus Karlsruhe im Auftrag des Landkreises in den vergangenen Monaten den Kopf zerbrochen. Am Ende blieben ein paar Favoriten übrig, von denen nun einer ausgewählt wurde. Im Finale steht im Grunde eine alte Bekannte: die ehemalige Kreismülldeponie bei Bruchsal, den Bruslern auch als die „Schwarzen Berge“ bekannt.

Sollte der Kreistag diesem Vorschlag in seiner nächsten Sitzung Anfang Mai zustimmen, wird hier ein sogenanntes „Deponie-auf-Deponie-System“ umgesetzt. Das bedeutet genau das, wonach es sich anhört: Künftig würden auf den schwarzen Hügeln, sorgfältig abgeschirmt durch mehrere Trennschichten, mineralische Abfälle aufgebracht werden. Dazu gehört beispielsweise freigemessener Bauschutt aus kerntechnischen Anlagen, etwa aus Karlsruhe, aber auch klassisches Asbest. Je nach Gefährlichkeit der Stoffe werden diese vor der Ablagerung selbstverständlich entsprechend verarbeitet und eingekapselt. Eine Belastung oder Gefährdung für die Umgebung sei damit nicht gegeben.

Sollte das Projekt wie angedacht umgesetzt werden, wird die neue Deponie über einen Zeitraum von 60 Jahren hinweg betrieben. Insgesamt sollen 2,2 Millionen Tonnen Müll nördlich von Bruchsal deponiert werden können. Detaillierte Pläne können an dieser Stelle noch nicht verkündet werden; diese müssten im Laufe der kommenden Jahre erarbeitet werden, sofern der Kreistag im Mai grünes Licht gibt. Bis zu zehn Jahre könnte diese Planungsphase dauern, bis die ersten Lastwagen mineralische Abfälle nach Bruchsal transportieren. Dann sind im Durchschnitt bis zu elf Lkw-Lieferungen pro Werktag eingeplant, hinzu kommen Anlieferungen durch private Unternehmen oder Endverbraucher.

Neben Bruchsal waren noch einige andere Standorte im Gespräch, unter anderem in Waghäusel, Hambrücken, Rheinstetten oder Stutensee. Am Ende erwies sich die bestehende Mülldeponie in Bruchsal als die beste Lösung, da sie die meisten der elf Kriterien sofort erfüllen konnte. Man könnte auch sagen: Bruchsal ist in diesem Fall die beste aller schlechten Lösungen. Vermutlich wünscht sich niemand eine solche Deponie vor der eigenen Haustür, weshalb das Feedback aus der Bevölkerung mutmaßlich nicht euphorisch ausfallen dürfte. Doch eine Deponie auf einer bereits bestehenden Anlage zu errichten, ist vermutlich die verträglichste Lösung. Denn ganz pragmatisch gesehen: Wer Müll erzeugt, muss auch mit Müll leben.

Das Thema mineralische Abfälle wird den Landkreis in jedem Fall noch über Jahrzehnte hinweg begleiten. Das liegt allein schon an den vielen Bausünden der Vergangenheit – die zwar oft nicht bewusst begangen wurden, deren Altlasten nun aber irgendwohin müssen. Die Recyclingquote ist bei dieser Art von Abfall zwischenzeitlich übrigens sehr hoch: Bis zu 80 % können wieder in reguläre Kreisläufe zurückgeführt werden.

Klar ist aber auch: Die Perspektive für die „Schwarzen Berge“ von Bruchsal wird sich zwar nicht grundlegend verändern, aber die Rückkehr zu grünen Hügeln wird um Jahrzehnte verzögert. Das Material, das künftig hier zusätzlich eingelagert werden soll, gilt schließlich als unverrückbar und muss deswegen sicher für einen sehr langen Zeitraum verwahrt werden.

Der heutige Termin markiert lediglich den Start einer intensiven öffentlichen Debatte. Am 7. Mai 2026 muss der Kreistag offiziell über die Standortempfehlung entscheiden. Erst danach beginnt das formale Genehmigungsverfahren, in dem alle Umweltaspekte und Sicherheitsstandards nochmals genauestens unter die Lupe genommen werden.

Fragen, die sich aus diesen Planungen unzweifelhaft ergeben werden, können Bürger übrigens direkt vor Ort stellen: Eine Bürgerinformation soll die Öffentlichkeit am 20. Mai über alle bis dahin bekannten Details informieren – vorausgesetzt, das Gremium erteilt zuvor sein grünes Licht.

Gut zu wissen: Schon jetzt gibt es zahlreiche Informationen zum möglichen Vorhaben auf der folgenden Webseite: https://deponie2.de