Jane Krämer wurde nicht mit dem silbernen Löffel im Mund geboren, sieht sich nicht einem verstaubten Museum vorstehend und träumt insgeheim von einem großen Rave im Park. Und genau deshalb ist sie die perfekte Besetzung als neue Hausherrin auf Schloss Bruchsal.
Es ist leise in Jane Krämers Büro, gelegen im Erdgeschoss in einem der alten Gesindehäuser, die das große Tor zum Ehrenhof auf Schloss Bruchsal rechts und links flankieren. Derzeit ist das Damianstor gesperrt, deswegen gibt es erstmals seit Langem kaum Verkehr auf der B3, die in Bruchsal ausgerechnet durch die ehemalige Prachtmeile der Stadt führt. Wobei, wenn man sich die ellendicken Mauern des alten Hauses ansieht, hört man wahrscheinlich auch an geschäftigen Tagen kaum etwas von den vorbeirauschenden Autos. Jane Krämers Büro ist kein Büro wie jedes andere in der Stadt, so wie auch ihr Job keinem anderen in Bruchsal gleicht. Jane Krämer ist die neue Leiterin der Verwaltung; man könnte auch sagen, die neue Schlossherrin auf Schloss Bruchsal.

Das mag im ersten Moment wildromantisch klingen, vielleicht ein bisschen an die Zeit erinnern, als auf Schloss Bruchsal der Hochadel ein und ausging und Pomp und Gloria die mondänen Tage prägten, doch im Grunde bedeutet Verwaltung vor allem eines: na ja, viel Verwaltung eben. In Jane Krämers Büro laufen im Grunde all die Fäden aus den vielen Ecken und Winkeln des Schlosses zusammen. Hier koordiniert sie die verschiedenen Akteure, die in den alten Mauern zugange sind: die Führerinnen und Führer, das Kassenpersonal, die Haustechnik, Hausmeister, Kuratoren und viele mehr. Nur für Reparaturen, beispielsweise für die derzeit laufende Sanierung der großen Balkone, ist sie nicht verantwortlich. Darum kümmern sich die Kollegen von „Vermögen und Bau“, die ihre Büros ebenfalls auf dem weitläufigen Areal haben. Tatsächlich werden viele der alten Gebäude entlang der Bruchsaler Schlossachse noch für ganz pragmatische Zwecke genutzt. Hier finden sich das Amtsgericht, das Polizeirevier, das Familiengericht und sogar das Finanzamt. Schloss Bruchsal und alles, was dazugehört, ist von hierher ein vitaler Teil der Stadt und Jane Krämer möchte, dass das auch genauso bleibt. „Das ist von Bruchsal für Bruchsal. Und das soll es auch bleiben“, sagt sie und verwehrt sich gegenüber jener Trennlinie, die früher einmal zwischen den Hochwohlgeborenen und den einfachen Leuten verlaufen sein mag. „Wir wollen das Ganze bewahren und erhalten, aber eben auch für alle öffnen – nicht diesen Absolutismus leben, wie es vielleicht die Adligen und Fürstbischöfe gehandhabt haben. Es soll ja Teilhabe für jeden bedeuten.“

Jane Krämer ist im Grunde das genaue Gegenteil des elitären und distanzierten Duktus, den früher die alten Schlossherren gegenüber den Bruchsalern vertreten haben mochten. Sie selbst kommt im besten Sinne aus einfachen Verhältnissen, aus einer bodenständigen Handwerkerfamilie im ländlichen Schwaben. Statt an die Werkbank hat es Jane Krämer aber hinter den Schreibtisch gezogen. Der Ausbildung zur Verwaltungswirtin im mittleren Dienst folgte das Studium der allgemeinen Finanzverwaltung. Das ist im Grunde noch gar nicht so wirklich lange her, denn Jane Krämer ist ganz augenfällig auch eines: verdammt jung. Ihre Jugend umweht sie wie ein frischer Wind, der erst mal so gar nicht zur geschichtsträchtig dicken Luft des alten Schlosses passen möchte. Tatsächlich ist der Esprit, der mit ihren nicht einmal 30 Jahren daherkommt, vermutlich aber genau die Art von Frischzellenkur, die das historische Monument im Herzen der Stadt brauchen kann. Denn nur auf angestaubte, verkopfte Hochkultur zu bauen, würde de facto zum Ausschluss ganzer Bevölkerungsschichten führen und im Grunde jene Art von Noblesse kultivieren, die auch die eingangs erwähnte Trennlinie schärfen würde. Zu Jane Krämers Selbstverständnis in ihrer neuen Position gehört daher auch ganz bewusst der Abbau von Schwellenängsten – das Schloss soll ein vitaler Teil der Stadtgesellschaft sein. „Wir möchten die Leute nicht dazu zwingen, jetzt alle Geschichtsnerds zu werden und sich perfekt mit dem Schloss auszukennen.“

Niederschwellige Angebote für wirklich alle und jeden gehören deswegen zum Konzept. Eine Osterrallye für Kinder, bunte Events wie zum Beispiel die laufende Playmobil-Ausstellung, fröhliche Feste, Open-Air-Konzerte und natürlich der beliebte Adventsmarkt. Die 28-jährige Hausherrin, die ganz nonchalant auf braunen Sambas und in ausgefransten Jeans durch ihr Schloss gleitet, denkt sogar noch deutlich weiter. „Ein Rave im Schlossgarten, das wäre mein Traum“, lächelt sie schief und macht deutlich, dass Schloss Bruchsal ein Ort ist, der für alle Generationen ein Zuhause sein darf und soll.

Zuhause ist sie selbst mittlerweile natürlich im Badischen, hier lebt sie zusammen mit ein paar guten Freunden in einer Wohngemeinschaft und pendelt jeden Tag nach Bruchsal. Eine moderate Strecke, wenn man bedenkt, dass sie zuvor auch das deutlich größere Mannheimer Schloss verwaltet hat – immerhin das zweitgrößte Barockschloss Europas, das – so sagt die Legende – genau ein Fenster mehr hat als das berühmte Schloss in Versailles … wenn schon, denn schon. Wie viele Fenster Schloss Bruchsal hat, das muss Jane Krämer gar nicht wissen, dafür hat sie ihre Stellvertreterin Laura Baumann, die sich wie keine andere mit den Daten, Fakten und vor allem der bewegten Historie von Schloss Bruchsal auskennt. Überhaupt kann Jane Krämer auf ein gutes Team zählen, das sie überall unterstützt und mit dem sie eine Beziehung auf Augenhöhe und ohne Hierarchien führt. Hierarchien soll es hier auf Schloss Bruchsal für sie überhaupt nicht mehr geben; der Weg ist das Ziel und den kann man nur gemeinsam gehen. „Wir sind eine richtig große Familie hier auf Schloss Bruchsal“, sagt sie, und auch wenn das etwas abgedroschen klingen mag, zeigt sich beim anschließenden Rundgang durch die Anlage und beim Kontakt mit ihren Mitarbeitenden, dass es absolut zutreffend ist. Immer wieder bleibt sie stehen, schiebt sich die blonden Haare aus der Stirn, die der lebhafte Aprilwind frech zerzaust, hört zu, plaudert und lacht mit den vielen Menschen, die hier auf Schloss Bruchsal wirken. Es tut gut, ihr dabei zuzusehen, und es tut gut zu wissen, dass Schloss Bruchsal genau die sanfte und starke Frau an seiner Spitze hat, die es verdient und braucht, um weiterhin den Sprung vom Gestern ins Morgen zu schaffen.
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Vielen Dank für das Portrait der jungen sehr hübschen Dame. Die Bechreibung passt sehr gut zu den Hügelhelden. Vielleicht würden Könige besser zu diesem Land passen als ein Vertreter eines Finanzgiganten im Kanzleramt.
Da freue ich mich drauf, dieser Dame mal im Schloss zu begegnen!
Und: wie wäre es, wenn man die angesprochene B3 mal aus dem Schlossareal besser aus ganz Bruchsal rausnehmen würde?