Der erste Weihnachtsmann des Jahres

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Traditionell startet der Kleintierpark Mingolsheim als Erstes in die Weihnachtszeit. Mit einem Weihnachtsmarkt, der schon längst Kultstatus genießt – den Weihnachtsmann inklusive.

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Himmel, die Zeit rast wahrlich dahin. Gerade eben haben wir im Sommer noch am Baggersee gelegen und einen Wimpernschlag später nippen wir schon am ersten Punsch der Saison. Tempus fugit – die Zeit flieht. Das wird mir nirgendwo so sehr bewusst wie im Kleintierpark am Rande von Mingolsheim. Gefühlt vorgestern hat meine kleine Tochter auf meinen Schultern sitzend über den ersten Weihnachtsmann des Jahres gestaunt, heute staunt sie über die horrende Summe, die für einen Führerschein fällig wird.

Und dennoch ist es schön, einmal wieder hier zu sein, dieses wunderbare Ritual mitzuerleben, mit dem im Grunde der ganze Kraichgau in die Vorweihnachtszeit startet. Schon Mitte November feiert der Kleintierpark Mingolsheim den ersten Weihnachtsmarkt der Region und der Saison, früher macht das keiner. „Ganz am Anfang haben wir das am ersten Advent gemacht, aber die Konkurrenz durch die großen Märkte war einfach zu übermächtig, da haben wir einfach nach vorne verlegt“, erzählt Max Leitzig vom Park-Team, „das haben die Leute gerne angenommen“.

In der Tat haben sie das – auch am vergangenen Wochenende. Offiziell startet der kleine Markt um 11:00 Uhr, um 10:30 Uhr standen allerdings schon ein paar Dutzend Besucherinnen und Besucher vor den Gittern, um, nun ja, zu ergattern, was es zu ergattern gab. Beispielsweise hausgemachte Plätzchen, beigesteuert von den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, dazu liebevolle, selbst gebastelte Weihnachtsgeschenke aus Holz und anderen natürlichen Materialien. Und dann passiert eben das, was immer passiert, wenn ein begrenztes Angebot auf hohe Nachfrage trifft: Innerhalb kürzester Zeit sind die Stände und Regale im kleinen Tierpark-Weihnachtsmarkt wie leer gefegt. Nachvollziehbar, gibt es doch Geschenke, die echte Unikate sind, nicht von der Stange und mit Herz und Verstand hergestellt. Claudia und Edith, zwei Schwestern aus Mingolsheim, vor einigen Jahren ins benachbarte Langenbrücken „ausgewandert“, haben ein paar sehr schöne Stücke ergattert, freuen sich über die tollen Weihnachtsgeschenke und die Handarbeit, die diesen innewohnt und anzusehen ist. Der einzige Wermutstropfen: das alles zum Auto zu tragen. Aber danach wollen sie beide wiederkommen, schließlich hat der kleine Markt noch viel zu bieten, lachen die Schwestern.

Die vielen Autos sind tatsächlich über die Jahre zu einem Problem geworden, insbesondere seit der Markt nicht Hunderte, sondern tatsächlich noch ein paar mehr Gäste in den Park zieht. Wilder Verkehr auf den Einbahnstraßen, die eigentlich nur für Anlieger freigegeben sind, hat in der Vergangenheit zu Problemen geführt. Jetzt haben Max und sein Team das aber besser im Griff, ausgerüstet mit Walkie-Talkies und reichlich Manpower, können die Verkehrsströme zur rechten Zeit in die rechte Bahn gelenkt werden. Dennoch fragt man sich beim einen oder anderen, insbesondere bei jenen aus dem Ort, ob nicht ein kurzer Spaziergang an diesem schönen Herbsttag eine Alternative zur Anfahrt – wie man im Kraichgau sagt – „bis vors Loch“ gewesen wäre.

Im Park ist die Stimmung den ganzen Tag über ausgelassen, fröhlich und tatsächlich richtig weihnachtlich. Sogar die Tiere scheinen aufgeregt, obwohl sie den Trubel natürlich gewohnt sind. Irgendwie liegt etwas in der Luft, etwas Schönes. Auch Marina und ihr Sohn Robin sind extra für diese besondere Atmosphäre nach Mingolsheim gekommen, haben fast 100 km Anfahrt aus dem südbadischen Achern in Kauf genommen, um diesen ersten Augenblick der jungen Weihnachtszeit zu genießen. Auch sie schlendern durch den Park, streicheln die Tiere, pausieren für ein schönes Foto mit Esel Benny.

Natürlich gab es auch das, was für viele einen Weihnachtsmarkt im Kernstück definiert, in rauen Mengen. Heißen Glühwein und heiße Würste, verkauft und ausgeschenkt natürlich in den klassischen Holzbuden, damit eben richtiges Weihnachtsmarkt-Flair aufkommt. Und natürlich gab es auch dieses Jahr wieder das Highlight, warum so viele Kinder erwartungsvoll jedes Jahr mit ihren Eltern an den Rand von Mingolsheim pilgern: Punkt 15:00 Uhr knattert der alte Traktor des Kleintierparks los, zieht einen Anhänger, auf dem gütig winkend der Weihnachtsmann höchstpersönlich steht. Unter Staunen und Jubel der unzähligen Kinder verteilt er die Miniatur-Schokoladenversion seiner selbst und versetzt glückstrahlend eine ganze Generation junger Kraichgauer schon am 16. November endgültig und unwiederbringlich in fröhliche Weihnachtsstimmung.

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