Endlich angemessen helfen können – Der Ortsverband Neuenbürg-Oberöwisheim des Deutschen Roten Kreuzes kämpft um ein eigenes Fahrzeug
Wer sich im Deutschen Roten Kreuz engagieren möchte, der braucht regelmäßig starke Nerven. Nicht nur, weil der Alltag als ehrenamtliche Einsatzkraft vieles abverlangt, sondern auch, weil die Ortsverbände nahezu alles selbstständig organisieren und weitgehend finanzieren müssen. Einfach eine Ortsgruppe gründen, Ausstattung und Ausbildung gestellt bekommen? So leicht ist es leider nicht. In der Praxis kann das Deutsche Rote Kreuz als eingetragener Verein das in seiner weit verzweigten föderalen Struktur in der immensen Fläche schlicht nicht leisten.

Die vielen kleinen Ortsverbände bilden daher nicht nur das moralische, sondern auch das finanzielle Rückgrat der Organisation. Gelder werden in erster Linie durch Spenden generiert, durch bezahlte Einsätze, aber auch durch Feste und Vereinsaktivitäten – wie zum Beispiel einen Kuchenverkauf.
Kuchen gegen Katastrophen?
Damit der DRK-Ortsverein Neuenbürg-Oberöwisheim – vor zwei Jahren durch Fusion aus den vormals getrennten Ortsgruppen entstanden – die aktuell geplante Anschaffung auf diesem Wege finanzieren kann, müsste er allerdings mehrere zehntausend Stück Kuchen an den Mann oder die Frau bringen. Rund 75.000 Euro sind selbst für die Emsigsten unter den Ehrenamtlichen nur schwer zu stemmen. So viel kostet nämlich das Einsatzfahrzeug, das in der Ausstattung des Ortsvereins noch fehlt, aber dringend benötigt wird.

Derzeit müssen die Retter mit ihren privaten Autos im Notfall ausrücken – verbunden mit all den auf der Hand liegenden Schwierigkeiten. Es gibt weder ein Sonder- noch ein Wegerecht, man wird von anderen Verkehrsteilnehmern nicht als Einsatzkraft erkannt. Dementsprechend riskant können solche Fahrten sein – besonders dann, wenn wirklich Not am Mann ist und jede Sekunde zählt.
„Wir werden schon gar nicht mehr alarmiert, weil wir kein Einsatzfahrzeug haben.“, berichtet Rebecca – eine bittere Erkenntnis für die vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich hier in ihrer Freizeit engagieren.
Zusammengewachsen im Einsatz
Regelmäßig treffen sich die rund 17 aktiven Mitglieder im Übungsraum im Feuerwehrhaus Neuenbürg. Sie trainieren intensiv, bilden sich fort, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben.

„Mittlerweile richtig eingeschworenes, zusammengewachsenes Team.“, erzählt Rebecca stolz. Die Crew kann sich wirklich sehen lassen: Darunter ist mit Jutta eine ehemalige Pflegedirektorin der Fürst-Stirum-Klinik, aber auch der jahrzehntelang erfahrene Werner, einst leitender Sanitäter der JVA Bruchsal.
Sie alle wollen helfen, wollen für andere da sein – benötigen dafür aber ein Mindestmaß an adäquater Ausrüstung. Ein eigenes Einsatzfahrzeug ist dabei nicht einfach nur nice to have, sondern eine Grundvoraussetzung für die tägliche Arbeit.

Ein Anfang ist gemacht
Einen Teil der 75.000 Euro hat das Team bereits zusammen, darunter auch Unterstützung der Stadt Kraichtal sowie ein Zuschlag bei den Herzensprojekten der Volksbank Kraichgau. Dennoch fehlt noch ein erklecklicher Betrag, bevor die Anschaffung überhaupt in Reichweite rückt.
Durch den anfangs exemplarisch erwähnten Kuchenverkauf wird diese Milch nicht fett – „Wir sind da komplett auf Spenden angewiesen.“, bringt es Rebecca pragmatisch auf den Punkt.
Jede Unterstützung zählt
Eigene Arbeitsgruppen, die sich mit der Beschaffung der nötigen Mittel befassen, haben längst ihre Arbeit aufgenommen. Firmen werden kontaktiert, Flyer gedruckt, Blutspendeaktionen, Sanitätsdienste und Hilfsleistungen angenommen – wo immer es möglich ist. Dennoch braucht es noch mehr gute Geister – vielleicht auch unter unseren Leserinnen und Lesern.

„Also quasi jeder, der sich da berufen fühlt – nicht nur die Neunbürger.“, konkretisiert Rebecca. Und wir tragen diesen Wunsch gerne weiter.
Wer den DRK-Ortsverein Neuenbürg-Oberöwisheim unterstützen und seinen Teil zur Anschaffung des dringend benötigten Einsatzfahrzeugs beitragen möchte, ist herzlich eingeladen, einen Betrag seiner Wahl auf das folgende Konto zu überweisen:
DRK Neuenbürg-Oberöwisheim
DE42 6729 2200 0000 4485 16

Man kann ja denken was man möchte, aber weshalb sich Rettungsdienste auf Spenden und „Goodwill“ verlassen müssen anstatt von Seiten des Bundes angemessene Ausrüstung zu erhalten, entzieht sich auch heute noch meinem Verständnis.
Da kann ich mich nur anschließen
Diese Arbeit im Ortverein zu machen, dafür muss man ein richtiger Idealist sein. Es wird zusätzlich zu den eigentlichen Aufgaben im Ehrenamt unglaublich viel Zeit verlangt für absolut themenfremde Arbeiten zur Geldbeachaffung, so dass man dieser wichtigen Arbeit überhaupt erst nachkommen kann.
Warum die benötigten Mittel für ein Fahrzeug nicht vom Bundesverband gestellt werden können, ist mir schleierhaft. Dieser war aufgrund der horenden Einnahmen und der hohen Aufwandsentschädigungen an den Vorstand (über deren genaue Höhe man lieber schweigt) mehrfach in der Kritik, selbst die Gemeinnützigkeit wird immer wieder in Frage gestellt.
Daher: Hut ab – an alle, die sich in den unzähligen Ortsverbändenen engagieren und ihre Freizeit opfern!
Und erbärmlich, wie diese Ehrenämter honoriert werden!