Mit einem riesigen Festwochenende feiert der Musikverein Weiher sein beeindruckendes Jubiläum
Das Jahr 1900 – eine andere Zeit, aber voller Aufbrüche, voller Innovationen. Auf der Pariser Weltausstellung werden ab April zahlreiche Errungenschaften vorgestellt, zum Beispiel der Dieselmotor, der Tonfilm oder die Rolltreppe. Das erste Kreuzfahrtschiff läuft vom Stapel und in Friedrichshafen startet der erste Zeppelin. Außerdem werden die ersten gastronomischen Sterne durch den Guide Michelin vergeben, zudem erfährt die Oper Tosca ihre Uraufführung.








Ach ja, wo wir doch gerade im Bereich Musik angekommen sind – auch wenn in ihrer weltweiten Bedeutung ein paar Etagen weiter unten angesiedelt – gab es auch im Kleinen die ein oder andere Neuerung. Just in diesem Jahr gründet sich im kleinen Dorf Weiher die erste Musikkapelle, ins Leben gerufen von gerade einmal zwölf Musikern. Es war die Geburtsstunde eines der heute ältesten Vereine in der Region – mehr als zwölf Jahrzehnte sind seit der Gründung des heutigen Musikvereins Weiher ins Land gezogen. Jahrzehnte voller Höhen und Tiefen, voller Schicksalsschläge, aber auch musikalischer Sternstunden.
Von Schicksalsschlägen und Sternstunden
Zu den dunklen Kapiteln gehört die zweimalige Auflösung, weil die Musiker in den beiden Weltkriegen zum Militär einberufen wurden, aber auch ein fataler Verkehrsunfall in den Zwanzigerjahren, als zahlreiche Mitglieder verletzt und die Instrumente des Vereins größtenteils zerstört wurden. Zu den Sternstunden gehört die stete Weiterentwicklung des Vereins, eigene Räumlichkeiten, die Öffnung des musikalischen Zirkels für Frauen und nicht zuletzt jede einzelne Gelegenheit, bei denen der Musikverein den Menschen in Weiher die Freude an der Musik näherbringen konnte.








„Es war ja 1900, als der Verein gegründet wurde, da gab es halt keinerlei Tonkonserven, wie man sie heute zur Verfügung hat… der Bedarf bei den Menschen nach Musik war groß. Wenn einer ein Instrument spielen konnte, dann ist er belagert worden“, fasst Ubstadt-Weihers scheidender Bürgermeister Tony Löffler die Bedeutung des Musikvereins Weiher in der damaligen Zeit zusammen – auch und gerade, weil sich dessen Mitglieder immer für die Musik und deren Fortbestand eingesetzt haben, ganz egal, was die Zeit gerade an Erfordernissen mit sich brachte. „Die haben ja früher Riesenopfer gebracht, um überhaupt mal Musik zu machen und zu hören.“
Voller Einsatz, auch bei 40 Grad
Ja, Musik machen sie immer noch – und das nicht zu knapp. „Unser Verein steht super da“, erzählt Vorstand Marco Fischer, während er bei knapp 40 Grad in der Sonne in seiner blauen Uniform auf den Beginn des Festumzuges zum großen Jubiläum wartet. „Gegründet wurde mal mit zwölf Musikern. Jetzt haben wir um die 60 Aktive und knapp 400 passive Mitglieder“, erzählt er stolz – auch, weil die Nachwuchsarbeit hervorragend funktioniert. „Wir haben eine super tolle Jugend, also wir stehen schon richtig gut da.“








Stimmt, sie stehen gut da – auch wenn sie sich bei dieser brütenden Hitze gerne in Bewegung setzen würden. Kein Wunder, dass sich der große Tross Punkt 14:00 Uhr mit dem Schlag der Kirchturmglocken auf dem Kirchplatz auf den Weg macht. Ein Stück die Hauptstraße entlang, dann rechts in die Alte Poststraße bis zum großen Festplatz führt die Strecke – gesäumt von zahlreichen Menschen, die ihren Musikern zum Jubiläum gratulieren wollen.
Ein Dorf im Festmodus
Vielleicht wären es ein paar mehr geworden, wenn die Sonne nicht ganz so gnadenlos vom Himmel gebrannt hätte und der Hardtsee keine so verlockende Alternative gewesen wäre – doch über das Wetter zu lamentieren ist bekanntlich vergebliche Liebesmüh. Der Fröhlichkeit tat das in jedem Fall keinen Abbruch – auch, weil sich so viele andere Vereine entschlossen hatten, beim großen Umzug in Weiher dabei zu sein.








Viele andere Musikvereine – zum Beispiel aus Ubstadt, Stettfeld, Zeutern, Odenheim oder Langenbrücken. Aber auch andere Institutionen wie die Hako-Freunde, die Kinder der örtlichen Kindergärten und Schulen, Oldtimerclubs und Sportler reihten sich in den bunten Konvoi ein. Das gemeinsame Ziel: der Festplatz und das anschließende gemeinsame Musizieren und Singen. Ganz gemächlich und langsam wogte die fröhliche Menge durch den Ort – logisch, Huddeln und Hetzen liegt nicht in der Natur der Weihermer Schnecken.
Zukunftsmusik auf zwei Rädern
Bürgermeister Tony Löffler winkte aus einem schneeweißen Mercedes des Oldtimerclubs der Lomax-Freunde, seine Nachfolgerin Katharina Kimmich vom Sozius eines Motorrads (so hat man es uns versichert, gesehen haben wir sie im Trubel leider nicht). Zwar noch nicht im Amt, nimmt sie bereits im Vorfeld viele Termine in Ubstadt-Weiher wahr. Fühlt sich das eigentlich schon ein bisschen an wie das Amt, das sie in einem bemerkenswerten Wahlergebnis vor wenigen Wochen erobert hat? „Also fühlt es sich schon danach an“, sagt sie. „Ich bin auch sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekomme, auch jetzt so langsam reinzurutschen.“
Nicht verpassen – oder erst wieder in 25 Jahren
Wer die bisherigen Feierlichkeiten des Musikvereins in Weiher versäumt haben sollte, hat übrigens heute noch Gelegenheit, dabei zu sein. Ab 11:30 Uhr gibt’s das traditionelle Handwerkeressen am Festplatz an der TVE-Halle, ab 17:00 Uhr wird weiter gefeiert – und um 19:00 Uhr gibt’s dann etwas ganz Besonderes: eine Ausgabe von Wetten, dass..?– quasi in der Ortsversion von Weiher. Organisiert vom Musikverein und unter Beteiligung der anderen Ortsvereine.
Das dürfen Sie sich nicht entgehen lassen – sonst müssen Sie vermutlich bis zum 150-jährigen Jubiläum warten.

Humptata!🤗