Der Frühlingsempfang des Landrats in Bruchsal war ein hier und da improvisierter und gerade deshalb rundum unterunterhaltsamer Abend.
Was für eine Kulisse im edelhölzern-goldenen Retro-Charme des Bruchsaler Bürgerzentrums. Wer beim Frühlingsempfang des Landrats die Floskel vom „großen Bahnhof“ bemüht, wird der Sache kaum gerecht. Sagen wir es lieber so: Wäre an diesem Samstagabend das Dach von Bruchsals guter Stube eingestürzt, hätten sämtliche Großunternehmen der Region ihre Vorstände neu wählen und so ziemlich alle Kommunen im Landkreis neue Gemeindeoberhäupter suchen müssen. Alles, was Rang und Namen hatte, war angerückt und reihte sich brav in die endlos lange Doppelschlange ein, um dem Gastgeber, Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, die Hand zu schütteln. Der oberste kommunalpolitische Player des Landkreises präsentierte sich glänzend aufgelegt. Seite an Seite mit seiner Frau Adelheid Breitschwerdt fand er für jeden Gast Zeit für ein paar herzliche Worte, einen festen Händedruck oder eine Umarmung.






Dass an Dr. Christoph Schnaudigel abseits seines politischen Wirkens ein passabler Showmaster verloren gegangen ist, bewies er bei der Begrüßung der mehreren hundert Gäste. Mit Charme, Wortwitz und der berühmten Schnaudigelschen Nonchalance läutete er einen Abend ein, dessen Zeitplan quasi mit dem ersten Gong über den Haufen geworfen wurde. Aus aktuellem Anlass verzögerte sich die Ankunft des Hauptredners Dr. Frank Bräutigam, Leiter der ARD-Rechtsredaktion, um ein beträchtliches Stück. Vor der Kür kommt bekanntlich die Pflicht – und eine spontane Live-Schaltung aus dem SWR-Studio in der Karlsruher Kriegstraße zur Tagesschau nach Hamburg machte den vollen Einsatz von Bräutigam unabdingbar. Das Landratsamt bewies jedoch Improvisationstalent und streamte die Nachrichten kurzerhand live auf die Leinwand im Bürgerzentrum. So kam es zur absurden Situation, dass hunderte Menschen gemeinsam die Tagesschau verfolgten, inklusive der obligatorischen Werbung für Gürtelrose-Prophylaxe. Wie rasant der Alltag eines Journalisten sein kann, zeigte sich hier eindrücklich: In einem Moment gibt ARD-Jurist Frank Bräutigam noch seine Einschätzung zu komplexen KI-Deepfakes im Kielwasser der aktuellen Diskussion um den Fall Ulmen ab, im nächsten steht er bereits in Bruchsal auf der Bühne und gibt Einblicke in seine spezialisierte Redaktion.






Um die entstandene 45-minütige Lücke zu füllen, sprang die Big Band des Landratsamtes in die Bresche. Ursprünglich nur als musikalische Begleitung vorgesehen, avancierte sie unfreiwillig zum Hauptact – ein „Konzert mit angeschlossenem Vortrag“, wie der Landrat augenzwinkernd kommentierte. Ein Glücksfall für das Publikum, denn bei dieser Formation, die sich tatsächlich zum Großteil aus Mitarbeitenden der Behörde zusammensetzt, handelt es sich mitnichten um eine bräsige Beamtenkapelle, sondern um eine hochkarätige Truppe von Vollblutmusikern. Seit Ende der Neunzigerjahre verfügt das Amt über diesen musikalischen Arm, der seit geraumer Zeit von Marco Vincenzi geleitet wird. Um die Wartezeit zu überbrücken, brannten er und seine rund 30 Mitstreiter ein Feuerwerk zwischen klassischen Big-Band-Sounds und modernen Pop-Hymnen ab. Von Adele bis Irene Cara war alles dabei, stimmgewaltig und mit Gänsehautgarantie interpretiert von Tanja Frank. Die arbeitet tagsüber in der Eingliederungshilfe der Behörde, kann aber abends im Glitzerkleid locker mit dem Rat Pack mithalten.









Im Anschluss an den offiziellen Teil folgte, man ahnte es, der obligatorische Stehempfang mit Fingerfood. Es wurde diskutiert und erörtert, aber vor allem locker gequatscht und „geconnectet“. Unterm Strich war es ein extrem kurzweiliger Abend, der sich sehr viel unterhaltsamer und nahbarer ausnahm, als man es bei diesem Format vermutet hätte.

Da entdecke ich im Bilderreigen meinen „alten“ Nachbarn aus früheren Zeiten, den langjährigen Ex Bürgermeister der Gemeide Sulzfeld Eberhard Roth. Ein Empfang sicher nicht für das gemeine Volk, sondern eher für die Herrschaften Bürgermeister & Co.
Ja, da labt sich unsere „Elite“ auf Kosten der Allgemeinheit!
Da feiert der Landrat die die ihn wählen und die die ihn wählen feiern den Landrat. Die die das bezahlen feiern nicht mit.